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Kategorie: Philosophie

Episode 67: Das Leiden der anderen

Mitleid, das ist eine ganz schwierige Kiste. Denn irgendwie möchte niemand wirklich bemitleidet werden. Und trotzdem brauchen wir Mitleid als Gefühl, um uns für andere einzusetzen. Und egal ob anerzogen oder angeboren: Die Fähigkeit, das Leid anderer wahrzunehmen und mitzuempfinden ist in dieser Welt. Was also tun damit? Wo gibt es Missverständnisse, wie prägt Mitleidsfähigkeit eine Gesellschaft und warum ist es eigentlich so schwer, unserem Mitleid Ausdruck zu verleihen, ohne jemandem dabei zu nahe zu treten? Darüber sprechen wir in dieser Episode mit Prof. Dr. Thomas Abel von der Deutschen Sporthochschule in Köln, der sich vor allem dem Para-Sport widmet.

Der Wunsch, dass wir uns zum Thema „Mitleid/Mitgefühl“ austauschen, kam übrigens von einem Hörer, der einen Rollstuhl benutzt. Wir haben erst überlegt, deshalb mit einer Person zu sprechen, die häufig dem Mitleid anderer ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite sind alle Menschen mitleidsfähig. Und deshalb haben wir einen Kompromiss gewählt. Denn für jeden von uns gibt es Phasen im Leben, in denen wir das Mitleid anderer erfahren. Zum Beispiel im Fall einer persönlichen Krise, wenn nahestehende Menschen sterben oder einfach, wenn wir krank sind und Hilfe benötigen. Was uns deshalb beschäftigt hat ist, was echtes Mitleid ist. Und ob es eine Verrohung der Gesellschaft gibt, wenn wir eben nicht mehr mitfühlen. Und wie Begegungsräume dazu führen können, dass wir gute Formen des Umgangs mit Mitleid finden. In Bezug auf andere, aber auch in Bezug auf uns selber.

Ritas Literaturliste:

  • Anders, Günther: Die Antiquiertheit des Menschen. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. München 2010.
  • Hamburger, Käte: Das Mitleid. Berlin 1985. Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt/Main 1979.
  • Marx, Werner: Ethos und Lebenswelt. Mitleidenkönnen als Maß. Hamburg 1983.
  • Neuhäuser, Gabriele: Schopenhauers Menschenbild: Zur Aktualität einer pessimistischen Anthropologie. In: Schopenhauer-Jahrbuch Nr. 98. Würzburg 2018.
  • Nietzsche, Friedrich: Menschliches, Allzumenschliches. KSA, Band 2. München 1999.
  • Rousseau, Jean-Jacques: Emile oder Über die Erziehung. Stuttgart 1998.
  • Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung. Gesamtausgabe. München 1998.
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Episode 66: Von Rausch und Ratio

Rausch – klang wie ein super Thema. Aber interessanterweise ist der Rausch sehr schwer in Worte zu fassen. Der Zustand entzieht sich unserer Ratio. Sobald wir verbalisieren können, was Rausch ist, haben wir den Zustand auch schon wieder verlassen. Zudem ist Rausch eine ziemlich individuelle Geschichte. Denn je nach Substanz reagieren wir sehr unterschiedlich – und manchmal auch je nach Tagesform. Rita und ich haben trotzdem versucht herauszufinden, was Rausch eigentlich ist und warum wir Menschen ihn suchen. Und es sind nicht immer nur Drogen im Spiel. Der eigene Körper kann mitunter so viele Botenstoffe ausschütten, dass wir in Rauschzustände geraten – und süchtig werden können. Nach Anerkennung zum Beispiel, nach Schönheit oder auch nach Macht. Auch Blutrausch ist ein Phänomen, das durch körpereigene Stoffe ausgelöst wird – so grausam das ist.

Und dann stellt sich auch noch die Frage, ob Rausch eigentlich das Gegenteil von Ratio ist. Ist Rausch die pure Unvernunft?

