Episode 35: Erschöpfende Möglichkeiten der Kommunikation

Zitat Rita: "Es ist unglaublich zeitraubend nur eine Sache gleichzeitig zu machen."

Im Mailpostfach mahnen die unbeantworteten Mails, auf dem Smartphone leuchtet eine rote Zahl neben jeder zweiten App, auf dem Schreibtisch stapelt sich die Post – und was machen wir? Ignorieren diese Kommunikationswünsche. Wir antworten nicht. Das Berufliche, gut, das muss gemacht werden. Aber selbst gute Freunde oder Familienmitglieder bekommen keine Antwort mehr. Manchmal stunden- oder tagelang nicht. Manchmal zieht sich das über Wochen. Das ist der Moment, wo wir auf der Schamschleife Achterbahn fahren.

Was ist los mit unserem Kommunikationsverhalten? Warum fühlen sich so viele Menschen von Kommunikation überfordert? Ist es die ständige Erreichbarkeit? Oder müssen wir heute einfach viel mehr kommunizieren als noch vor ein paar Jahren? Rita und Nora gehen ihrer Kommunikationsüberforderung auf den Grund.

Eine Erkenntnis: Manchmal reichen ein paar Zeilen auf einem Bierdeckel – und eine Briefmarke.

Übrigens – wir sind für den diesjährigen Grimme-Online-Award nominiert! 🎉 Aber wir brauchen eure Unterstützung. Auf der Seite Grimme-Online-Award.de könnt ihr für uns abstimmen. Dankeschön.

Ritas Literaturliste:

  • Ehrenberg, Alain: Das erschöpfte Selbst. Frankfurt/Main 2004.
  • Frankfurt, Harry G.: Bullshit. Frankfurt/Main 2006.
  • Koller, Hans-Christoph: Bildung anders denken. (Kap.: „Narrative Identität“) Stuttgart 2012.
  • Mc Luhan, Marshall: Understanding Media. New York 1964.
  • Menke, Christoph/ Juliane Rebentisch (Hrsg.): Kreation und Depression. Berlin 2010.
  • Merleau-Ponty, Maurice: Causerien 1948. Hrsg. von Ignaz Knips. Köln 2006.
  • Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen: Allgemeine Psychologie der Kommunikation. 48. Auflage. Reinbek 2010.
  • Watzlawick, Paul: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. 13. Auflage. Bern 2016.
  • Zeh, Juli: Treideln. Frankfurter Poetikvorlesung. München 2015.

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Episode 34: Das Handwerk der Freiheit

Ich glaube, freier Wille ist etwas sehr Unbequemes

In dieser Episode geht es um den freien Willen. Gut, dass wir einen Gast dabei haben. Dr. Aaron Langenfeld, Theologe von der Uni Paderborn. Und der bringt auch gleich ein anschauliches Problem mit: „Sagen wir mal, es ist Karneval. Man geht nachts betrunken von der Zülpicher Straße Richtung nach Hause. Und man kriegt dann so ein Hüngerchen, geht dann zum Pizzamann und beim Pizzamann gibts Pizza. Und man guckt sich die ganze Palette Pizzen an und sagt dann am Ende: ‚Eine Pizza Vegetaria bitte‘. Und dann sagt der: ‚Super, mach ich.‘. Und jetzt gibt’s aber gar keine andere Pizza mehr als Vegetaria, weil alle anderen Zutaten weg sind. Das heißt, wir Betrunkenen wissen gar nicht, es gibt nur die Pizza, bestellen diese Pizza, hatten aber faktisch gar keine andere Wahl als diese Pizza zu nehmen.“

Für Nora fängt das Problem allerdings schon viel früher an. Hätten wir überhaupt Hunger gehabt, wenn wir vorher nicht gesoffen hätten? War das jetzt unser freier Wille oder der Alkohol? Hm. Ihr merkt schon – das wird eine Herausforderung. Die Aaron und Rita aber bravourös meistern.

Übrigens: Der WDDD-Podcast ist für den Grimme Online Award nominiert! Wenn IHR möchtet, dass WIR den Preis mit nach Hause nehmen, dann müsstet ihr einmal eure Stimme abgeben. Beim Publikumsvoting. Das wäre ganz entzückend!

