Episode 12: Gib dir die Weckschelle!

Zitat von Rita: Das ist ein Gedanke, des Neuhumanismus, den ich hoch aktuell finde: Dass ich mit meinem Leben einen Vorschlag mache, was Menschheit sein könnte.

Wie konnte das nur passieren? Es haben doch alle gewusst! Die Frage wird gerne im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg gestellt und nein, die können wir nicht beantworten. Was wir uns aber fragen können: Wann setzen wir eigentlich Wissen in Handlungen um? Aktuell schön zu sehen an der Debatte um Plastikmüll und To-Go-Becher. Wir wissen alle: Plastikmüll und To-Go-Becher sind schlecht für die Umwelt. Sie vergiften unser Wasser und töten Meerestiere. Wir finden das zwar alle ganz schlimm, trotzdem fällt es uns schwer, unser Leben so zu ändern, dass wir deutlich weniger Plastikmüll produzieren. Warum? In dieser Episode diskutieren wir die Rahmenbedingungen. Wann handeln wir? Wie entwickeln wir Handlungsalternativen? Und wie setzen wir einen Veränderungsprozess in Gang? Denn egal, welche Begründung wir finden, warum wir unser Wissen nicht in Handlung übersetzen. Sind die Dinge, die wir täglich tun, alternativlos? Manche schon. Essen zum Beispiel. Manche aber auch nicht, vor allem nicht in der Retrospektive: „Das auszuhalten ist wahrscheinlich ganz schwer, dass es immer auch ein alternatives Handeln gegeben hätte.“ Und dann? Weckschelle!

Das ist übrigens der Artikel, über den wir eingangs ganz kurz sprechen: Neu entdecktes Tagebuch – Jeder konnte es wissen (Zeit online vom 22. Juni 2011)

Episode 11: Geruch ist Anwesenheit

Zitat: Geruch ist Anwesenheit

Es ist Sommer und ja – es stinkt! Manchmal zumindest. Zum Beispiel in der U-Bahn. Nach menschlichen Ausdünstungen. Oder nach Parfüm, um eben diese zu überdecken. Und ob wir wollen oder nicht – wir nehmen das wahr. Ritas Nachbar zum Beispiel benutzt Parfüm zur biologischen Kriegsführung. Gegen Wühlmäuse. Von der Geruchsprobe, die Rita auf ihrer Hand hatte, war sie allerdings nur mäßig begeistert. Ihr seht schon – zu Gerüchen haben wir ein sehr emotionales Verhältnis. Woher das kommt, ob es eine Verpflichtung zur Hygiene gibt und wie wir nett sagen können: Du stinkst! – darüber sprechen wir in dieser Episode.

Die im Podcast zitierten Links sind:

Wie düfte uns manipulieren | Spektrum.de vom 25.05.2015

Bedeutung des Geruchs aus psychologischer Sicht | stangl-taller.at – zuletzt aufgerufen am 15.06.2017

Episode 10: Passivisch grundgetönte Aktivität

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt."

Um es mal mit Judith Holofernes zu sagen: „Wir müssen nur wollen!“ – eine These, die sie im damaligen „Wir sind Helden“-Song ordentlich auf den Prüfstand stellt. Und genau das tun auch Rita und ich, Nora, in unserer aktuellen Folge. Denn eins ist klar: Wenn wir keinen Bock darauf haben, dass uns hier alles aus dem Ruder läuft, dann müssen wir was tun. Wobei: Müssen wir? Alle? Und was braucht es dazu? Aktionismus? Oder doch eher Verweigerung?
Aktion ist erst mal das Naheliegende – und ist manchmal gar nicht so aufwändig wie es scheint, wie Cornelia Heyken von #ichbinhier auf dem Youtube-Channel von Jäger & Sammler erklärt. Am Ende brauchen wir aber vor allem erst mal ein Vokabular, sagt Rita. Wir müssen beschreiben lernen, wie unsere Situation ist – und was uns daran nicht passt. Da geh ich doch glatt mit!

Episode 9: (K)ein Urlaub in Vulgarien

"...das schmerzt mich erkenntnistheoretisch" - sagt Rita, wenn Beleidigungen einfach nicht zur Situation oder zum Thema passen

Achtung! Dieser Podcast enthält ganz explizit sehr explizite Beleidigungen! Aber wir müssen halt mal drüber reden. Und das Schöne: Beim Thema Schimpfen und Beleidigen sind wir zwei, Rita und Nora, wirklich sehr verschieden. Ich, Nora, bin da eher impulsiv und – ja, ich muss es wohl so sagen – vulgär. Und Rita hat da weniger den Hang zum Beleidigen. Aber warum machen wir das? Warum beleidigen wir und vor allem, warum benutzen wir dabei völlig unreflektiert Worte, die wir in einem ausgeglichenen Gemütszustand niemals verwenden würden? Für Rita übrigens ganz wichtig beim Thema beleidigen und beschimpfen: Wenn dann bitte kontextbasiert und korrekt! Ein großer Spaß mit Raum für Kreativität. Ach, bei der Gelegenheit: Schickt uns doch gerne eure kreativsten Schimpfworte via Mail oder Twitter. Von Rita habe ich im Nachgang noch folgendes gelernt: „Phallogozentristenarsch“ – eine schön feminismuszentrierte Beleidigung 😉

UPDATE 15. Juni 2017: Verteidigung der Beleidigung!