Ritas Literaturliste:

  • Bollnow, Otto Friedrich: Das Wesen der Stimmungen. Studienausgabe. Band 1. Würzburg 2009. (Hierin: Kap. V: Rausch und Seligkeit)
  • Elias, Norbert: Über den Prozess der Zivilisation. Frankfurt/Main 1976.
  • Feustel, Robert: Grenzgänge. Kulturen des Rauschs seit der Renaissance. München 2013.
  • Fink, Eugen: Nietzsches Philosophie. Stuttgart 1960. (Hierin: Die Philosophie des Vormittags, S. 51 ff.)
  • Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. Frankfurt/Main 1973.
  • Heller, Joseph: Catch 22. Fischer Taschenbuch. 1994 (Erstveröffentlichung 1961).
  • Indes, Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Hrsg. von Franz Walter. Heft 3/2013.
  • Losmann, Carmen: Work hard, play hard. 2011.
  • Nietzsche, Friedrich: Morgenröte. Kritische Studienausgabe, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin, New York 1999. (hierin: Gedanken über die moralischen Vorurteile, Abschnitt 50: Der Glaube an den Rausch)
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Episode 65: Zerstreute Zeiten

…und die trainierte Enge des Bewusstseins

Die einen versuchen, ihr Bewusstsein zu erweitern. Wir versuchen in dieser Episode, unser Bewusstsein zu verengen: Es geht um Konzentration. Also das fokussieren unseres Bewusstseins auf einen wie auch immer gearteten Mittelpunkt. Gar nicht so leicht in Zeiten, in denen ständig irgendetwas nach unserer Aufmerksamkeit verlangt. Denn Konzentration hat zwei Seiten: Zum einen geht sie vom Subjekt aus, also von uns selber, indem wir unser Bewusstsein bewusst auf etwas konzentrieren und dafür andere Sachen unbeachtet lassen. Das gelingt uns besonderst gut, wenn vom Objekt auf das wir unsere Konzentration richten wollen, eine gewisse Faszination ausgeht, erklärt Rita. Nur stehen heute eben extrem viele faszinierende Objekte in Konkurrenz zueinander. Und dann ist sie wieder dahin, unsere Konzentration. Dabei hat Konzentration durchaus ihre guten Seiten: Denn es macht uns mitunter glücklich, uns einfach mal nur intensiv einer einzigen Sache widmen zu können und zu dürfen. Wenn’s nur nicht so schwer wäre, einen Anfang zu finden …

Ritas Literaturliste:

  • Fuchs, Birgitta: Maria Montessori. Ein pädagogisches Porträt. Weinheim 2002.
  • Harth-Peter, Waltraud (Hrsg.): „Kinder sind anders“ – Maria Montessoris Bild vom Kinde auf dem Prüfstand. Würzburg 1996.
  • Montessori, Maria: Die Entdeckung des Kindes. Freiburg im Breisgau 1969.
  • Nietzsche, Friedrich: Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Abrufbar unter www.nietzschesource.org
  • Schmidt-Millard, Torsten: Nietzsches Basler Vorträge Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Köln 1992.
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Episode 64: Teilgeben, teilnehmen, teilsein

Wir werfen uns die Themen ja gerne einfach mal so zu. Diesmal war Rita dran. Sie hatte das Thema „Teilhabe“ dabei. Und während in ihrer Welt das Thema „Teilhabe“ vor allem im Zusammenhang mit Inklusion besprochen wird und Bildung natürlich, wird in meiner Welt vor allem über politische Teilhabe diskutiert. Wir nähern uns der Teilhabe also von verschiedenen Seiten. Aber natürlich gibt es strukturelle Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel die Sache mit dem Teilnehmen und Teilgeben – das hat allein schon im Wortsinn eine Hierarchie. Jemanden, der oder die gibt und jemanden, der oder die nimmt. Und dann ist da noch die Frage, ob Bildung wirklich alle Menschen dazu befähigt, von allem in der Gesellschaft ein Teil sein zu können. Und ob wir das am Ende überhaupt müssen oder ob wir auch sagen können: Nein, davon möchte ich eben nicht Teil sein. Ohne sich dabei direkt komplett aus der Gesellschaft zu katapulieren.

Ritas Literaturliste:

  • Hübner, K. / Kelb, V. / Schönfeld, F. / Ullrich, F.: Teilhabe. Versprechen?!, Kopäd Verlag. 2017
  • Lohrenscheidt, Claudia: Das Menschenrecht auf Bildung. bpb.de, abgerufen am 05.07.2019
  • Miethe, Ingrid, Tervooren, Anja, Ricken, Norbert (Hrsg.): Bildung und Teilhabe Zwischen Inklusionsforderung und Exklusionsdrohung. Springer Fachmedien Wiesbaden. 2017
  • Zirfas, Jörg: Kulturelle Bildung und Partizipation: Semantische Unschärfen. kubi-online.de. 2015. Abgerufen am 05.07.2019
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Episode 63: Aufgemerkt und hingestört