Aarons und Ritas Literaturliste:

  • Bieri, Peter: Das Handwerk der Freiheit. München, Wien 2001.
  • Dennett, Daniel: Elbow Room: The Varieties of Free Will Worth Wanting. Oxford 1984.
  • Ders.: Freedom Evolves. London 2003.
  • Honderich, Ted: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem. Stuttgart 1995.
  • Hume, David: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Stuttgart 2013.
  • Keil, Geert: Willensfreiheit. Berlin, New York 2017.
  • Ders.: Willensfreiheit und Determinismus. Stuttgart 2018.
  • Popper, Karl R./ Eccles, John C. : Das Ich und sein Gehirn. München 1982.
  • Pothast, Ulrich (Hrsg.): Freies Handeln und Determinismus. Frankfurt/Main 1978.

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Episode 33: Sport als gesellschaftspolitische Bewegung

Dass Sport für alle da sein soll - auch für Zitat Nora Hespers: "Frauen - das ist ein relativ neues Phänomen."

In schöner Regelmäßigkeit fordern bestimmte Gruppen von Fußballfans: „Politik raus aus den Stadien!“ – meist dann, wenn sich ein Verein mal wieder deutlich gegen Rechtsextremismus stellt oder gegen Diskriminierung und Homophobie ausspricht. Da stellen sich Rita und Nora die Frage: Geht das überhaupt? Ist Sport als Teil der Gesellschaft nicht per se immer auch politisch? Oder ist die Forderung gerechtfertigt und wenn ja, unter welchem Gesichtspunkt? Dazu lohnt sich ein Blick zurück in die Sportgeschichte der Neuzeit – und allzu weit müssen wir da gar nicht gucken. Egal ob im britischen „Sports“ oder in der olympischen Bewegung – Sport und gesellschaftspolitische Entwicklungen sind enger miteinander verknüpft als es auf den ersten Blick scheint. Und unsere heutige Vorstellung von Fairness und gleichen Chancen im Sport sind auch noch nicht allzu alt.

Ritas Literaturliste:

  • Behringer, Wolfgang: Kulturgeschichte des Sports. München 2012.
  • Böhme, Gernot: Ethik leiblicher Existenz. Frankfurt/Main 2008.
  • Court, Jürgen/Eckhard Meinberg (Hrsg.): Klassiker und Wegbereiter der Sportwissenschaft. Stuttgart 2006.
  • Huizinga, Johan: Homo ludens. Versuch einer Bestimmung des Spielelements in der Kultur. Amsterdam 1939.
  • Krüger, Michael (Hrsg.): Handbuch Sportgeschichte. Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport. Schorndorf 2010.
  • Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Stuttgart 2000.
  • Sloterdijk, Peter: Du mußt Dein Leben ändern. Frankfurt/Main 2009.

Link zum Thema Sport und Politik:

Sportentwicklung in Europa unter Einbeziehung von Frauen | erschienen in Aus Politik und Zeitgeschichte B26/2004, Erscheinungsdatum: 17.06.2004 von Ilse Hartmann-Tews, abgerufen am 06.04.2018

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Episode 32: Political Correctness und die Frage nach dem Kontext

Der Titel des Podcast: Political Correctness und die Frage nach dem Kontext

Political Correctness – oder auf deutsch: Politische Korrektheit – ist immer wieder Anlass für heftige Diskussionen. Egal ob im Freundeskreis, unter Arbeitskollegen oder in sozialen Netzwerken. Die einen meinen, man dürfe nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, andere meinen sehr wohl, dass das nötig sei. Aber gibt es ein Recht darauf „frei Schnauze“ zu sprechen? Warum brauchen wir so etwas wie political correctness überhaupt. Und was ist mit denen, die sich da eben nicht dran halten? Ganz ehrlich: Ein bisschen hatten wir Angst, uns in dieser Folge erstmalig in die Haare zu bekommen. Aber es ist – wie immer – kompliziert. Und die Argumentenlage pro und contra ist in beide Richtungen überzeugend. Und dann ist da auch noch das Ding mit dem gesellschaftlichen Wandel: Denn was genau politisch korrekt ist, ändert sich genauso, wie sich eben auch Sprache und Gesellschaft überhaupt ständig verändern. Wie also können wir mit dem Thema umgehen, ohne den Sprechakt zum „Fettnäpfchen-Wetthüpfen“ zu machen?

Ritas Literaturliste:

  • Austin, John: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1979.
  • Butler, Judith: Hass spricht. Zur Politik des Performativen. Berlin 1998.
  • Frank, Manfred: Das Sagbare und das Unsagbare. Frankfurt/Main 1980.
  • Mangold, Ijoma: Das deutsche Krokodil. Reinbek bei Hamburg 2017.
  • Neiman, Susan: Moralische Klarheit. Leitfaden für erwachsene Idealisten. Hamburg 2010.
  • Dies.: Warum erwachsen werden? Eine philosophische Ermutigung. Berlin 2015.
  • Pfaller, Robert: Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. Frankfurt/Main 2017.
  • Searle, John: Sprechakte. Frankfurt/Main 1983.

