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Browsing Tag: Gesellschaft

Episode 105: Freund:innen der (In)diskretion e.V.

Da stehst du nichtsahnend im Laden, sitzt in Bus oder Bahn – und plötzlich führst du ein Gespräch, das du nie führen wolltest und hörst Antworten auf Fragen, die du dir nie gestellt hast – oder deinem Gegenüber je stellen wolltest. In dieser Folge wollen wir dem Phänomen auf den Grund gehen.

Es gibt jetzt natürlich mehrere Möglichkeiten, dieses Phänomen zu betrachten. Entweder, die Person dir gegenüber ist schlicht indiskret. Und übergriffig. Oder aber, du scheinst einen vertrauenerweckenden Eindruck zu machen. Vielleicht ist es auch nur der Versuch einer Kontaktaufnahme – oder eben seelische Entlastung. In jedem Fall lädt dieses Phänomen zu einer vielfältigen Betrachtung ein, die uns zu den Ursprüngen des Kaffeklatsches führt (die wahren „Klatschtanten“ waren nämlich Männer), zur sozialen Komponente des klatschens und dem manche Menschen störenden Sozialgeräusch. Warum wir bei dem Thema ausgerechnet auch die Mathematik streifen, das erklärt euch Rita im Podcast. Danke an dieser Stelle an unsere Hörerin Kati für den spannenden Themenvorschlag.

Ritas Literaturliste:

  • Angehrn, Emil: Vertrauen. In: Fischer-Geboers, Miriam/ Wirz, Benno (Hrsg.): Leben verstehen. Weilerswist 2015, S. 19 – 34
  • Bergmann, Jörg: Klatsch: Zur Sozialform der diskreten Indiskretion. Berlin/New York 1987.
  • Dunbar, Robin: Grooming, Gossip, and the Evolution of Language. Cambridge 1998.
  • Erikson, Erik H.: Identität und Lebenszyklus: Drei Aufsätze. Frankfurt/ Main 1974.
  • Hartmann, Martin: „Vertrauen. Die unsichtbare Macht“. Frankfurt/Main 2020
  • Nickel, Gregor: Diskret oder Kontinuierlich. In: Extrakte. Pressedienst Wissenschaft. Abrufbar unter https://www.uni-siegen.de/uni/publikationen/extrakte/ausgaben/200805/1.html (Datum des letzten Abrufs: 21.01.2021)
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Episode 104: Ignoranzkompetenz

In aller Regel finden wir Ignoranz ziemlich doof. Wenn wir jemanden als ignorant bezeichnen, ist das selten als Kompliment gemeint. Dabei brauchen wir eigentlich alle Ignoranz, um durchs leben zu kommen. Denn nur, wenn wir bestimmte Dinge ignorieren, können wir uns andere wiederum genauer anschauen.

Trotzdem lohnt es sich, auch die negativ konnotierte Ignoranz mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Rita macht dabei einen Unterschied zwischen Ignoranz als Lebenshaltung, die zusammen mit der Arroganz nicht selten in Borniertheit endet. Und dem Irgnorieren als etwas, das wir vorübergehend machen, nämlich um etwas anderes genauer in den Blick nehmen zu können. Das ist es mitunter sogar sinnvoll, das Drumherum zu ignorieren. Um die Ignoranz herum flattert aber auch die Dummheit. Und während Nora damit eher eine schmerzhafte Beleidigung verbindet, ist die Philosophie da nüchterner unterwegs. Denn Dummheit ist keineswegs als mangelnde geistige Fähigkeit zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Form von Unwissenheit. In gewisser Weise können wir damit alle auf bestimmten Gebieten dumm sein. Ohne, dass damit eine Wertung einher geht. Und gerade auf dem Pfad der Dummheit begegnen uns viele kleine Kohlweißlinge, die alle sehr ähnlich aussehen und dennoch nie dieselben sind. Euch schwirrt schon der Kopf? Dann wartet mal die neue Folge ab!

