
Sind wir auf dem Weg in den Transhumanismus?
Nora hat die Episode „The Remote Control Brain“ des „Invisibilia“-Podcasts gehört. Darin wird einer Frau mit obsessiven Störungen und starken Depressionen ein Chip ins Gehirn transplantiert. Dieser Chip per Strom kann die Spannung in einer bestimmten Gehirnregion erhöhen. Das Ergebnis ist tatsächlich, dass es der Frau bald besser geht. Die Sache hat natürlich ein oder zwei Haken. Dieser Fortschritt in der neurologischen Forschung wirft aber mindestens ein oder zwei moralische Fragen und Gedanken auf. Und um die geht es in dieser Episode. Quasi Cyborg und Science Fiction für Anfänger:innen oder Einsteiger:innen.


Geld ist eine schwierige Angelegenheit. Und eine, über die Philosoph:innen nicht allzu gerne referieren. Es gibt also nicht richtig viel philosophische Literatur zum Thema Geld. Dabei hat Geld einen großen Einfluss auf unser Leben. In allen Bereichen. Es ist existentiell. Es entscheidet über unseren sozialen Status. Es entscheidet, ob und wie wir medizinisch versorgt werden, zum Beispiel im Alter. Oder wie würdevoll. Am Geld hängen also ganz entscheidende Lebensfragen. Und die gehören diskutiert – nicht nur als Metathema „Wirtschaft“.


Was lässt Schülerinnen und Schüler gerade jeden Freitag auf die Straße gehen, um für Umweltschutz zu demonstrieren? Sie fordern etwas ein, zu dem wir vor allem moralisch verpflichtet sind. Nämlich diese Welt in der wir leben so zu schützen, dass sie auch in Zukunft noch für Menschen lebenswert bleibt. Eine moralische Forderung, die sich nicht zwingend auch in Gesetzen widerspiegelt. Und das macht ein interessantes Spannungsfeld auf. Denn wo verpflichten wir uns moralisch, zum Beispiel zur Einschränkung unserer Freiheit, noch bevor Gesetze greifen? Oder nehmen wir zum Beispiel Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren und unter Strafe stellen. Sich dagegen auszusprechen und für das Gegenteil zu demonstrieren, machen wir vor allem aus einer moralischen Haltung heraus. Und in Ländern, wo selbst demonstrieren unter Strafe steht, ist das dann zwar nicht legal, moralisch gesehen aber eben legitim. In dieser Episode diskutieren Rita und Nora, wo der Unterschied zwischen moralischer und gesetzlicher Verpflichtung ist. Warum Moral so einen schlechten Stellenwert hat und warum es notwendig ist, die großen Fragen unserer Zeit gesellschaftlich und politisch möglichst breit zu diskutieren.
*P.S. Wir haben diesmal die Literaturangabe aus Zeitgründen ein bisschen zackig gemacht. Das heißt, es sind Bücher zitiert, in denen ihr den Inhalt finden könnt, die aber nicht unbedingt die exakt identischen Bücher sind, die Rita auf dem Tisch liegen hatte im Gespräch. Aber uns war wichtiger, ihr könnt den Inhalt selbst recherchieren.

Erwachsen sein – was heißt das eigentlich genau? Für Nora ist das diese rechtwinklinge und graue Welt aus Momo. Und irgendwie – wer will schon erwachsen sein? Das ist doch langweilig! Rita sieht das naturgemäß anders. Sie sagt: Erwachsen sein ist auch schön. Denn erwachsen sein heißt, Freiheiten haben. Ob sie Nora am Ende überzeugen kann, dem Erwachsen sein doch noch etwas abzugewinnen?
In dieser Folge geht es um verantwortungsvolle junge Menschen, wie Greta Thunberg und erwachsene, die sich so gar nicht verantwortungsvoll benehmen – schon gar nicht dieser jungen Schwedin gegenüber. Es geht um die Unterschiede zwischen kindisch und kindlich und die Frage, ob uns digitale Geräte infantilisieren. Und natürlich kommen wir nicht an diesem wunderschönen Zitat von Erich Kästner vorbei:
„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Erich Kästne
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder,
dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