Moritz Klenk hat sich in seinem Podlog #163 mit unserer Folge auseinandergesetzt und ist ungefähr genau der gegenteiligen Meinung. Finden wir grundsätzlich sehr spannend und deshalb wollen wir an dieser Stelle gerne auch Moritz Podcast-Folge hier verlinken. Muss ja a) alles seine Vollständigkeit haben und b) sind da wirklich auch viele gute, weil kontroverse Gedanken drin. Erweitert definitiv den Horizont!

Episode 8: Ein Eimer voller Krabben

Zitat von Rita Molzberger: Wenn viele Krabben in einem Eimer sind, und eine krabbelt raus, dann halten die anderen die fest. Die wollen nicht, dass die da raus geht."
Wir sind ja alle sehr darum bemüht, die Regeln einzuhalten. Welche auch immer das sein mögen. Der Fußballspieler Ansgar Brinkmann ist dagegen eher berühmt und berüchtigt dafür, Regeln zu brechen. Dabei hat er nicht nur die Gabe, sich dabei über sich selbst zu amüsieren. Die Storys erheitern auch ein größeres Publikum. Seine Trainer und Teamkollegen waren hingegen nicht immer so amused über seine Eskapaden.Wir fragen uns in Episode 8, warum wir eigentlich manchen Menschen – gerne Promis – den Regelbruch zugestehen, ja sie sogar dafür feiern! Regeln, die wir nie brechen würden. Oder für die ein Freund sogar ordentlich auf die Mütze bekommen würde.
Und wir stellen uns die Frage nach dem Erwachsenwerden. Werden wir alle langweilige Spießer, wenn wir uns an die Regeln halten? Und können Regeln auch erwachsen gebrochen werden – oder vernünftig?

Zitiert haben wir übrigens aus folgendem Buch: „Ansgar Brinkmann – Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich“ | Autor: Peter Schultz | Werkstattverlag. Die Literaturliste von Rita findet ihr in den letzten 5 Minuten des Podcasts.

Übrigens: Falls euch die Podcastfolge gefallen hat, lasst uns doch einen Kommentar da. Oder schreibt uns unter nora(at)wasdenkstdudenn(punkt)de oder rita(at)wasdenkstdudenn(punkt)de. Oder folgt uns auf Twitter.

Episode 7: Ein unheimliches Gespenst

Ein Nashorn müht sich vor dem Bild eines Einhorns auf einem Laufband ab

Wenn wir uns bilden, machen wir das natürlich nicht ausschließlich im geistigen Sinne. Bildung existiert auch im optischen Sinne. Wir entwerfen oder entwickeln ein Bild von uns, das wir nach außen tragen. Und das, obwohl wir permanent mit einer falschen Vorstellung unseres Selbst herumlaufen. Schließlich sehen wir uns im Spiegel immer falschherum. Unser Abbild ist also eh nie das, was andere von uns wahrnehmen. Da stellt sich auch die Frage, wie weit wir bei dieser Bilddung unseres optischen Selbst überhaupt gehen dürfen. Sind Schönheitsoperationen eine Form von Bildung? Und dann haben wir festgestellt, dass wir beide auch noch eine Art „Bildstörung“ mit uns herumschleppen.Viel Spaß bei unserem erkenntnistheoretischen Weg durch den optischen Teil der Bildung. Ging natürlich auch diesmal nicht ohne Nietzsche…

Episode 6: Zoos von Adelshäusern

Zitat: …dann komme ich vielleicht bei Respekt aus und brauche aber das Konzept der Höflichkeit, das ja gesamtgesellschaftlich orientiert ist, gar nicht mehr so sehr.

…oder der schmale Grat zwischen Ehrlichkeit und Höflichkeit.

Der Satz mit dem schmalen Grat fiel irgendwann mitten in unserem Gastauftritt beim Sendgarten – und kam von Rita. Wir hatten’s grade von der HÖFlichkeit – also dem Protokoll bei Hofe. Wir beide stehen – aus leicht verschiedenen Gründen – der Höflichkeit ein wenig kritisch gegenüber. Warum eigentlich, haben wir versucht in diesem Podcast zu klären – und dabei sogar eine Passage Nietzsche zitiert! Überzeugt, dass Ehrlichkeit oder Wahrhaftigkeit uns näher sind als die Höflichkeit, hätten wir fast vergessen zu erwähnen, dass die Ehrlichkeit nicht funktioniert, ohne einen ganz wichtigen Mitspieler! Und damit ist schon wieder eine Episode entstanden, in der wir uns im Denken selbst überrascht haben.

