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Episode 82: Welt(anschauungs)schmerz

Aktuell sind viele von uns damit beschäftigt, ihre Lebensumstände neu zu sortieren, weil das Corona-Virus große Umstellungen verlangt. Aber auch die ersten beiden Monate des Jahres 2020 hatten es bereits in sich. Da gab es das #Omagate, den Tabubruch von Thüringen, die rassistischen Morde in Hanau und ganz aktuell den unmenschlichen Umgang mit Geflüchteten an der türkisch-griechischen Grenze, bei denen die Menschenrechte, Grundwerte der europäischen Union, mit Füßen getreten werden. Beim Blick in die Welt tut Nora gerade das Herz weh. Und ja, das klingt pathetisch. Aber es ist tatsächlich so. Aber woher kommt dieser Weltschmerz? Welchen Platz hat er in unserer Gesellschaft und wie können wir damit umgehen? Darüber sprechen Rita und Nora in dieser Ausgabe des „Was denkst du denn?“ Podcast.

Ritas Literaturliste:

  • Burchardt, Matthias: Erziehung im Weltbezug: Zur pädagogischen Anthropologie Eugen Finks. Würzburg 2001.
  • Fink, Eugen: Der Mensch als Fragment. In: Ders.: Zur Krisenlage des modernen Menschen. Würzburg 1989.
  • Fink, Eugen: Grundphänomene des menschlichen Daseins. 2., unveränderte Auflage. Freiburg 1995
  • Frost, Ursula: Bildung und Öffentlichkeit. Über allgemeine und politische Bildung. In: Obermaier, Michael (Hrsg.): Humane Ökologie. Gesellschaftliche Fragmentierungen – pädagogische Suchbewegungen. Paderborn 2012.
  • Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Vorlesungen über Pädagogik (1813). In: Ders.: Texte zur Pädagogik. Kommentierte Studienausgabe. Hrsg. von Michael Winkler und Jens Brachmann. Frankfurt 2000.
  • Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. München 1998.
  • Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus. Werkausgabe Band 1. Frankfurt/Main 1984.

Noras Linkliste:

Episode 81: Spalter! Spalter!

Immer wieder geht es in Diskussionen um die Spaltung der Gesellschaft. Besonders präsent war da Anfang des Jahres die angebliche Spaltung der Generationen. Aber auch sonst wird gerne und oft von bestimmten Spaltungen gesprochen. Am Beispiel des Generationenkonfliktes – den es ohnehin schon immer gab – suchen wir nach diesen Spaltungen. Wo verlaufen diese Grenzen? Wer setzt die? Und: Warum? Und natürlich kommt auch die Frage auf, ob das überhaupt so schlimm ist alles? Denn eine Gesellschaft ist nunmal eine Ansammlung von Menschen, die eben nicht gleich sind. Die sich aber darauf geeinigt haben, im Grundsatz das Gleiche zu wollen. Das es neben diesen Grundsätzen auch Uneinigkeit gibt, gesellschaftliche Lücken und Brüche, das weist uns darauf hin, wie gut es uns gelingt, diese Grundsätze zu mit Leben zu füllen. Statt sie mit Angst zu betrachten, wäre es hilfreich, sie zunächst anzuerkennen. Und dann gäbe es ja auch die Möglichkeit, Brücken zu bauen. Was dafür nötig ist und warum sich Nora demnächst vielleicht einen grünen Punkt und eine gelbe Tonnen tättowieren lässt … darum geht’s in dieser Folge.

Ritas Literaturliste:

  • Ecarius, Jutta: Generation, Erziehung und Bildung. Eine Einführung. Stuttgart 2008.
  • Frost, Ursula: Erziehung als Generationenverhältnis. In: Mertens, Gerhard et al. (Hrsg.): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Band 1. Paderborn 2008, S. 167-173.
  • Furth, Peter: Phänomenologie der Enttäuschungen. Frankfurt/Main 1991.
  • Hafeneger, Benno: Anerkennung, Respekt und Achtung. Dimensionen in den pädagogischen Generationenbeziehungen. In: Hafeneger, Benno/ Henkenburg, Peter/ Scherr, Albert (Hrsg.): Pädagogik der Anerkennung. Schwalbach i.T. 2002, S. 45-62.
  • Krais, Beate/Gebauer, Gunter: Habitus. 7. Auflage. Bielefeld 2017.
  • Liebau, Eckart (Hrsg.): Das Generationenverhältnis. Über das Zusammenleben in Familie und Gesellschaft. Weinheim u. München 1997.
  • Zimmermann, Hans-Peter/de Leuw, Peter: Die feinen Unterschiede und wie sie entstehen. Pierre Bourdieu erforscht unseren Alltag. Sendung des HR am 3.11.1983, verfügbar unter https://youtu.be/gQSYewA03BU (Datum des letzten Abrufs: 19.02.2020)

Episode 80: Den Mittelfinger in die Wunde

Wer oder was sind eigentlich Intellektuelle? Was ist ihre Aufgabe in unserer Gesellschaft? Und, was hat das Ganze mit Anstand zu tun? Während Nora sich fragt, ob man die beiden Themen überhaupt zusammenrühren kann, ist Rita sicher: Die gehen gar nicht ohne einander. Und schon geht sie los, die lustige und manchmal auch schmerzhafte Reise ins Reich der Intellektualität. Angefangen mit der Dreyfus-Affäre in Frankreich 1894 bis hin zu den Denkerinnen und Denkern der Gegenwart – und dem Tabubruch von Thüringen. Denn eins ist auch klar: Das Intellektuelle lässt sich auch vom Politischen nicht trennen.

Ritas Literaturliste:

  • Bering, Dietz: Die Intellektuellen. Geschichte eines Schimpfwortes. Stuttgart 1978.
  • Foucault, Michel: Die politische Funktion des Intellektuellen. In: Ders.: Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Bd. III: 1976-1979. Hrsg. von Daniel Defert/ François Ewald. Frankfurt/Main 2003.
  • Frisch, Max: Fragebogen. 17. Auflage. Berlin 1998.
  • Sartre, Jean-Paul: Plädoyer für die Intellektuellen. In: Ders.: Gesammelte Werke. Bd. 6: Politische Schriften. Reinbeck 1995.
  • Stuhlmann, Gunther (Hrsg.): Die Tagebücher der Anaïs Nin. Band 2: 1934-1939. München 1994.
  • Zeh, Juli: Treideln. München 2015.

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Episode 79: Erinnern und … was nochmal?

Woran erinnern wir uns eigentlich? Und wie entscheiden wir, woran und an wen oder auch an was wir erinnern. Denn es ist schlicht unmöglich an alles zu erinnern, was passiert ist. Oder an jede einzelne Person. Auf der anderen Seite ist es auch unglaublich schwierig, etwas absichtlich zu vergessen. Und trotzdem geraten Dinge, Geschichten, Erlebnisse und historische Ereignisse in Vergessenheit. Euch schwirrt jetzt schon der Kopf?

Gut, dann seid ihr bei uns genau richtig. Diese Folge hat nämlich auch unsere Synapsen mächtig durcheinander gewirbelt. Und damit es auch ja nicht langweilig wird, diskutieren wir als kleinen Bonus noch die Frage, ob es „ich erinnere das“ oder „ich erinnere mich“ heißt. Und warum wir eine der beiden Varianten deutlich bevorzugen.

Um geklaute und vergessene Fahrräder geht’s übrigens auch. Deshalb hier für euch noch ein Musikwunsch von Rita:

Und von Nora gibt es einen Hörtipp:
Eine Stunde Talk mit Julia Shaw – 100 Prozent deiner Erinnerungen sind falsch

Ritas Literaturliste:

  • Assmann, Aleida: Formen des Vergessens. Reihe Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge. Hrsg. von Bernhard Jussen und Susanne Scholz. Bd. 9. Göttingen. 2016.

Augé, Marc: Formen des Vergessens. Berlin: Matthes und Seitz. 2013.
  • Blum, André / Georgen, Theresa / Knapp, Wolfgang / Sellier, Veronika (Hrsg.): Potentiale des Vergessens. Würzburg. 2012.
  • Eco, Umberto: An Ars Oblivionalis? Forget it! In: Publications oft he Modern Language Association, Vol. 103, 05/1988, pp. 154-261. Online verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/462374?origin=JSTOR-pdf&seq=1#metadata_info_tab_contents (Datum des letzten Abrufs: 21.01.2020)

  • Mersch, Dieter: Paradoxien, Ethik und Poetik von Erinnern und Vergessen. Als PDF verfügbar unter http://www.dieter-mersch.de/Texte/PDF-s/ (Datum des letzten Abrufs: 23.01.2020)
  • Nietzsche, Friedrich: Unzeitgemäße Betrachtungen. Zweites Stück: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. In: Ders.: Sämtliche Werke. KSA, Band 1. Hrsg. Von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. München et al. 1980.
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Episode 74: Wundern und wahrnehmen

In einer Welt der Wissenschaft lässt sich im Prinzip alles erklären. Naja fast alles. Manches wird allerdings auch immer rätselhafter, je mehr wir darüber wissen. Und manchen Dingen bleibt ein Zauber, obwohl wir ganz viel darüber wissen. Es gibt Menschen, die uns im Wahrsten Sinne des Wortes verzaubern. Das kann toll sein. Das kann aber auch schwierig werden. Da nämlich, wo es in Sakralisierung umschlägt – also in etwas Mystisches oder Heiliges. Das erleben wir auch bei Dingen. Rund um ein neues iPhone wird regelrecht eine Messe zelebriert. Nicht jede und jeder darf es sofort haben. Es thront erhoben auf einem Sockel. Menschen campen tagelang vor Apple-Stores, um die ersten zu sein, die das neue Heiligtum – Verzeihung – Smartphone in den Händen halten zu dürfen … und das wäre noch unser kleinstes Problem mit der Sakralisierung. Denn da, wo wir uns immer noch wundern, wo uns die Erklärungen auch bis heute noch fehlen, ist der Übergang zwischen These, Theorie und Verschwörungstheorie mitunter fließend. Und dann ist da noch die Frage, was das Ganze mit Macht zu tun hat. Und ob wir die Welt wirklich nur denkend erschließen – oder eben doch auch wahrnemend und wundernd.

Schläft ein Lied in allen Dingen, 
die da träumen fort und fort

und die Welt hebt an zu singen
triffst du nur das Zauberwort

Joseph von Eichendorff

Ritas Literaturliste:

  • Benjamin, Walter (2010): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. 6. Aufl. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
  • Joas, Hans (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte von der Entzauberung. Berlin: Suhrkamp.
  • Klatt, Jöran (2016): Rückverzauberte Rationalitäten. Die Sehnsucht nach dem Wärmestrom. In: INDES, Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, Heft 3. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Lehmann, Hartmut (2009): Die Entzauberung der Welt. Studien zu Themen von Max Weber. Göttingen: Wallstein.
  • Meyer-Drawe, Käte (2018): Im Gespräch mit Vanessa Albus. In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik, Heft 3. Hannover: Siebert Verlag.
  • Weber, Max (1996): Wissenschaft als Beruf. 10. Aufl. Berlin: Duncker und Humblot.

Noras Linktipps:

  • Zum Thema Sakralisierung und Macht hier noch ein Twitter-Link
    (Das Video ist spannend):
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Episode 73: Monströs oder einfach böse?

Es gibt Dinge, an deren finaler Erklärung wir scheitern. Liebe zum Beispiel. Oder Tod. Und auch das abgrundtief Böse und Monströse gehören dazu. Das sind die Dinge, die wir letzten Endes nicht begreifen können. Oder wie Rita es sagt: Nicht verdauen. Und trotzdem lohnt sich der Versuch, sich diesen Dingen zu nähern. Sie zu betrachten und anzuschauen. Der Anlass für dieses Gespräch ist hoch aktuell. Denn das Attentat in Halle am 09. Oktober 2019 war für viele Menschen eine Zäsur. Da hat sich ein Abgrund aufgetan. Und in den wollen wir blicken. Vorsichtig. Und da unser Gespräch am 31. Oktober stattfand – für die einen der Reformationstag, für andere einfach Halloween – fanden wir, das sei ein guter Tag, um die Brücke zu schlagen zwischen dem Bösen, dem Monströsen – aber eben auch der Banalität, die dem Bösen bisweilen zugrunde liegt und die dennoch monströse Ausmaße annehmen kann. Gast in dieser Folge ist der Philosoph Dr. Matthias Burchardt von der Universität in Köln.

Ritas Literaturliste

mit Ergänzungen von Matthias Burchardt:

  • Anders, Günther: Wir Eichmannsöhne. München 2001.
  • Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. 15. Auflage. München/ Zürich 2006.
  • Bollnow, Otto Friedrich: Neue Geborgenheit. Neue Geborgenheit. Das Problem einer Überwindung des Existentialismus. Schriften, Band 5. Würzburg 2011.
  • Montaigne, Michel de: Die Essais. Köln 2005. Stegemann, Bernd: Die Moralfalle: Für eine Befreiung linker Politik. Berlin 2018.
  • Nelson, Maggie: The Art of Cruelty. A Reckoning. New York/ London 2011.
  • Nietzsche, Friedrich: „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“. KSA Band 5. München 1999. Philosophie Magazin, Sonderausgabe 11: Was ist das Böse? Berlin 2018.
  • Ricoeur, Paul: Das Böse: Eine Herausforderung für Philosophie und Theologie. Zürich 2006.
  • Safranski, Rüdiger: Das Böse oder das Drama der Freiheit. 10. Auflage. Frankfurt/Main 1999.
  • Schäfer, Christian (Hrsg.): Was ist das Böse? Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Stuttgart 2014.
  • Svendsen, Lars: A Philosophy of Evil. Champaign/ London/ Dublin 2010.
  • Žižek, Slavoj: Grimassen des Realen. Jacques Lacan oder die Monstrosität des Aktes. Köln 1993.
  • Žižek, Slavoj: Der neue Klassenkampf. Die wahren Gründe für Flucht und Terror. 2015.
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Episode 70: Die Goldene Regel

Um die Dinge zu ordnen brauchen wir Regeln. Regeln sollten relativ stabil sein, damit sie auch verlässlich sind. Und sie sollen reziprok sein. Also, wenn ich mich dran halte, dann hältst du dich auch dran. Was passiert, wenn das nicht so ist, zeigt sich zum Beispiel bei Spielregeln. Geschummelt wird nicht! Oder zumindest sollte man sich dabei nicht erwischen lassen. Und da sind wir schon bei einer sehr menschlichen Regung. Wenn es uns zupass kommt und uns das Risiko nicht allzu groß erscheint … nunja, die ein oder andere Regel kann dann auch schon mal, sagen wir, großzügig ausgelegt werden. Oder sie fällt halt – schwupps – gleich unter den Tisch. Aber es gibt die eine goldene Regel, die so oder ähnlich in fast allen Kulturen gefunden werden kann. Auf die wir bauen, wenn es um gutes Zusammenleben geht. Welche das ist und, warum auch an dieser Regel nicht alles gold ist, was glänzt, das erfahrt ihr in dieser Ausgabe.

Ritas Literaturliste:

  • Bröckling, Ulrich: Gute Hirten führen sanft: Über Menschenregierungskünste. Berlin 2017.
  • Erikson, Erik H.: Die Goldene Regel im Licht neuerer Einsicht. In: Einsicht und Verantwortung. Die Rolle des Ethischen in der Psychoanalyse. Frankfurt/Main 2003.
  • Hoche, Hans Ulrich: Die Goldene Regel. Neue Aspekte eines alten Moralprinzips. In: Zeitschrift für philosophische Forschung. 32/1978, S. 355–375.
  • Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Akademie-Ausgabe. Kant Werke, Band IV. Berlin, New York 1968.
  • Lutz, Adolf: Die goldene Regel. In: Zeitschrift für philosophische Forschung. 18/1964, S. 471.
  • Piaget, Jean: Das moralische Urteil beim Kinde. 2. Auflage. Stuttgart 1983.
  • Platon: Nomoi. Sämtliche Werke, Band 4. 22. Auflage. Reinbek bei Hamburg 2006.
  • Rohls, Jan: Geschichte der Ethik. 2. Auflage. Tübingen 1999
  • Sloterdijk, Peter: Regeln für den Menschenpark: Ein Antwortschreiben zu Heideggers Brief über den Humanismus. Berlin 1999.
  • Wattles, Jeffrey: The Golden Rule. New York 1996.

Podcast-Tipps:

  • Rita war zu Gast im LeseSport Podcast und hat dort über Regeln im Kampfsport gesprochen
  • Bei 180 Grad – Geschichten gegen den Hass von Bastian Berbner geht es in der Folge „Wenn böse Menschen lächeln“ um Erwartungshaltungen, die wir haben – und warum die falsch sein können
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Episode 67: Das Leiden der anderen

Mitleid, das ist eine ganz schwierige Kiste. Denn irgendwie möchte niemand wirklich bemitleidet werden. Und trotzdem brauchen wir Mitleid als Gefühl, um uns für andere einzusetzen. Und egal ob anerzogen oder angeboren: Die Fähigkeit, das Leid anderer wahrzunehmen und mitzuempfinden ist in dieser Welt. Was also tun damit? Wo gibt es Missverständnisse, wie prägt Mitleidsfähigkeit eine Gesellschaft und warum ist es eigentlich so schwer, unserem Mitleid Ausdruck zu verleihen, ohne jemandem dabei zu nahe zu treten? Darüber sprechen wir in dieser Episode mit Prof. Dr. Thomas Abel von der Deutschen Sporthochschule in Köln, der sich vor allem dem Para-Sport widmet.

Der Wunsch, dass wir uns zum Thema „Mitleid/Mitgefühl“ austauschen, kam übrigens von einem Hörer, der einen Rollstuhl benutzt. Wir haben erst überlegt, deshalb mit einer Person zu sprechen, die häufig dem Mitleid anderer ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite sind alle Menschen mitleidsfähig. Und deshalb haben wir einen Kompromiss gewählt. Denn für jeden von uns gibt es Phasen im Leben, in denen wir das Mitleid anderer erfahren. Zum Beispiel im Fall einer persönlichen Krise, wenn nahestehende Menschen sterben oder einfach, wenn wir krank sind und Hilfe benötigen. Was uns deshalb beschäftigt hat ist, was echtes Mitleid ist. Und ob es eine Verrohung der Gesellschaft gibt, wenn wir eben nicht mehr mitfühlen. Und wie Begegungsräume dazu führen können, dass wir gute Formen des Umgangs mit Mitleid finden. In Bezug auf andere, aber auch in Bezug auf uns selber.

Ritas Literaturliste:

  • Anders, Günther: Die Antiquiertheit des Menschen. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. München 2010.
  • Hamburger, Käte: Das Mitleid. Berlin 1985. Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt/Main 1979.
  • Marx, Werner: Ethos und Lebenswelt. Mitleidenkönnen als Maß. Hamburg 1983.
  • Neuhäuser, Gabriele: Schopenhauers Menschenbild: Zur Aktualität einer pessimistischen Anthropologie. In: Schopenhauer-Jahrbuch Nr. 98. Würzburg 2018.
  • Nietzsche, Friedrich: Menschliches, Allzumenschliches. KSA, Band 2. München 1999.
  • Rousseau, Jean-Jacques: Emile oder Über die Erziehung. Stuttgart 1998.
  • Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung. Gesamtausgabe. München 1998.
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Episode 66: Von Rausch und Ratio