Ritas Literaturliste:

  • Abbott, Andrew: Varianten der Unwissenheit. In: Gugerli, David et al. (Hrsg.): Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissenschaftsgeschichte Band 6. 2010, S. 15 – 33.
  • Bieri, Peter: Wie wäre es, gebildet zu sein? In: Hastedt, Heiner (Hrsg.): Was ist Bildung? Eine Textanthologie. Stuttgart 2012, S. 228–240.
  • du Bois-Reymond, Emil: Über die Grenzen des Naturerkennens. Leipzig 1872.
  • Erasmus von Rotterdam: Das Lob der Torheit. Stuttgart 1986. [Original 1511]
  • Geisenhanslüke, Achim / Rott, Hans (Hrsg.): Ignoranz. Nichtwissen, Vergessen und Missverstehen in Prozessen kultureller Transformationen. Bielefeld 2015.
  • Musil, Robert: Über die Dummheit. In: Gesammelte Werke, Band II. Hrsg. von Adolf Frisé. Erweiterte Neuausgabe. Reinbek 2000, S. 1271 – 1291.
  • Nietzsche, Friedrich: Zweite Unzeitgemäße Betrachtung „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“. In: KSA, Band 1. Hrsg. von G. Colli du M. Montinari. Abrufbar unter http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/HL (Datum des letzten Abrufs: 07.01.2021) [Original 1874]
  • Solnit, Rebecca: Men who explain things. Abrufbar unter: https://www.latimes.com/archives/la-xpm-2008-apr-13-op-solnit13-story.html (Datum des letzten Abrufs: 07.01.2020)
https://www.instagram.com/p/CJsnfkxAPK4/?igshid=flm6hn9o8jcc

Noras Linktipps:

  • Unter Wetterberichtigung.org erfahrt ihr, was es mit der Initiative der Neuen Deutschen Medienmacher:innen auf sich hat
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Episode 103: Die Anbequemung der Welt

Anpassung. Eine der Herausforderungen des Jahres 2020. Denn ob wir Bock drauf hatten oder nicht: Wir mussten uns auf die ein oder andere Weise den Umständen anpassen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben haben. Ganz schön schwierige Aufgabe.

Aber auch eine Leistung, die wir ohnehin ständig erbringen. Auch, wenn wir das gar nicht merken, weil es nicht so radikal verläuft. Die Frage ist deshalb: Wie viel Anpassung braucht es? In welche Richtung findet unsere Anpassung eigentlich statt? Und was ist der Gegenspieler zur Anpassung. Denn – so viel ist klar – Menschen sind zwar enorm anpassungsfähig, aber wir setzen hier und da auch Grenzen und sagen: Nö, da geh ich nicht mehr mit. Und sagen dann, wenn uns eben nicht passt.

Ritas Literaturliste:

  • Frost, Ursula: Anpassung und Widerstand. Reflexionen über Bildung in Zeiten der Unbildung. Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 2008, Heft 1. S. 10-26.
  • Jonze, Spike: Adaption. 2002.
  • Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. Kapitel „Anpassung der Gedanken an die Tatsachen und aneinander“. Abrufbar unter http://www.zeno.org/Philosophie/M/Mach,+Ernst/Erkenntnis+und+Irrtum/Anpassung+der+Gedanken+an+die+Tatsachen+und+aneinander (Datum des letzten Abrufs: 29.12.2020)
  • Nida-Rümelin, Julian: Über menschliche Freiheit. Stuttgart 2005.
  • Piaget, Jean: Biologie und Erkenntnis. Frankfurt 1983.
  • Skinner, Burrhus Frederic: Jenseits von Freiheit und Würde. Reinbek 1973.
  • Spencer, Herbert: System der synthetischen Philosophie, Band VI – VIII. Stuttgart 1889.
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Episode 101: Teilen, mitteilen, sharen

Es gibt sie, Menschen, die einfach nicht teilen wollen. Aber was ist daran eigentlich so schwer? Und warum gehört auch das Teilen irgendwie zum ökonomischen Handeln?

In der Regel denken wir beim Teilen daran, anderen etwas abzugeben von dem, was wir besitzen. Aber die Digitalisierung hat was gemacht mit dem Teilen. Nicht nur in der Kommunikation. Denn unsere Gedanken und Bilder teilen wir inzwischen sehr gerne und häufig – und zwar mit anderen. Manchmal sogar mit der ganzen Welt. Möglich ist das jedenfalls. Auch die Sharing Economy ist vor allem möglich durch die Digitalisierung. Sie macht das Teilen leichter. Aber Teilen und Ökonomie, klingt das nicht irgendwie auch schräg? Denn das Teilen ist ja auch irgendwie eine zugewandte Geste. Und sagt im Zweifel etwas über unseren Status in der Gesellschaft aus. Eine Folge mit Gehirnbritzelgarantie. Was für ein Neuronenfeuerwerk!