Episode 5: Der rammdösige Asket

Wir haben keinen Zugriff auf das Nichts. Und ans Alles können wir auch nicht ran.

 

Diese Folge wollen wir euch wirklich wärmstens ans Herz legen. Alle anderen natürlich auch. Aber diese hier hat so viele Aha-Momente, dass wir beide nach dem Gespräch ganz überrascht davon waren, wo das eigentlich hingegangen ist. Übrigens auch wirklich das Schöne am WDDD-Podcast. Ihr hört uns beim Denken zu. Ganz in echt.

Dabei war das Thema eigentlich total unsexy: Verzicht. Das Weglassen, nicht konsumieren, fasten – wie auch immer. Trotzdem haben wir wirklich viel gelacht. Einfach, weil der Verzicht im Extrem schon auch komische Seiten hat. Zum Beispiel eben den ramdösigen Asketen, der am Ende vielleicht auf den Verzicht verzichten muss, um wieder ein glücklicher Mensch werden zu können.

Aber auch um Fülle und Leere ging es. In der absoluten Vorstellung machen einen die Begriffe „Alles“ und „Nichts“ fast wahnsinnig – ein ähnlich irres Gefühl im Bauch wie die Vorstellung der Unendlichkeit. Oder der Appendix „-losigkeit“ im Deutschen, der die Abwesenheit einer wie auch immer gearteten Fülle darstellt: Besitz vs. Besitzlosigkeit, Ehe vs. Ehelosigkeit, Liebe vs. Lieblosigkeit (gibt’s das Wort überhaupt als Substantiv?). Übrigens ein Begriff von Matthias Burchardt – ebenfalls Philosoph.

Zum Ende der Episode haben wir euch diesmal übrigens eine Literaturliste angehängt, in der Rita noch mal zusammenfasst, über welche Autoren und Bücher wir gesprochen haben. Kleiner neuer Service für euch! Und jetzt: habt viel Spaß! Und lasst uns gerne auch mal ein Feedback da.

Episode 4: Darf ich krank zur Arbeit?

Zitat: Danke, dass Sie immer krank zur Arbeit gekommen sind. Kein Arbeitgeber jemals.

Zugegeben, die Frage ist ein bisschen naiv gestellt – und von Rita gibt’s da auch gleich den ersten Einwand: Wieso darf? Wir könnten auch fragen: Muss, kann oder soll ich krank zur Arbeit? Dahinter stehen verschiedene Ansätze. Der eine ist ein gesellschaftlicher Ansatz. Also hab ich eigentlich die Verantwortung dafür, andere nicht anzustecken? Der andere bezieht sich auf die Verantwortung mir selbst gegenüber. Und zack, stecken wir schon wieder in einem Dilemma…

In unserem Gespräch bezieht sich Rita übrigens auch auf den französischen Soziologen Alain Ehrenberg, der bereits 1998 das Buch „Das erschöpfte Selbst“ veröffentlicht hat, noch bevor sich der Begriff „Burn-Out“ als allgemeine Zustandsbeschreibung durchgesetzt hat. Das zweite Buch, das Rita kurz anspricht, ist „Resonanz“ von Hartmut Rosa. Dazu gibt es hier einen Artikel bei Deutschlandradio Kultur.

Episode 3: Die demokratische Jogginghose

Kann ich Rita eigentlich in der Joggingbuchse empfangen, wenn wir zusammen den Podcast aufnehmen? Klar kann ich – aber warum frag ich mich das überhaupt? Warum ist uns Kleidung so wichtig? Am Ende ist es wie mit Sprache – wir können nicht nicht kommunizieren. Selbst nackt würden wir ein Statement abgeben. Wie wir allerdings von der Jogginghose zu Bourdieu, dem symbolischen Kapital, zu Germanys Next Topmodel und dem Stockholm Syndrom gekommen sind, wissen wir selbst nicht mehr – da müsst ihr schon nachhören.

Kleiner Funfact: Irgendwie ist der allererste SMS-Kontakt von Rita und Nora erhalten geblieben. Vom 11. April 2015. Ein kleines Dankeschön von Rita zum ersten Auftritt bei DRadio Wissen. Und wie endet Ritas SMS: „Jetzt aber Jogginghose statt kurzes Röckchen!“ – Am Ende war es doch einfach Schicksal, dass wir jetzt zusammen am Mikro sitzen.

Und hiermit entspreche ich (Nora) einem besonderen Wunsch von Rita und schenke euch den „Sexy getting ready song“: