Mitleid, das ist eine ganz schwierige Kiste. Denn irgendwie möchte niemand wirklich bemitleidet werden. Und trotzdem brauchen wir Mitleid als Gefühl, um uns für andere einzusetzen. Und egal ob anerzogen oder angeboren: Die Fähigkeit, das Leid anderer wahrzunehmen und mitzuempfinden ist in dieser Welt. Was also tun damit? Wo gibt es Missverständnisse, wie prägt Mitleidsfähigkeit eine Gesellschaft und warum ist es eigentlich so schwer, unserem Mitleid Ausdruck zu verleihen, ohne jemandem dabei zu nahe zu treten? Darüber sprechen wir in dieser Episode mit Prof. Dr. Thomas Abel von der Deutschen Sporthochschule in Köln, der sich vor allem dem Para-Sport widmet.
Der Wunsch, dass wir uns zum Thema „Mitleid/Mitgefühl“ austauschen, kam übrigens von einem Hörer, der einen Rollstuhl benutzt. Wir haben erst überlegt, deshalb mit einer Person zu sprechen, die häufig dem Mitleid anderer ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite sind alle Menschen mitleidsfähig. Und deshalb haben wir einen Kompromiss gewählt. Denn für jeden von uns gibt es Phasen im Leben, in denen wir das Mitleid anderer erfahren. Zum Beispiel im Fall einer persönlichen Krise, wenn nahestehende Menschen sterben oder einfach, wenn wir krank sind und Hilfe benötigen. Was uns deshalb beschäftigt hat ist, was echtes Mitleid ist. Und ob es eine Verrohung der Gesellschaft gibt, wenn wir eben nicht mehr mitfühlen. Und wie Begegungsräume dazu führen können, dass wir gute Formen des Umgangs mit Mitleid finden. In Bezug auf andere, aber auch in Bezug auf uns selber.

Rausch – klang wie ein super Thema. Aber interessanterweise ist der Rausch sehr schwer in Worte zu fassen. Der Zustand entzieht sich unserer Ratio. Sobald wir verbalisieren können, was Rausch ist, haben wir den Zustand auch schon wieder verlassen. Zudem ist Rausch eine ziemlich individuelle Geschichte. Denn je nach Substanz reagieren wir sehr unterschiedlich – und manchmal auch je nach Tagesform. Rita und ich haben trotzdem versucht herauszufinden, was Rausch eigentlich ist und warum wir Menschen ihn suchen. Und es sind nicht immer nur Drogen im Spiel. Der eigene Körper kann mitunter so viele Botenstoffe ausschütten, dass wir in Rauschzustände geraten – und süchtig werden können. Nach Anerkennung zum Beispiel, nach Schönheit oder auch nach Macht. Auch Blutrausch ist ein Phänomen, das durch körpereigene Stoffe ausgelöst wird – so grausam das ist.
Und dann stellt sich auch noch die Frage, ob Rausch eigentlich das Gegenteil von Ratio ist. Ist Rausch die pure Unvernunft?

…und die trainierte Enge des Bewusstseins
Die einen versuchen, ihr Bewusstsein zu erweitern. Wir versuchen in dieser Episode, unser Bewusstsein zu verengen: Es geht um Konzentration. Also das fokussieren unseres Bewusstseins auf einen wie auch immer gearteten Mittelpunkt. Gar nicht so leicht in Zeiten, in denen ständig irgendetwas nach unserer Aufmerksamkeit verlangt. Denn Konzentration hat zwei Seiten: Zum einen geht sie vom Subjekt aus, also von uns selber, indem wir unser Bewusstsein bewusst auf etwas konzentrieren und dafür andere Sachen unbeachtet lassen. Das gelingt uns besonderst gut, wenn vom Objekt auf das wir unsere Konzentration richten wollen, eine gewisse Faszination ausgeht, erklärt Rita. Nur stehen heute eben extrem viele faszinierende Objekte in Konkurrenz zueinander. Und dann ist sie wieder dahin, unsere Konzentration. Dabei hat Konzentration durchaus ihre guten Seiten: Denn es macht uns mitunter glücklich, uns einfach mal nur intensiv einer einzigen Sache widmen zu können und zu dürfen. Wenn’s nur nicht so schwer wäre, einen Anfang zu finden …

Wir werfen uns die Themen ja gerne einfach mal so zu. Diesmal war Rita dran. Sie hatte das Thema „Teilhabe“ dabei. Und während in ihrer Welt das Thema „Teilhabe“ vor allem im Zusammenhang mit Inklusion besprochen wird und Bildung natürlich, wird in meiner Welt vor allem über politische Teilhabe diskutiert. Wir nähern uns der Teilhabe also von verschiedenen Seiten. Aber natürlich gibt es strukturelle Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel die Sache mit dem Teilnehmen und Teilgeben – das hat allein schon im Wortsinn eine Hierarchie. Jemanden, der oder die gibt und jemanden, der oder die nimmt. Und dann ist da noch die Frage, ob Bildung wirklich alle Menschen dazu befähigt, von allem in der Gesellschaft ein Teil sein zu können. Und ob wir das am Ende überhaupt müssen oder ob wir auch sagen können: Nein, davon möchte ich eben nicht Teil sein. Ohne sich dabei direkt komplett aus der Gesellschaft zu katapulieren.


Rita ruft an. Moment, Rita ruft an?! Das macht sie doch sonst nicht … und genau diesen einen Anruf verpasse ich. Zunächst. Im zweiten Versuch bin ich sofort dran – ausgerechnet als ich Eier kaufe. Im Biosupermarkt. Aber trotzdem weiß ich natürlich, dass auch Bioeier Selbstbeschiss sind. Ich kaufe sie trotzdem. Aber weil ich ja auch mit Rita schon über Vegetarismus, Veganismus und Tierrechte gesprochen habe, bin ich mir einfach bewusst, dass ich wider besseres Wissen handele – und da fühl ich mich erwischt. Aber immerhin, so haben wir ein Thema. Schuldgefühle. Und ausgerechnet dieses Thema, findet Rita bei der Recherche heraus, gehört nur so sekundär zur Philosophie. Stört uns aber ü-ber-haupt nicht. Wir reden trotzdem drüber. Über Schuld, Schulden, die dazu gehörenden Gefühle und Verantwortung. Und warum Schuldgefühle ein Privileg sind.
„Das Schuldgefühl wäre dann so etwas wie die Stimme des Gewissens, die fordert: Sei du selbst, sei ein Individuum und sei das auf Basis deiner Eingelassenheit.“
Rita Molzberger
P.S. Aus Zeitgründen an dieser Stelle eine beispielhafte Auswahl der Bücher, die Rita als Quellen angegeben hat und nicht die Originalquellen von Rita.


Sind wir auf dem Weg in den Transhumanismus?
Nora hat die Episode „The Remote Control Brain“ des „Invisibilia“-Podcasts gehört. Darin wird einer Frau mit obsessiven Störungen und starken Depressionen ein Chip ins Gehirn transplantiert. Dieser Chip per Strom kann die Spannung in einer bestimmten Gehirnregion erhöhen. Das Ergebnis ist tatsächlich, dass es der Frau bald besser geht. Die Sache hat natürlich ein oder zwei Haken. Dieser Fortschritt in der neurologischen Forschung wirft aber mindestens ein oder zwei moralische Fragen und Gedanken auf. Und um die geht es in dieser Episode. Quasi Cyborg und Science Fiction für Anfänger:innen oder Einsteiger:innen.


Geld ist eine schwierige Angelegenheit. Und eine, über die Philosoph:innen nicht allzu gerne referieren. Es gibt also nicht richtig viel philosophische Literatur zum Thema Geld. Dabei hat Geld einen großen Einfluss auf unser Leben. In allen Bereichen. Es ist existentiell. Es entscheidet über unseren sozialen Status. Es entscheidet, ob und wie wir medizinisch versorgt werden, zum Beispiel im Alter. Oder wie würdevoll. Am Geld hängen also ganz entscheidende Lebensfragen. Und die gehören diskutiert – nicht nur als Metathema „Wirtschaft“.