Ritas Literaturliste:

  • Anderson, Elizabeth: Private Regierung. Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden). Berlin 2019. Caillé, Alain: Anthropologie der Gabe. Frankfurt/Main 2008.
  • Derrida, Jacques: Falschgeld. Zeit geben I. München 1993. Grassmuck, Volker: The Sharing Turn: Why we are generally nice and have a good chance to cooperate our way out of the mess we have gotten ourselves into. In: Sützl, Wolfgang et al. A.a.O., S. 17-35.
  • Krebs, Angelika: Lieben: Schenken, Tauschen oder Teilen? Eine Kritik an Elizabeth Andersons Theorie des „Gift Exchange“. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 47. 1999, S. 967-985.
  • Ostrom, Elinor: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter. München 2011.
  • Preuß, Dirk (Hrsg.): Körperteile – Körper teilen? Kritisches Jahrbuch der Philosophie, Beiheft 8. Würzburg 2009
  • Scheler, Max: Wesen und Formen der Sympathie. Nachdruck von 1923. Paderborn 2013. [In Vorbereitung: Scheler, Max: Wesen und Formen der Sympathie. Hrsg. von Annika Hand und Christian Bermes. Hamburg.]
  • Sützl, Wolfgang/Stalder, Felix/Maier, Ronald/Hug, Theo (Hrsg.): Medien – Wissen- Bildung: Kulturen und Ethiken des Teilens. Innsbruck 2012.

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Episode 100: Petze! Petze!

Unsere 100. Folge hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Glamouröser. Stattdessen gibt’s eine spontane Late-Night-Ausgabe, dafür aber mit einem hoch neuralgischen Thema: Es geht ums Petzen, Verraten und Denunzieren.

Es ist ein wirklich schwieriges Thema mit so vielen neuralgischen Punkten, dass wir kurz davor waren, diese Folge „Neuralgensalat“ zu nennen. Es geht ums Petzen und wie man das zum Beispiel vom Denunzieren unterscheidet. Geschickt hat uns das Thema unser Hörer Johannes. Und damit hat er uns eine echt schwierige Aufgabe gestellt. Denn das Thema ist zudem auch noch sehr unangenehm. Niemand ist gerne die Petze. Und trotzdem ist es manchmal angebracht, Konsequenzen herbeizuführen, wenn sich jemand so verhält, dass es anderen schadet. Oder zumindest potentiell schaden könnte. Nicht immer, aber oft spielt auch eine höhere Instanz eine Rolle. Lehrer:innen, Eltern – oder in Noras Fall ein Supermarktleiter, der stellvertretend einen Mitarbeiter zurecht weisen soll. Puh. War das gerechtfertigt?

P.S. Keine 100. Folge ohne Nietzsche!

Ritas Literaturliste:

  • Farin Urlaub Racing Team: Livealbum of Death. Track 6 „Petze“. Völker hört die Tonträger 2006.
  • Piaget, Jean: Das moralische Urteil beim Kinde. Stuttgart 1983.
  • Schrepfer, Manuel: Ich weiß, was du meinst! Theory of Mind, Sprache und kognitive Entwicklung. München 2013.
  • Simmel, Georg: Das Geheimnis. Eine sozialpsychologische Skizze. In: Der Tag, Nr. 626 vom 10. Dezember 1907. Abrufbar unter: https://socio.ch/sim/verschiedenes/1907/geheimnis.htm (Datum des letzten Abrufs: 29.10.2020)
  • Yucel, Meltem/Vaish, Amrisha: Young children tattle to enforce moral norms. In: Social Development, Vol. 27, Issue 4. November 2018, pp. 924-936.
  • Valtin, Renate (Hrsg.): Zur Entwicklung sozialkognitiver und moralischer Konzepte I. Was Kinder über Geheimnisse, Petzen und Strafe denken. Berlin 2020. Abrufbar unter: https://www.pedocs.de/volltexte/2020/20627/pdf/Valtin_2020_Was_Kinder_ueber_Geheimnisse_.pdf (Datum des letzten Abrufs: 29.20.2020)
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Episode 98: (K)ein Lob der Lüge!