Rausch – klang wie ein super Thema. Aber interessanterweise ist der Rausch sehr schwer in Worte zu fassen. Der Zustand entzieht sich unserer Ratio. Sobald wir verbalisieren können, was Rausch ist, haben wir den Zustand auch schon wieder verlassen. Zudem ist Rausch eine ziemlich individuelle Geschichte. Denn je nach Substanz reagieren wir sehr unterschiedlich – und manchmal auch je nach Tagesform. Rita und ich haben trotzdem versucht herauszufinden, was Rausch eigentlich ist und warum wir Menschen ihn suchen. Und es sind nicht immer nur Drogen im Spiel. Der eigene Körper kann mitunter so viele Botenstoffe ausschütten, dass wir in Rauschzustände geraten – und süchtig werden können. Nach Anerkennung zum Beispiel, nach Schönheit oder auch nach Macht. Auch Blutrausch ist ein Phänomen, das durch körpereigene Stoffe ausgelöst wird – so grausam das ist.

Und dann stellt sich auch noch die Frage, ob Rausch eigentlich das Gegenteil von Ratio ist. Ist Rausch die pure Unvernunft?

Ritas Literaturliste:

  • Bollnow, Otto Friedrich: Das Wesen der Stimmungen. Studienausgabe. Band 1. Würzburg 2009. (Hierin: Kap. V: Rausch und Seligkeit)
  • Elias, Norbert: Über den Prozess der Zivilisation. Frankfurt/Main 1976.
  • Feustel, Robert: Grenzgänge. Kulturen des Rauschs seit der Renaissance. München 2013.
  • Fink, Eugen: Nietzsches Philosophie. Stuttgart 1960. (Hierin: Die Philosophie des Vormittags, S. 51 ff.)
  • Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. Frankfurt/Main 1973.
  • Heller, Joseph: Catch 22. Fischer Taschenbuch. 1994 (Erstveröffentlichung 1961).
  • Indes, Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Hrsg. von Franz Walter. Heft 3/2013.
  • Losmann, Carmen: Work hard, play hard. 2011.
  • Nietzsche, Friedrich: Morgenröte. Kritische Studienausgabe, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin, New York 1999. (hierin: Gedanken über die moralischen Vorurteile, Abschnitt 50: Der Glaube an den Rausch)
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Episode 65: Zerstreute Zeiten

…und die trainierte Enge des Bewusstseins

Die einen versuchen, ihr Bewusstsein zu erweitern. Wir versuchen in dieser Episode, unser Bewusstsein zu verengen: Es geht um Konzentration. Also das fokussieren unseres Bewusstseins auf einen wie auch immer gearteten Mittelpunkt. Gar nicht so leicht in Zeiten, in denen ständig irgendetwas nach unserer Aufmerksamkeit verlangt. Denn Konzentration hat zwei Seiten: Zum einen geht sie vom Subjekt aus, also von uns selber, indem wir unser Bewusstsein bewusst auf etwas konzentrieren und dafür andere Sachen unbeachtet lassen. Das gelingt uns besonderst gut, wenn vom Objekt auf das wir unsere Konzentration richten wollen, eine gewisse Faszination ausgeht, erklärt Rita. Nur stehen heute eben extrem viele faszinierende Objekte in Konkurrenz zueinander. Und dann ist sie wieder dahin, unsere Konzentration. Dabei hat Konzentration durchaus ihre guten Seiten: Denn es macht uns mitunter glücklich, uns einfach mal nur intensiv einer einzigen Sache widmen zu können und zu dürfen. Wenn’s nur nicht so schwer wäre, einen Anfang zu finden …

Ritas Literaturliste:

  • Fuchs, Birgitta: Maria Montessori. Ein pädagogisches Porträt. Weinheim 2002.
  • Harth-Peter, Waltraud (Hrsg.): „Kinder sind anders“ – Maria Montessoris Bild vom Kinde auf dem Prüfstand. Würzburg 1996.
  • Montessori, Maria: Die Entdeckung des Kindes. Freiburg im Breisgau 1969.
  • Nietzsche, Friedrich: Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Abrufbar unter www.nietzschesource.org
  • Schmidt-Millard, Torsten: Nietzsches Basler Vorträge Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Köln 1992.
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