Was lässt Schülerinnen und Schüler gerade jeden Freitag auf die Straße gehen, um für Umweltschutz zu demonstrieren? Sie fordern etwas ein, zu dem wir vor allem moralisch verpflichtet sind. Nämlich diese Welt in der wir leben so zu schützen, dass sie auch in Zukunft noch für Menschen lebenswert bleibt. Eine moralische Forderung, die sich nicht zwingend auch in Gesetzen widerspiegelt. Und das macht ein interessantes Spannungsfeld auf. Denn wo verpflichten wir uns moralisch, zum Beispiel zur Einschränkung unserer Freiheit, noch bevor Gesetze greifen? Oder nehmen wir zum Beispiel Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren und unter Strafe stellen. Sich dagegen auszusprechen und für das Gegenteil zu demonstrieren, machen wir vor allem aus einer moralischen Haltung heraus. Und in Ländern, wo selbst demonstrieren unter Strafe steht, ist das dann zwar nicht legal, moralisch gesehen aber eben legitim. In dieser Episode diskutieren Rita und Nora, wo der Unterschied zwischen moralischer und gesetzlicher Verpflichtung ist. Warum Moral so einen schlechten Stellenwert hat und warum es notwendig ist, die großen Fragen unserer Zeit gesellschaftlich und politisch möglichst breit zu diskutieren.
*P.S. Wir haben diesmal die Literaturangabe aus Zeitgründen ein bisschen zackig gemacht. Das heißt, es sind Bücher zitiert, in denen ihr den Inhalt finden könnt, die aber nicht unbedingt die exakt identischen Bücher sind, die Rita auf dem Tisch liegen hatte im Gespräch. Aber uns war wichtiger, ihr könnt den Inhalt selbst recherchieren.

Erwachsen sein – was heißt das eigentlich genau? Für Nora ist das diese rechtwinklinge und graue Welt aus Momo. Und irgendwie – wer will schon erwachsen sein? Das ist doch langweilig! Rita sieht das naturgemäß anders. Sie sagt: Erwachsen sein ist auch schön. Denn erwachsen sein heißt, Freiheiten haben. Ob sie Nora am Ende überzeugen kann, dem Erwachsen sein doch noch etwas abzugewinnen?
In dieser Folge geht es um verantwortungsvolle junge Menschen, wie Greta Thunberg und erwachsene, die sich so gar nicht verantwortungsvoll benehmen – schon gar nicht dieser jungen Schwedin gegenüber. Es geht um die Unterschiede zwischen kindisch und kindlich und die Frage, ob uns digitale Geräte infantilisieren. Und natürlich kommen wir nicht an diesem wunderschönen Zitat von Erich Kästner vorbei:
„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Erich Kästne
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder,
dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

In unserer Episode zur Digitalisierung fiel der Begriff FOMSI, bei einem Vortrag von Katrin Rönicke hat Nora den Begriff FOMO gehört. Beide Begriffe haben mit der Angst zu tun, etwas zu verpassen. Dabei ist FOMO etwas allgemeiner gefasst: Fear of missing out. FOMSI ist mit Fear of missing something important etwas spezifischer.
Für Rita ist es aber erst mal wichtig, überhaupt Furcht von Angst zu unterscheiden. Und da machen es uns die Philosophen nicht so ganz einfach. Denn Angst und Furcht werden etwas anders definiert als in der Gebrauchssprache. Aber das lasst euch doch einfach von Rita erklären.
Die Frage, die sich aber auch stellt ist: Wo kommt diese Angst her, etwas zu verpassen? Denn eigentlich müsste uns ja klar sein, dass wir grundsätzlich mehr verpassen als wir mitbekommen können. Zeit ist begrenzt und auch wenn erst mal alles möglich erscheint – an irgendeiner Stelle müssen wir Prioritäten setzen. Und das heißt, das eine machen und das andere lassen.
Die Angst, was zu verpassen, sorgt aber auch für große Unsicherheit. Es gibt so viele Informationen, die theoretisch verfügbar sind. Was, wenn wir das wichtigste verpassen? Wenn wir einen bestimmten Fakt nicht mitbekommen? Oder uns jemand eine Geschichte aus einer Perspektive erzählt, die so nicht im uns bekannten Narrativ vorkommt? Und an dieser Stelle kommen Verunsicherung und Glaubwürdigkeitsverlust ins Spiel. Aber bevor das hier zu kompliziert wird – hört doch einfach rein!