Um gut lügen zu können, brauchen wir einige kognitive Fertigkeiten. Lügen ist eine Leistung. So ganz grundsätzlich betrachtet. Eine, deren Entwicklung sich bei Kindern ganz gut beobachten lässt. Für Hannah Arendt bedeutet Lügen zu können und zu dürfen auch Freiheit. Trotzdem sind wir nicht komplett euphorisch, wenn wir angelogen werden. Im Gegenteil. Wir fühlen uns verletzt, betrogen, über den Tisch gezogen. Das Spannende ist: Auch über die Wahrheit sind wir nicht immer uneingeschränkt glücklich. Komplizierte Sache das Ganze. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Wahrheit und Lüge wirklich Antagonistinnen sind. Oder ob wir da nicht mit anderen Begrifflichkeiten operieren müssen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zum Beispiel. Und wie verhält es sich eigentlich mit der Realität in diesem Spannungsfeld? Können Lügen Teil einer – zumindest individuellen oder gruppenbezogenen – Realität sein?

Ritas Literaturliste:

  • Arendt, Hannah: Macht und Gewalt. München 1970.
  • Augustinus: De mendacio – Contra mendacium – Contra Priscillianistas. Paderborn 2013.
  • Derrida, Jacques: Geschichte der Lüge. Prolegomena. Wien 2015.
  • Farin Urlaub Racing Team: Die Wahrheit übers Lügen. 2008.
  • Frankfurt, Harry G.: Bullshit. Berlin 2014.
  • Kant, Immanuel: Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen. Verfügbar unter: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/%C3%9Cber+ein+vermeintes+Recht+aus+Menschenliebe+zu+l%C3%BCgen (Datum des letzten Abrufs: 15.10.2020)
  • Nietzsche, Friedrich: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. KSA Band 1. München, Berlin, New York 1999.
  • Stangneth, Bettina: Lügen lesen. Hamburg 2017.

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Episode 96: Heldenmülltrennung

Warum verehren wir sportliche Held:innen, wer sind unsere Vorbilder und was unterscheidet die beiden vorgenannten vom Idol? Eine Held:innenreise der etwas andern Art.

Vorgenommen hatten wir uns für diese Folge eigentlich das Thema Vorbilder. Dann kam eine Mail unserer Hörerin Tatjana mit dem Vorschlag, doch mal über Heldenverehrung zu sprechen vor allem im Sport. Super, dachten wir, dann packen wir das doch mal alles in eine Folge. Passt nämlich sehr gut. Herausgekommen ist eine Anleitung zur Heldenmülltrennung, wobei an dieser Stelle nicht ganz klar ist, wo hier eigentlich der Trennstrich hin muss. Denn auch, wenn uns der Heldenbegriff bisweilen auf den Zünder geht, so ganz aufgeben sollten wir die Idee vielleicht doch nicht. Zumindest nicht in bestimmten Details. Welche das sind und welche Komponenten des Heldentums wir getrost in die Tonne treten können, darum geht’s in dieser Folge.

Ritas Literaturliste:

  • Fleming, Jacky: Das Problem mit den Frauen. Köln 2017.
  • Frost, Ursula: „So sein wie …“ oder Neuerfindung des Lebens? Über die Bedeutung von Vorbildern in Geschichte und Gegenwart. In: Kalcher/Lauermann. A.a.O., S. 10-26.
  • Kalcher, Anna Maria/ Lauermann, Karin (Hrsg.): Vorbilder. Erziehen wohin? Salzburg 2014.
  • Lenz, Siegfried: Das Vorbild. Hamburg 1973.
  • Mead, Margaret: Der Konflikt der Generationen: Jugend ohne Vorbild. Übers. von Thomas Höpfner. Freiburg 1971.
  • Neiman, Susan: Moralische Klarheit: Leitfaden für erwachsene Idealisten. Hamburg 2010.
  • Nietzsche, Friedrich: Morgenröte (in: Kritische Studienausgabe, Band 3) sowie Götzen-Dämmerung (in: Kritische Studienausgabe, Band 6). München, Berlin, New York 1999.
  • O’Connell, John: Bowies Bücher. Literatur, die sein Leben veränderte. Köln 2020.
  • Paus-Hasebrink, Ingrid: Die Heldinnen und Helden von heute. Mediale Vorbilder von Kindern und Jugendlichen im Zeichen von Konvergenz und Crossmedialität. In: Kalcher/Lauermann. A.a.O., S. 63-73.
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Episode 95: Bröselig und drölfzelnd

„In dubio pro reo“ – unser ganzes Rechtssystem dreht sich um den Zweifel. Da aber weder Rita noch Nora Juristinnen sind, haben wir uns dem Zweifel anders genähert. Denn er beschäftigt uns gerade auch außerhalb des Rechtssystems. Selten war der Zweifel so sichtbar, wie während der gerade andauernden Corona-Pandemie. Warum zweifeln wir? Wie zweifeln wir? Und können wir am Zweifel zweifeln? Und warum eigentlich zwei-fel, wenn wir doch in der Regel viel mehr als zwei Fragen haben?

An dieser Stelle übrigens eine kleine Warnung: Diese Podcast-Episode kann Hirnwindungen verknoten und führt an dunkle Orte. Aber keine Sorge, wir lachen euch da wieder raus und nehmen euch an die Hand. Und zur Not habt einfach ein paar vegane Colaflaschen parat – oder was ihr sonst so gerne snackt.

Ritas Literaturlistse:

  • Descartes, René: Meditationen. Mit sämtlichen Einwänden und Erwiderungen. Hrsg. Von Christian Wohlers. Hamburg 2009.
  • Esser, Andrea: Irrationale Angst oder begründeter Zweifel. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. 2012, S. 428f.
  • Giel, Klaus/ Obermeier, Otto-Peter/ Reusch, Siegfried (Hrsg.): Der Blaue Reiter, Journal für Philosophie. Die Kunst des Zweifelns. 4/2020
  • Philosophie Magazin/ Reclam-Verlag (Hrsg.): Und woran zweifelst Du? Leitfaden für das postfaktische Zeitalter. Stuttgart 2019.
  • Putnam, Hilary: Vernunft, Wahrheit und Geschichte. Frankfurt/Main 1990.
  • Searle, John: Minds, Brains and Programs. In. The Behavioral and Brain Sciences. 3/ 1980, pp. 417-457. Abrufbar unter http://et3r.ektf.hu/wp-content/uploads/2014/06/minds-brains-and-programs.pdf (Datum des letzten Abrufs: 02.09.2020)
  • Searle, John: Minds, Brains and Programs. In: The Behavioral and Brain Sciences 1980, pp. 417-457.

Triggerwarnung

  • Große, Jürgen: Erlaubte Zweifel. Cioran und die Philosophie. Berlin 2014.

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Episode 94: Endlich Prinzessung!

Feminismus ist Frauensache. So ein Quatsch. Denn eigentlich geht es im Feminismus darum, dass es allen in einer Gesellschaft besser geht, weil Ungleichheiten beseitigt werden. Und das nutzt auch Männern, die nicht selten selbst mit den festgefahrenen Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen haben. Damit ist Feminismus, wenn er intersektional gedacht ist, eigentlich nur eine Form von Humanismus.

In dieser Folge geht es darum, wo Rita und Nora Ungleichheiten im Leben begegnen (Spoiler: immer und überall), warum wir ausführlich über das Thema reden möchten, was Mann tun muss, um ein guter Feminist zu sein (gar nicht schwierig eigentlich) und worum es dabei im Kern eigentlich geht. Außerdem erfahrt ihr, wie Rita das Thema im digitalen Box-Kanal fight24 untergebracht hat.

Ritas Literaturliste:

  • Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main 1991.
  • De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau. 21. Auflage. Hamburg 2000.
  • Doetsch, Brigitte: Frauen in Philosophie und Wissenschaft. Bielefeld 2004.
  • Emcke, Carolin: Wie wir begehren. Frankfurt/Main 2013.
  • Grach, Katja: Die MILF-Mädchenrechnung: Wie sich Frauen heute zwischen Fuckability-Zwang und Kinderstress aufreiben. Berlin 2018.
  • Greer, Germaine: Der weibliche Eunuch. Aufruf zur Befreiung der Frau. Frankfurt/Main 1974.
  • Hagengruber, Ruth: Die gestohlene Geschichte. In: Philosophie Magazin Sonderausgabe „Philosophinnen – Eine andere Geschichte des Denkens“, abrufbar unter https://philomag.de/hagengruber/ (Datum des letzten Abrufs: 27.08.2020)
  • Haraway, Donna: A Cyborg Manifesto. In: Socialist Review 1985. Abrufbar unter http://www.stanford.edu/dept/HPS/Haraway/CyborgManifesto.html (Datum des letzten Abrufs: 27.08.2020) Irigaray, Luce: Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts. Frankfurt/Main 1980.
  • Kelly, Natasha A. (Hrsg.): Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Münster 2019.
  • Moran, Caitlin: How To Be a Woman. London 2011.
  • Nin, Anaïs: Sanftmut des Zorns. Was es heißt, Frau zu sein. Frankfurt/Main 1982.
  • Passmann, Sophie: Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch. Köln 2019.
  • Stokowski, Margarethe: Untenrum frei. Hamburg 2016. Vale, Allison/ Ralfs, Victoria: How to Raise a Feminist. London 2017.