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Episode 31: Die Privatsphäre einer sterbenden Tulpe

Der Titel des Podcasts: Die Privatsphäre einer sterbenden Tulpe

Was hat eine Tulpe kurz vor dem Verblühen eigentlich mit Öffentlichkeit zu tun? Erstaunlich viel, vor allem, wenn wir eh gerade über die Spähren von Öffentlichkeit und Privatheit sprechen. Und das ist weit komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Denn in Zeiten von Smartphones, in Zeiten, in denen sich fast jeder Mensch per Foto oder Video Zugang zu einer breiten Öffentlichkeit verschaffen kann, spielt noch ein ganz anderer Faktor mit in dieses Thema rein. Nämlich die Frage danach, was gehört eigentlich veröffentlicht?

Eine Tulpe vor dem Rechner auf dem das Programm zu sehen ist, mit dem gerade diese Folge geschnitten wird

Was empfinden wir noch als privat, wenn zum Beispiel Youtuber aus ihrem Wohnzimmer senden und uns fortwährend Einblick in ihr – vermeintliches – Privatleben gewähren? Achtung, diese Folge erhält einen Rant und ein bisschen „Moralapostelscheiße“. Aber es geht auch um eine ziemlich wichtige Frage. Nämlich was überhaupt veröffentlicht gehört und wie wir im digitalen Zeitalter mit bestimmten Informationen umgehen. Explizite Sprache nicht ausgeschlossen …

In dieser Folge entsteht so viel Gehirnfutter, dass Rita und Nora am Ende selber etwas ratlos dastehen mit all den Begrifflichkeiten. Das war definitiv nicht die letzte Folge zu diesem Thema.

 

Ritas Literaturliste:

  • Becker, Michael / Schmidt, Johannes/Zintl, Reinhard: Politische Philosophie. 4. Auflage. Paderborn 2017.
  • Gehl, Jan: Leben zwischen Häusern: Konzepte für den öffentlichen Raum. Berlin 2012.
  • Geuss, Raymond: Privatheit. Eine Genealogie. Frankfurt/Main 2002.
  • Esposito, Roberto: Communitas. Ursprung und Wege der Gemeinschaft. Zürich 2004.
  • Sennett, Richard: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt/Main 1986.

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Episode 30: Nicht domestizierte Zeit und „rasender Stillstand“

"Wenn wir verlernen, dass es andere Weisen gibt, Zeit wahrzunehmen als Taktung, dann wird es schwierig."

Warten. Puh. Laaaangweilig! Oft zumindest. Und ärgerlich. Im Stau zum Beispiel. Oder wenn wir mal wieder die falsche Kasse im Supermarkt erwischt haben. Oder wenn wir nach einer stressigen Woche aufs Wochenende warten. Es gibt aber auch Menschen, die das Warten als willkommene Auszeit wahrnehmen. Die in der Lage sind, einfach inne zu halten. Wie Wibke zum Beispiel, die uns einen Text zum Warten geschicht hat und der wir auch das Thema für diese Ausgabe verdanken. Und deshalb sprechen wir in dieser Folge über das Warten. Über getaktete Zeit und ob wir verlernt haben, mit Störungen umzugehen.

„Die eigene Haltung ist immer eingelagert in soziale Prozesse. Und wenn das gesamtgesellschaftlich kaum vorkommt, dass es Wartezeiten geben kann, Erwartungszeiten, dass mal bestimmtes auch ausbleibt, dass man da nix machen kann und man das trotzdem zu akzeptieren hat, wenn das insgesamt gesellschaftlich und ökonomisch und so weiter sozusagen kaum erwünscht ist, also wenn wir uns tatsächlich in einer Zeit der Beschleunigung befinden, wie Hartmut Rosa das diagnostiziert hat, dann ist es natürlich schwierig individuell daraus auszusteigen.“

Rita Molzberger über das Warten

Ritas Literaturliste:

  • Derrida, Jacques: Dem Archiv verschrieben. Berlin 1997.
  • Dörpinghaus, Andreas / Ina-Katharina Uphoff: Die Abschaffung der Zeit. Darmstadt 2012.
  • Koller, Hans-Christoph: Über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Bildungsprozessen. Zu Imre Kertész’ Roman eines Schicksallosen. In: Ders./ Markus Rieger-Ladich: Grenzgänge. Pädagogische Lektüren zeitgenössischer Romane. Bielefeld 2005.
  • Rosa, Hartmut: Beschleunigung und Entfremdung. Berlin 2013.
  • Virilio, Paul: Fahren, fahren, fahren. Berlin 1978.