Rita und Nora sind noch ein bisschen am Neid hängengeblieben. Weil es zum Beispiel ja einen Unterschied macht, worauf wir neidisch sind. Auf materielle Güter neidisch sein ist eine Sache. Die sind in der Theorie zumindest mit genügend Geld irgendwie in die Finger zu bekommen. Aber was ist, wenn wir neidisch sind auf ein bestimmtes Talent? Das können wir weder der anderen Person wegnehmen oder streitig machen, noch können wir es uns zu eigen machen. Rita fragt da klugerweise, was wir denn da eigentlich wollen. Denn Talent wird ja auch bewundert. Wir könnten uns also fragen, ob wir das Talent neiden oder die damit verbundene Anerkennung.
Und was ist dann mit dem Neid auf die Güter, die wir tatsächlich käuflich erwerben können. Gibt es dahinter ein System oder bedienen wir damit sogar ein System? Und noch einen Gedanken hat Rita dazu, denn vielleicht ist es deshalb nicht so leicht, dem Ganzen auf die Schliche zu kommen, weil Neid ein gesellschaftliches Tabuthema ist. Und dann gibt es da noch den Neid der Anderen, den wir mitunter auch zelebrieren, weil wir tatsächlich die Anerkennung darin wahrnehmen – und die gut finden.
Eine Episode mit Gehirnbritzelgarantie – und einem Rant auf die Klatschpresse.

Themenwünsche aus der Community erfüllen wir unglaublich gerne. Zumal uns dieser hier dazu gebracht hat, uns ein Gefühl anzuschauen, dass wir grundsätzlich gar nicht so gerne ansehen mögen: Der nagende Neid. Aber es lohnt sich natürlich, da mal genauer hinzusehen. Denn was will uns Neid eigentlich sagen? Und wie trennen wir Neid von Missgunst? Kommen die beiden immer Hand in Hand? Ginge es nach Udo Lattek, einem ehemaligen Fußballtrainer, könnten wir sämtliche gesellschaftlichen Diskussionen auf diese Ursachen zurückführen: Neid und Missgunst.
Interessant ist auch, dass Neid auf einer persönlichen Ebene gut zu erklären ist und ein Hinweis sein kann auf ein Mangelgefühl. Ähnlich wie die Eifersucht. Aber was ist, wenn Neid und/oder Missgunst zu Vergesellschaftung führen? Wenn sich Gemeinschaften bilden aus dem Gefühl des Neides auf andere Personen oder Personengruppen. Auch das ist nicht ganz unspannend, denn hier werden die Probleme komplexer als in der Reflexion der eigenen Persönlichkeit.
Und so ernsthaft das Thema klingt: Rita und ich hatten wirklich großen Spaß daran, uns diesem stechenden kleinen Ungeheuer in uns anzunähern. Schließlich ist Neid nur allzu menschlich. Es kommt halt darauf an, wie wir damit umgehen.
Udo Lattek – Neid und Missgunst

In unserer Episode zur Digitalisierung fiel der Begriff FOMSI, bei einem Vortrag von Katrin Rönicke hat Nora den Begriff FOMO gehört. Beide Begriffe haben mit der Angst zu tun, etwas zu verpassen. Dabei ist FOMO etwas allgemeiner gefasst: Fear of missing out. FOMSI ist mit Fear of missing something important etwas spezifischer.
Für Rita ist es aber erst mal wichtig, überhaupt Furcht von Angst zu unterscheiden. Und da machen es uns die Philosophen nicht so ganz einfach. Denn Angst und Furcht werden etwas anders definiert als in der Gebrauchssprache. Aber das lasst euch doch einfach von Rita erklären.
Die Frage, die sich aber auch stellt ist: Wo kommt diese Angst her, etwas zu verpassen? Denn eigentlich müsste uns ja klar sein, dass wir grundsätzlich mehr verpassen als wir mitbekommen können. Zeit ist begrenzt und auch wenn erst mal alles möglich erscheint – an irgendeiner Stelle müssen wir Prioritäten setzen. Und das heißt, das eine machen und das andere lassen.
Die Angst, was zu verpassen, sorgt aber auch für große Unsicherheit. Es gibt so viele Informationen, die theoretisch verfügbar sind. Was, wenn wir das wichtigste verpassen? Wenn wir einen bestimmten Fakt nicht mitbekommen? Oder uns jemand eine Geschichte aus einer Perspektive erzählt, die so nicht im uns bekannten Narrativ vorkommt? Und an dieser Stelle kommen Verunsicherung und Glaubwürdigkeitsverlust ins Spiel. Aber bevor das hier zu kompliziert wird – hört doch einfach rein!

Wir können der netteste und freundlichste Mensch auf der Welt sein, das garantiert uns aber noch lange nicht, dass uns das Leben mit Frieden, Gesundheit, Glück und/oder Reichtum beschenkt. Im Gegenteil. Schicksalsschläge werden im Random-Verfahren unter den Menschen verteilt. Und nicht selten können wir uns der Empfindung nicht verwehren, das als ungerecht zu verurteilen. Aber mal ganz ehrlich: Ist es – nüchtern betrachtet – nicht reichlich absurd, vom Leben so etwas wie Gerechtigkeit zu fordern? Oder zu erwarten? Wer oder was ist denn eigentlich „dieses Leben“ von dem wir da fordern? Und was ist überhaupt „gerecht“? Auf was haben wir als Menschen denn so ganz grundsätzlich überhaupt ein Anrecht? Sicher nicht auf einen Parkplatz für unseren SUV Mitten in der Kölner Innenstadt, auch wenn sich manche Menschen so benehmen.
Und die zweite Frage ist: Wenn das Leben uns so wenig Gerechtigkeit zuteil werden lässt – also Gerechtigkeit in einem sehr menschlichen Maßstab – wie kommen wir Menschen eigentlich auf die Idee von Gerechtigkeit?
Eine Folge voller Fragen, Absurditäten, Lachen und Gedankenspielen.

Eins vorweg: Der Plan war, dass das Baby schläft und Rita und Nora eine Runde podcasten. Nun, das Baby hatte andere Pläne, wir haben es trotzdem gewagt. Und deshalb klingt diese Episode etwas anders als sonst.
Aber irgendwie dann auch wieder passend, denn Rita fragt sich, was wir eigentlich damit meinen, wenn wir uns in ein anderes Leben wünschen. So wie in dem Satz: „In einem anderen Leben wäre ich jetzt reich“ oder „In einem anderen Leben wären wir das perfekte Paar“. Jede:r, der oder die schon mal eine Affäre gehabt hat – oder sie sich nur vorgestellt hat – kennt diesen Satz. Aber wohin wünschen wir uns da? Und ist dieses andere Leben wirklich möglich?
„Immerschon haben sich Philosophen und Philosophinnen auch darüber beschwert, dass wir recht faul und feige sind.“
Rita Molzberger
Schon Nietzsche befand, dass wenn wir Menschen die Wahl zwischen zwei Wegen haben – den breiten, bequemen oder den kleinen, steinigen – es uns selbst dann noch schwer fällt, den kleinen, steinigen zu nehmen, wenn wir wissen, dass das eigentlich der bessere Weg für uns ist.
Und oft fantasieren wir auch davon, mehr als ein Leben zu haben und träumen von der Uhr von Hermine Granger aus Harry Potter, die es ihr ermöglicht, mehrere Fächer in parallelen Zeiten zu studieren. Aber unser Leben ist eben nicht Super-Mario-mäßig, wir können die Level weder wiederholen noch überspringen – wir haben eben nur ein Leben. Klar, das können wir ändern. Aber dann sind es eben immer noch wir in diesem Leben.
Wir sind sehr explizit gespannt auf eure Gedanken zu diesem Thema und würden uns diesen gerne in einer weiteren Folge widmen. Also schreibt uns gerne – zum Beispiel hier in die Kommentare oder via Twitter auf @WDDD_Podcast.

Zum Thema „Lehrer:innen“ haben wir alle eine Meinung und alle irgendwie Erfahrung. Schließlich waren – dank Schulpflicht – die allerallermeisten von uns in der Schule. Aber wie sehen sie aus, die perfekten Lehrer:innen? Was sollen sie können? Was müssen sie können? Und wo und vor allem wie sollen sie das alles lernen? Denn viele angehende Lehrkräfte sehen sich auf den Schulalltag nicht richtig vorbereitet – und das liegt nicht nur an den Kindern, die sie unterrichten. Denn es gehört einfach viel mehr dazu, eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer zu sein.
„Ich glaube, dass alle irgendwie Ahnung von dem Thema haben und dass das Teil des Problems ist – aber auch der Lösung.“
Rita Molzberger
Zu Gast ist in dieser Folge Dr. Selma Haupt von der RWTH Aachen. Ihre Forschungsgebiete sind historische Bildung, Universitätsgeschichte und die Lehrer:innenbildung. Bei einer Umfrage unter Studierenden hat sie herausgefunden, dass viele wenig Sinn in einer theoretischen Ausbildung in den Fächern Pädagogik oder Bildungs- und Erziehungswissenschaften sehen. Gemeinsam mit Rita und Nora will sie herausfinden, was denn da überhaupt vermittelt werden kann und soll.
Vielleicht liegt es auch an den Anforderungen, die an Lehrer:innen gestellt werden: Nett sollen sie sein und „ein guter Typ“ – also im Prinzip ein Mensch, bei dem Kinder oder Schüler:innen gerne lernen. Das ist natürlich schwierig auszubilden. Vielleicht ist aber auch nur die Arbeit, die darin steckt, nicht so offensichtlich. Selma stellt jedenfalls fest, dass viele Studierende gar keine Fragen an die Pädagogik mehr haben. Zumindest nicht, was den theoretischen oder wissenschaftlichen Teil angeht. Das Gefühl, das viele Studierende haben: Eigentlich könnten sie sofort in die Praxis gehen – wofür braucht es da noch die Uni?