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Episode 90: Was? Ich? Weiß?

Rassismus und weiße Privilegien

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Rita und Nora haben einen Hinweis erhalten, dass Sie in Ihrer Episode „Einladung zum Zuhören“ als Reaktion auf die Black Lives Matter Proteste zwar ein Angebot gemacht haben, aber eines, das sich vor allem an weiße Hörer:innen richtet. Schwarze Hörer:innen haben sie dabei nicht mitgedacht. Ein Grund, da mal genauer hinzusehen und sich mit Weißsein und Rassismus auseinanderzusetzen. Der Hinweis kam von Natalie Ofori, Kulturwissenschaftlerin und Schwarz. An der Stelle ganz herzlichen Dank dafür! Denn, ja, sie hat mit ihrer Kritik völlig Recht. Wir haben zwar all jene eingeladen, sich mit Rassismus zu beschäftigen, die das bislang nicht getan haben. Aber das exkludiert Schwarze Hörer:innen, die sich vielleicht an der Stelle ein anderes Angebot gewünscht hätten. Denn für sie ist Rassismus nichts, womit man sich unbedingt mal beschäftigen muss, sondern Alltag. Warum hatten wir das nicht auf dem Schirm? Eine Frage, die wir uns dringend stellen müssen. Dabei hilft uns Josephine Apraku. Sie hat auf Instagram die Challenge #KritischeWeiß_heiten ins Leben gerufen. Dort stellt sie zwischen dem 6. Juni und dem 6. Juli 2020 jeden Tag eine Frage zum Thema Rassismuskritik und weiße Privilegien. Die Mitgründerin des Instituts für diskriminierungsfreie Bildung (IDB) Berlin, hat uns aus ihren vielen Fragen sechs ausgewählt, die wir in dieser Podcast-Folge besprechen wollen.

Das sind ihre Fragen:

  • Wann ist dir das erste Mal bewusst gewesen, dass du weiß bist? War dir zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass dein Weiß-Sein mit Privilegien einhergeht?
  • Das Lernen weißer Menschen zu Rassismus geht in der Regel mit Abwehr einher, wie bist du bisher mit deiner Abwehr umgegangen? Wie möchtest du in der Zukunft mit der Abwehr umgehen?
  • In den sozialen Medien sind wir vor allem von Menschen umgeben, die unsere Perspektiven weitestgehend teilen. Das macht es einfach, Solidarität zu bekunden. Wie gehst du mit dem Rassismus deiner weißen Familienmitglieder und Freund*innen um? Wie unterstützt du andere weiße Menschen in ihrem Lernprozess?
  • Wie trägst du als weiße Person im Alltag (im Beruf, der Kita, der Schule) dafür Sorge, dass sich nicht nur Menschen, die Rassismus erfahren gegen ihn einsetzten müssen?
  • Welche Ressourcen und Räume stellst du Schwarzen Menschen und Organisationen regelmäßig zur Verfügung (Geld, Arbeitszeit)?
  • Wie kannst du deinen Lernprozess zu Weiß-Sein und zu Rassismus im Alltag (im Beruf, der Kita, der Schule, mit Familie und Freund*innen)für deine Rassismuskritik produktiv machen?
https://www.instagram.com/p/CBDdUkfKawS/

Disclaimer: In einer Stunde können wir natürlich nicht alle Aspekte, die mit Rassismus zusammenhängen, besprechen. Es ist ein Anfang. Das Angebot richtet sich vor allem an weiße Hörer:innen, die sich bislang noch nicht so intensiv mit Rassismus und kritischem Weißsein auseinandergesetzt haben. Grundsätzlich wollen wir aber natürlich niemanden ausschließen. Wir können uns aber vorstellen, dass es für Schwarze Hörer:innen anstrengend und nervig ist, wenn wir als weiße Frauen darüber sprechen, wie wir etwas verhandeln, das für sie schon immer zum Alltag gehört.

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