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Episode 29: Von Widerstand und Kritikäffchen

Zitat Rita: "Wenn ich nur auf Anpassung hin erziehe, auch politisch erziehe, dann passiert einfach nichts Neues."

Gibt es eine Pficht zum Widerstand? Das hier ist eine echte Folge 2. Eine Fortsetzung. Denn wir haben uns so lange mit dem Hannah Arendt Zitat: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen BEI KANT“ beschäftigt, dass wir die entscheidende Frage gar nicht klären konnten. Wenn es kein Recht zu gehorchen gibt, gibt es dann eine Pflicht zum Widerstand?
Um das zu klären lohnt sich natürlich erst mal zu fragen: Was ist denn Widerstand? Oder besser: Wann ist denn was eigentlich Widerstand? Und reicht nicht auch Widerspruch? Wie viel davon verträgt denn eine Demokratie? Ihr merkt schon, das wird wieder eine bunte Reise durch verschiedene Perspektiven auf das Thema. Beginnend bei der Vita Activa von Hannah Arendt.

Und damit ihr zwischendurch mal kurz spingsen könnt, hier mal die kurze Zusammenfassung der drei Schritte. Vielleicht hilft das beim Hören.

  1. Stufe: Das Arbeiten -> machen wir, um am Leben zu bleiben und unsere Gattung zu sichern. Für Hannah Arendt geben wir damit eine Antwort auf unsere Sterblichkeit.
  2. Stufe: Das Herstellen von Gegenständen und Kulturgegenständen -> ist Immortalität. Da spielt die individuelle Sterblichkeit keine Rolle
  3. Stufe: Das Handeln -> dazu gehört auch das Sprechen. Es ist notwending zum Bilden von politischen Gemeinschaften.

Der Aktivist, der für Datenschutz und damit gegen Teile der AGB von zum Beispiel Facebook kämpft, heißt Max Schrems. Er hat eine NGO gegründet: NOYB – übersetzt: None of your business.

Die Veranstaltungsreihe Köln spricht findet ihr zum Beispiel auf Facebook, Youtube und Twitter. Inzwischen gibt es diese Veranstaltung auch in anderen Städten.

Ritas Literaturliste:

  • Bieri, Peter: Wie wollen wir leben? München 2013.
  • Hessel, Stéphane: Empört Euch! Berlin 2011.
  • Ders., im Gespräch mit Gilles Vanderpooten: Engagiert Euch! Berlin 2011.
  • Horster, Detlef: Politik als Pflicht. Studien zur politischen Philosophie. Frankfurt/Main 1993.
  • Masschelein, Jan/ Maarten Simons: Globale Immunität oder Eine kleine Kartographie des europäischen Bildungsraumes. Zürich 2005.
  • Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien. Eine Einführung. Bonn 2010.

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Episode 28: Geschwimmflügelte Worte

Zitat von Hannah Arendt: "Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant"
Eine Diskussion darüber, ob man sich in bestimmten Situationen „brav“ ist und sich lieber nicht einmischt oder im Gegenteil sich nicht doch auf jeden Fall einmischen muss, hat ein altbekanntes Zitat wieder an die Oberfläche gespült: „Niemand hat das Recht zu gehorchen!“ – So stand das Zitat zumindest vor gut zwei Jahren auf einem Infoscreen in der Berliner U-Bahn. Autorin des Zitats: Hannah Arendt. War zumindest so angegeben.Beim Googlen nach dem Zitat fällt dann aber auf. Das hat Hannah Arendt zwar fast so gesagt, aber es fehlten zwei entscheidende Dinge: ersten die beiden Wörtchen „bei Kant“ – und zweitens der Kontext.Und so stellen sich Rita und Nora der Frage, inwieweit der Kontext zwingend notwendig ist für das Hannah Arendt Zitat und ob es nicht doch in seiner Verkürzung trotzdem noch Sinn ergeben kann.

Quellen zum Hannah-Arendt-Zitat:

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“ | falschzitate.blogspot.de

Das Zitat beginnt ab ca. 16:20 Minuten

Ritas Literaturliste:

  • Adorno, Theodor W.: Theorie der Halbbildung. Frankfurt/Main : Suhrkamp. 2006.
  • Arendt, Hannah: Das Urteilen. Texte zu Kants Politischer Philosophie. München : Pieper. 1998.
  • Breier, Karl: Hannah Arendt zur Einführung. Hamburg : Junius. 2011.
  • Neiman, Susan: Warum erwachsen werden? Eine philosophische Ermutigung. Berlin: Hanser. 2015.
  • Rasper, Martin: „No sports“ hat Churchill nie gesagt. Das Buch der falschen Zitate. Salzburg, München: Ecowin. 2017.
  • Straßenberger, Grit: Hannah Arendt zur Einführung. Hamburg : Junius. 2015.