Noch nie konnten sich so viele Menschen gleichzeitig öffentlich äußern, wie jetzt zu Zeiten der sozialen Netzwerke. Aber wer gehört werden will, muss sich Aufmerksamkeit verschaffen. Und so entbrennt ein Kampf um gegenseitige Aufmerksamkeit. Aber woher kommt unser Hunger nach Aufmerksamkeit? Und wie schaffen wir es, dass andere aufmerken? Denn, so Ritas richtiger Einwand, damit andere aufmerken, müssen wir in gewisser Weise stören. Und wenn wir dann Aufmerksamkeit bekommen, ist das echte Resonanz oder nur ein Echo? Was bedeutet echte Zuwendung im Digitalen? Und dann ist ja auch noch die Sache mit der Wertschätzung. Ein komplexes Themenfeld, wie ihr seht, und deshalb haben wir uns für diese Episode kompetente Hilfe geholt: Uli Sckaer ist zu Gast. Sie ist psychologische Psychotherapeutin und arbeitet in Köln. Eine ihrer Diagnosen: Podcasten ist nicht pathologisch! Puh!

Ulis Literaturliste:

  • Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg. 2006
  • Bauer, Joachim: Lob der Schule. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg. 2007
  • Schütz, Astrid: Je selbstsicherer, desto besser? Licht und Schatten positiver Selbstbewertung. Beltz Verlag. Weinheim, Basel. 2005
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Episode 62: Lecker essen und denken

„Dass wir jetzt Philosophinnen kennen, liegt daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben und jetzt auch wieder das Interesse an weiblichen Denkerinnen größer geworden ist“, sagt Rita. Und das ist auch super. Suchen muss man sie trotzdem. Denn sie werden weit seltener zitiert. Und deshalb hat Nora an Rita den Wunsch geäußert, mal auf die Suche nach Philosophinnen zu gehen. Und damit es irgendeinen Anhaltspunkt gibt, gab es etwas flapsig die Anregung: „Such doch mal eine Frau für Nietzsche“.

Und da Rita im Prinzip jede Herausforderung annimmt, hatte sie auch schnell eine Lösung: Simone de Beauvoire. Aber das war Rita dann auch wieder zu naheliegend. Und außerdem sollten die Gedanken der Philosophin, die sie aufspürt, näher an den Dingen sein, die uns aktuell beschäftigen. Und da landet Rita ausgerechnet im Mittelalter. Bei Hildegard von Bingen. Den meisten ist sie als Heilerin und Erfinderin des legendären Hildegard von Bingen Müsli bekannt. Aber: Da steckt weit mehr dahinter als eine Frau, die sich besonders gut mit Ernährung auskannte. Im Prinzip war Hildegard von Bingen nicht nur eine Universalgelehrte, sondern bereits im 11. Jahrhundert irgendwie auch Feminstin – eine streng gläubige, katholische Feminstin. Aber im Zeitkontext gedacht ist das einigermaßen erstaunlich, erklärt Rita. Und ja, was für eine Lebensgeschichte. Aber auch was für eine wahnsinnige Fantasie in Bezug auf ihre Visionen. Und da das irgenwie ansteckend war, hat diese Folge so viele Namen, dass wir uns am Ende entschieden haben, alles in eins zu rühren. Nur die Tierärsche haben wir rausgelassen. Das wär dann auch wirklich zu viel des Guten gewesen. Wie das alles zusammenhängt, müsst ihr euch einfach anhören.

P.S. Weil wir in der Folge kurz das Thema „Stutenbissigkeit“ anreißen, sei an der Stelle diese Folge hier nochmal empfohlen:
Episode 8 – Ein Eimer voller Krabben

Ritas Literaturliste:

  • Dempf, Alois: Hildegard von Bingen zur Einführung. In: Der Weg der Welt. Visionen der Hildegard von Bingen. Übersetzt von Maria-Louise Lascar. Norderstedt 2019.
  • Gleichauf, Ingeborg: Ich will verstehen. Geschichte der Philosophinnen. München 2007.
  • Ménage, Gilles: Geschichte der Philosophinnen. Latein/Deutsch. Hamburg 2019.
  • Von Bingen, Hildegard: Wisse die Wege: Scivias. Eibingen 2012.
  • Dies.: Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur: Physica. Eibingen 2012.
  • Wendel, Saskia: Christliche Mystik. Eine Einführung. Regensburg 2004.
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Episode 61: Schuld und Hühner

