
In unserer Episode zur Digitalisierung fiel der Begriff FOMSI, bei einem Vortrag von Katrin Rönicke hat Nora den Begriff FOMO gehört. Beide Begriffe haben mit der Angst zu tun, etwas zu verpassen. Dabei ist FOMO etwas allgemeiner gefasst: Fear of missing out. FOMSI ist mit Fear of missing something important etwas spezifischer.
Für Rita ist es aber erst mal wichtig, überhaupt Furcht von Angst zu unterscheiden. Und da machen es uns die Philosophen nicht so ganz einfach. Denn Angst und Furcht werden etwas anders definiert als in der Gebrauchssprache. Aber das lasst euch doch einfach von Rita erklären.
Die Frage, die sich aber auch stellt ist: Wo kommt diese Angst her, etwas zu verpassen? Denn eigentlich müsste uns ja klar sein, dass wir grundsätzlich mehr verpassen als wir mitbekommen können. Zeit ist begrenzt und auch wenn erst mal alles möglich erscheint – an irgendeiner Stelle müssen wir Prioritäten setzen. Und das heißt, das eine machen und das andere lassen.
Die Angst, was zu verpassen, sorgt aber auch für große Unsicherheit. Es gibt so viele Informationen, die theoretisch verfügbar sind. Was, wenn wir das wichtigste verpassen? Wenn wir einen bestimmten Fakt nicht mitbekommen? Oder uns jemand eine Geschichte aus einer Perspektive erzählt, die so nicht im uns bekannten Narrativ vorkommt? Und an dieser Stelle kommen Verunsicherung und Glaubwürdigkeitsverlust ins Spiel. Aber bevor das hier zu kompliziert wird – hört doch einfach rein!

Zugegeben: Rita und Nora hatten schon vorher verabredet, sich mal über das Thema „Helfen“ zu unterhalten. Dass sich aber just am Tag der Aufzeichnung das Thema auch noch dermaßen aufdrängt, damit war nicht zu rechnen. Kurzum: Rita brauchte Hilfe – und Nora war in der Lage zu helfen. Jetzt ist es aber so, dass beide eigentlich lieber den Part des Helfenden übernehmen und weniger gut darin sind, Hilfe von anderen anzunehmen. Aber ohne eine spontane Planänderung hätte es auch keinen Podcast gegeben. Wer profitiert denn jetzt? Am Ende hoffen wir natürlich, vor allem unsere Hörer:innen – nämlich von unserem Gespräch. Aber so ganz altruistisch sind wir ja auch nicht unterwegs.
In dieser Episode sprechen wir über das Helfen und die Kunst, Hilfe anzunehmen. Es geht ums Paternalisieren, auf Augenhöhe bleiben, um lange Löffel und Ameisenstaaten. Was uns bei all dem aufgefallen ist: Hilfe sehen und bewerten wir vor allem aus den Augen des Helfenden. Alle finden Sankt Martin super, weil er seinen Mantel teilt – aber wer spricht eigentlich vom Bettler? Ist er nur Mittel zum Zweck für gute Taten?
„Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.“Johann Wolfgang von Goethe

Verrückt: Da nehmen wir ganz entspannt eine Podcast-Folge zum Theme Werte, Gemeinschaft, Freiheit und Demokratie auf – und dann werden die Ereignisse so aktuell, dass wir uns entscheiden, einen Tag früher mit der neuen Folge rauszurücken. Denn neben vielen schlauen Rita-Sätzen haben wir auch noch einen Neubürger dabei. Und der macht sich – anders als in anderen Folgen – diesmal lautstark bemerkbar. Was für uns völlig OK ist, wir mussten nur zwei kurze Pausen machen – eine dritte war dem Zwölf-Uhr-Gebimmel der Kirchenglocke geschuldet.
Aufbauend auf die letzte Folge fragen wir: Warum brauchen wir eigentlich Werte? – Und landen bei Rousseau und dem Gesellschaftsvertrag. Denn der fragt erstmal nach dem Gemeinwesen. Ausgehend vom Menschen als Solitair beschäftigt er sich mit der Frage, wie wir es vom Einzelgänger zu einer Gemeinschaft bringen. Und dafür müssen wir – genau – Werte definieren. Und zwar Werte, die uns und unsere Mitmenschen in ihrer Freiheit nicht beschränken. Ein Dilemma, das sich in Rousseaus Satz: „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten“ ausdrückt.