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Episode 27: #metoo-Diskurs: Der Kampf um Anerkennung

Zitat von Rita Molzberger: "Diese Vielheit der Stimmen tut letztlich dasselbe. Ich glaube es geht allen um Anerkennung. Das ist ein Kampf um Anerkennung."

Die Schauspielerin Catherine Deneuve unterschreibt einen offenen Brief, der – salopp gesprochen – für ein Recht auf Belästigung plädiert. Damit bekommt die #metoo-Debatte neues Futter. Jetzt hat sie den offenen Brief – ein gemeinschaftliches Schriftstück von fünf Autorinnen – aber nicht selber geschrieben, sie war also nicht die Autorin des Briefes. Das führt uns zu der Frage: Wie viel Autor:in steckt im Werk? Wie verhält es sich mit anderen Werken? Zum Beispiel Filmen von Harvey Weinstein, Woodey Allen. Oder mit Kevin Spacey?

Rita und Nora betrachten den Diskurs, seine bisherigen Auswirkungen und stellen die Frage nach dem nächsten Schritt. Welche Bedeutung  hat der offene Brief, den Catherine Deneuve unterzeichnet hat, für den Diskurs? Welche Bedeutung haben die Werke? An welcher Stelle lohnt sich ein Boykott? Ist er sogar moralisch erforderlich? Natürlich fließen auch persönliche Erfahrungen mit ein. Warum ist es so schwierig, sich Gehör zu verschaffen?

Achtung Korrekturen zum Podcast:
House of Cards wurde offiziell nicht abgesetzt. Kevin Spacey wurde jedoch gefeuert, aus Szenen entfernt und die – angeblich eh schon geplante – letzte Staffel findet ohne ihn statt.

Und: Kim Basinger ist – ihr habt es sicherlich schon geahnt – Sharon Stone. Die sich jüngst wie folgt zu dieser Debatte äußerte:

Ritas Literaturliste:

  • Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Berlin 2010.
  • Bourdieu, Pierre: Kunst und Kultur. Zur Ökonomie symbolischer Güter. Berlin 2014.
  • Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt/Main 1974.
  • Iser, Wolfgang: Die Appellstruktur der Texte. Konstanz 1970. Kimmich, Dorothee: Lebendige Dinge in der Moderne. Konstanz 2011.
  • Lyotard, Jean-Françoise: Der Widerstreit. München 1989.

Noras Literaturtipp:

  • Sanyal, Mithu M.: Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens. 2016.

Links zum Thema:

Der Offene Brief im Original

Übersetzung des Offenen Briefs, der im Le Monde erschien

Diskurs, aber fair: Der Gegenartikel

Das Woody Allen Interview

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Episode 26: Du bist nicht, was du denkst

Zitat von Fatih Cevikkollu

Fatih Çevikkollu ist Kabarettist und Schauspieler. Mit ihm zusammen widmen wir uns in dieser Episode dem Selbst. Oder dem Ich. Oder wie auch immer wir das nennen möchten, was uns so ausmacht. In Ritas Worten: „Wer ist das denn, der da beständig Ich sagt?“

Wir sprechen über die Suche nach dem Selbst, über den – nach Nietzsche – nicht vorhandenen Wesenskern und über das Aushalten von Unsicherheit, wenn wir das erkennen. Über den Menschen als Zuschreibungswesen, das seine Welt fortwährend analysiert und beschreibt, um sie zu verstehen – und doch nie zur Wahrheit vordringt, weil alles Konstrukt ist (Kant). Wir streifen den Unterschied von Wahlfreiheit und echter Autonomie, loten aus, wie ein Wir entsteht, wenn alle Ich sagen und sprechen über die Notwendigkeit, sich dezidiert zu artikulieren, um Gemeinschaft zu verhandeln. Klingt alles sehr hochtrabend? Keine Sorge. Wir bleiben gewohnt bodenständig und würzen die Konversation regelmäßig mit einer Prise Kölsch – rein sprachlich gesehen natürlich.

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Fatih Çevikkollu und Rita Molzberger bei tbd

Fatih Çevikkollu bei Comedy mit Karsten

Benedict Cumberbatch: The Seven Ages of Man