Rita ruft an. Moment, Rita ruft an?! Das macht sie doch sonst nicht … und genau diesen einen Anruf verpasse ich. Zunächst. Im zweiten Versuch bin ich sofort dran – ausgerechnet als ich Eier kaufe. Im Biosupermarkt. Aber trotzdem weiß ich natürlich, dass auch Bioeier Selbstbeschiss sind. Ich kaufe sie trotzdem. Aber weil ich ja auch mit Rita schon über Vegetarismus, Veganismus und Tierrechte gesprochen habe, bin ich mir einfach bewusst, dass ich wider besseres Wissen handele – und da fühl ich mich erwischt. Aber immerhin, so haben wir ein Thema. Schuldgefühle. Und ausgerechnet dieses Thema, findet Rita bei der Recherche heraus, gehört nur so sekundär zur Philosophie. Stört uns aber ü-ber-haupt nicht. Wir reden trotzdem drüber. Über Schuld, Schulden, die dazu gehörenden Gefühle und Verantwortung. Und warum Schuldgefühle ein Privileg sind.

„Das Schuldgefühl wäre dann so etwas wie die Stimme des Gewissens, die fordert: Sei du selbst, sei ein Individuum und sei das auf Basis deiner Eingelassenheit.“

Rita Molzberger

Ritas Literaturliste:

  • Dostojewski, Fjodor: Verbrechen und Strafe. Fischer Taschenbuch, 1996
  • Graeber, David: Schulden: Die ersten 5000 Jahre. Klett-Cotta, 2012
  • Jaspers, Karl: Hoffnung und Sorge. Schriften zur deutschen Politik 1945–1964, München: R. Piper & Co Verlag, 1965.
  • Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral, Eine Streitschrift, Ditzingen: Philipp Reclam jun., 1988
  • Ricœr, Paul: Die Symbolik des Bösen. Phänomenologie der Schuld II, Verlag Karl Alber, 2002

P.S. Aus Zeitgründen an dieser Stelle eine beispielhafte Auswahl der Bücher, die Rita als Quellen angegeben hat und nicht die Originalquellen von Rita.

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Episode 58: Moralisiert euch!

Was lässt Schülerinnen und Schüler gerade jeden Freitag auf die Straße gehen, um für Umweltschutz zu demonstrieren? Sie fordern etwas ein, zu dem wir vor allem moralisch verpflichtet sind. Nämlich diese Welt in der wir leben so zu schützen, dass sie auch in Zukunft noch für Menschen lebenswert bleibt. Eine moralische Forderung, die sich nicht zwingend auch in Gesetzen widerspiegelt. Und das macht ein interessantes Spannungsfeld auf. Denn wo verpflichten wir uns moralisch, zum Beispiel zur Einschränkung unserer Freiheit, noch bevor Gesetze greifen? Oder nehmen wir zum Beispiel Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren und unter Strafe stellen. Sich dagegen auszusprechen und für das Gegenteil zu demonstrieren, machen wir vor allem aus einer moralischen Haltung heraus. Und in Ländern, wo selbst demonstrieren unter Strafe steht, ist das dann zwar nicht legal, moralisch gesehen aber eben legitim. In dieser Episode diskutieren Rita und Nora, wo der Unterschied zwischen moralischer und gesetzlicher Verpflichtung ist. Warum Moral so einen schlechten Stellenwert hat und warum es notwendig ist, die großen Fragen unserer Zeit gesellschaftlich und politisch möglichst breit zu diskutieren.

Ritas Literaturliste:*

  • Platon: Politeia. Ditzingen 2015. Reclam Verlag
  • Platon: Nomoi. Ditzingen 2015. Reclam Verlag
  • Kant, Immanuel: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht. Vollständige Neuausgabe, Göttingen 2019.
  • Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Reclam 1986.
  • Humboldt, Wilhelm von: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen. Stuttgart 1986. Original 1851
  • Somek, Alexander: Rechtsphilosophie zur Einführung. Hamburg 2018
  • Köhler, Michael: Recht und Gerechtigkeit. Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit. Tübingen 2017

*P.S. Wir haben diesmal die Literaturangabe aus Zeitgründen ein bisschen zackig gemacht. Das heißt, es sind Bücher zitiert, in denen ihr den Inhalt finden könnt, die aber nicht unbedingt die exakt identischen Bücher sind, die Rita auf dem Tisch liegen hatte im Gespräch. Aber uns war wichtiger, ihr könnt den Inhalt selbst recherchieren.

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Zitat von Rita Molzberger: Mein Neid ist natürlich auch die Anerkennung des Anderen. Wenn ich den mies machen will, darf ich eigentlich nicht neidisch sein.

Episode 55: Good Neid, Miss Gunst.

Themenwünsche aus der Community erfüllen wir unglaublich gerne. Zumal uns dieser hier dazu gebracht hat, uns ein Gefühl anzuschauen, dass wir grundsätzlich gar nicht so gerne ansehen mögen: Der nagende Neid. Aber es lohnt sich natürlich, da mal genauer hinzusehen. Denn was will uns Neid eigentlich sagen? Und wie trennen wir Neid von Missgunst? Kommen die beiden immer Hand in Hand? Ginge es nach Udo Lattek, einem ehemaligen Fußballtrainer, könnten wir sämtliche gesellschaftlichen Diskussionen auf diese Ursachen zurückführen: Neid und Missgunst.

Interessant ist auch, dass Neid auf einer persönlichen Ebene gut zu erklären ist und ein Hinweis sein kann auf ein Mangelgefühl. Ähnlich wie die Eifersucht. Aber was ist, wenn Neid und/oder Missgunst zu Vergesellschaftung führen? Wenn sich Gemeinschaften bilden aus dem Gefühl des Neides auf andere Personen oder Personengruppen. Auch das ist nicht ganz unspannend, denn hier werden die Probleme komplexer als in der Reflexion der eigenen Persönlichkeit.

Und so ernsthaft das Thema klingt: Rita und ich hatten wirklich großen Spaß daran, uns diesem stechenden kleinen Ungeheuer in uns anzunähern. Schließlich ist Neid nur allzu menschlich. Es kommt halt darauf an, wie wir damit umgehen.

Ritas Literaturliste:

  • Bourdieu, Pierre: Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zu Politik und Kultur 1. Hamburg 1997.
  • Deibl, Christiane: Herausforderung und Responsivität. Reflexionen zum prekären Charakter pädagogischer Interaktionen. Braunschweig 2011.
  • Kast, Verena: Neid und Eifersucht. Die Herausforderung durch unangenehme Gefühle. München 2002.
  • Ovid: Metamorphosen. Lat./Dt. Stuttgart 2010.
  • Paris, Rainer: Neid. Zur Politik eines Gefühls. In: Merkur 2006, S. 1046 – 1060.
  • Salzmann, Christian Gotthilf: Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder. Bad Heilbrunn 1961. [Orig. 1780]

Udo Lattek – Neid und Missgunst

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"An den Rändern der Normalverteilung kann man ganz wahnsinnig werden." - Zitat von Rita Molzberger

Episode 53: Ey Leben, du bist ungerecht!

Wir können der netteste und freundlichste Mensch auf der Welt sein, das garantiert uns aber noch lange nicht, dass uns das Leben mit Frieden, Gesundheit, Glück und/oder Reichtum beschenkt. Im Gegenteil. Schicksalsschläge werden im Random-Verfahren unter den Menschen verteilt. Und nicht selten können wir uns der Empfindung nicht verwehren, das als ungerecht zu verurteilen. Aber mal ganz ehrlich: Ist es – nüchtern betrachtet – nicht reichlich absurd, vom Leben so etwas wie Gerechtigkeit zu fordern? Oder zu erwarten? Wer oder was ist denn eigentlich „dieses Leben“ von dem wir da fordern? Und was ist überhaupt „gerecht“? Auf was haben wir als Menschen denn so ganz grundsätzlich überhaupt ein Anrecht? Sicher nicht auf einen Parkplatz für unseren SUV Mitten in der Kölner Innenstadt, auch wenn sich manche Menschen so benehmen.

Und die zweite Frage ist: Wenn das Leben uns so wenig Gerechtigkeit zuteil werden lässt – also Gerechtigkeit in einem sehr menschlichen Maßstab – wie kommen wir Menschen eigentlich auf die Idee von Gerechtigkeit?

Eine Folge voller Fragen, Absurditäten, Lachen und Gedankenspielen.

Ritas Literaturliste:

  • Albert, Karl: Lebensphilosophie. Von ihren Anfängen bei Nietzsche bis zu ihrer Kritik bei Lukács. Freiburg und München 2017.
  • Gasometer Oberhausen: Ausstellungskatalog „Wunder der Natur“. 2016.
  • Höffe, Otfried: Gerechtigkeit. Eine philosophische Einführung. München 2015.
  • Horn, Christoph: Philosophie der Gerechtigkeit: Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Frankfurt/Main 2002.
  • Platon: Politeia. In: Sämtliche Werke, Band 2. Reinbek bei Hamburg 2017.
  • Schrödinger, Erwin: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet. München 1989.

Noras Linktipp:

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