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Kategorie: Allgemein

Episode 75: Das ist ja Sünde, Gnädige!

Randbemerkungen sind bei Nora immer gefährlich“, sagt Rita zu Beginn dieser Podcastfolge. Und ja, da könnte sie Recht haben. Denn dass wir mit der Pastorin Gesche Schaar über Sünde und Gnade sprechen, haben wir einer Randbemerkung zu verdanken. Denn eigentlich wollte Gesche Schaar vor allem nach einem Hörerinnen-Treffen fragen. Ganz am Rande hat sie dabei angemerkt, dass ihr unser katholisches Verständnis von Sünde mal aufgefallen ist. Und – zack – sitzt sie bei uns im Podcast-Wohnzimmer. Und wir sprechen darüber, was wir eigentlich heute noch als Sünde bezeichnen, wie schwierig es ist ein Gefühl wie Schuld auszuhalten, und dass auch das Geschenk der Gnade gar nicht so leicht zu akzeptieren ist. Dabei ist das hier ausdrücklich eine sehr ökumenische Podcastepisode, die auch für alle geeignet ist, die es mit Religion nicht so haben. Wie Nora zum Beispiel.

Ritas Literaturliste

* Der fröhliche Sünder

In Lublin lebte ein großer Sünder. Sooft er mit dem Rabbi zu sprechen begehrte, war der ihm zu Willen und unterredete sich mit ihm wie mit einem vertrauten und erprobten Mann. Viele Chassidim ärgerten sich daran, und einer sagte zum andern: »Wie kann es sein, daß der Rabbi, der jedem zum erstenmal Erblickten sein Leben bis zu diesem Tag, ja die Herkunft seiner Seele von der Stirn abliest, nicht sehen sollte, daß dieser ein Sünder ist? Und wenn er es sieht, wie kann es sein, daß er ihn des Verkehrs und des Gesprächs würdigt?« Endlich faßten sie sich den Mut, vor den Rabbi zu treten und ihn zu fragen. Er antwortete ihnen: »Wohl weiß ich davon wie ihr. Aber es ist euch ja bekannt, wie sehr ich die Freude liebe und die Schwermut hasse. Und dieser Mann ist ein so großer Sünder – andere bereuen doch im Augenblick, nachdem sie gesündigt haben, grämen sich einen Augenblick lang und kehren dann erst zu ihrer Torheit zurück, er aber kennt keinen Gram und kein verdrießliches Besinnen, sondern wohnt in seiner Freude wie in einem Turm. Und der Glanz seiner Freude überwältigt mein Herz.

Aus Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim

Episode 73: Monströs oder einfach böse?

Es gibt Dinge, an deren finaler Erklärung wir scheitern. Liebe zum Beispiel. Oder Tod. Und auch das abgrundtief Böse und Monströse gehören dazu. Das sind die Dinge, die wir letzten Endes nicht begreifen können. Oder wie Rita es sagt: Nicht verdauen. Und trotzdem lohnt sich der Versuch, sich diesen Dingen zu nähern. Sie zu betrachten und anzuschauen. Der Anlass für dieses Gespräch ist hoch aktuell. Denn das Attentat in Halle am 09. Oktober 2019 war für viele Menschen eine Zäsur. Da hat sich ein Abgrund aufgetan. Und in den wollen wir blicken. Vorsichtig. Und da unser Gespräch am 31. Oktober stattfand – für die einen der Reformationstag, für andere einfach Halloween – fanden wir, das sei ein guter Tag, um die Brücke zu schlagen zwischen dem Bösen, dem Monströsen – aber eben auch der Banalität, die dem Bösen bisweilen zugrunde liegt und die dennoch monströse Ausmaße annehmen kann. Gast in dieser Folge ist der Philosoph Dr. Matthias Burchardt von der Universität in Köln.

Ritas Literaturliste

mit Ergänzungen von Matthias Burchardt:

  • Anders, Günther: Wir Eichmannsöhne. München 2001.
  • Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. 15. Auflage. München/ Zürich 2006.
  • Bollnow, Otto Friedrich: Neue Geborgenheit. Neue Geborgenheit. Das Problem einer Überwindung des Existentialismus. Schriften, Band 5. Würzburg 2011.
  • Montaigne, Michel de: Die Essais. Köln 2005. Stegemann, Bernd: Die Moralfalle: Für eine Befreiung linker Politik. Berlin 2018.
  • Nelson, Maggie: The Art of Cruelty. A Reckoning. New York/ London 2011.
  • Nietzsche, Friedrich: „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“. KSA Band 5. München 1999. Philosophie Magazin, Sonderausgabe 11: Was ist das Böse? Berlin 2018.
  • Ricoeur, Paul: Das Böse: Eine Herausforderung für Philosophie und Theologie. Zürich 2006.
  • Safranski, Rüdiger: Das Böse oder das Drama der Freiheit. 10. Auflage. Frankfurt/Main 1999.
  • Schäfer, Christian (Hrsg.): Was ist das Böse? Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Stuttgart 2014.
  • Svendsen, Lars: A Philosophy of Evil. Champaign/ London/ Dublin 2010.
  • Žižek, Slavoj: Grimassen des Realen. Jacques Lacan oder die Monstrosität des Aktes. Köln 1993.
  • Žižek, Slavoj: Der neue Klassenkampf. Die wahren Gründe für Flucht und Terror. 2015.

Episode 71: Schrubbedings

„Creato ex nihilo gibt es nicht“, aus Nichts kann nichts enstehen, erklärt Rita. Und schon sind wir mittendrin in einer Diskussion über Improvisation und Kreativität. Braucht es das Genie, um wirklich Neues in die Welt zu bringen? Oder können das im Prinzip alle Menschen? Und was, wenn Improvisation nicht gelingt. Wenn es nicht gelingt aus den Zitronen, die einem das Leben gibt Limonade zu machen. Wenn es einfach sauer bleibt und ätzend? Nur weil der Mensch fähig ist zu improvisieren, kann es nicht zwingend auch ein Sollen geben. Muss auch das Scheitern weiter erlaubt sein.

Ritas Literaturliste:

  • Bormann, Hans-Friedrich/ Brandstetter, Gabriele/ Matzke, Annemarie (Hrsg.): Improvisieren. Paradoxien des Unvorhersehbaren. Kunst – Medien – Praxis. Bielefeld 2010. Bröckling, Ulrich: Kreativität. In: Ders. (Hrsg.): Glossar der Gegenwart. Frankfurt/Main 2004.
  • Fleischle-Braun, Claudia/ Obermaier, Krystyna/ Temme, Denise (Hrsg.): Zum Immateriellen Kulturerbe des Modernen Tanzes. Bielefeld 2017.
  • Gebauer, Gunter/ Wulf, Christoph: Mimesis. Kultur – Kunst – Gesellschaft. Reinbek 1992.
  • Huizinga, Johan: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. 22. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2011. [Orig. 1938]
  • Joas, Hans: Die Kreativität des Handelns. Frankfurt/Main 1992.
  • Mahrenholz, Simone: Kreativität. Eine philosophische Analyse. Berlin 2012.

Noras Podcast-Tipp:

  • Musik ist meine Medizin: Der Oudist Thabet Azzawi im Gespräch mit Sven Preger (Deutschlandfunknova.de vom 28.08.2019)

Episode 69: Außerordentlich ordentlich

Rita und Nora leben auf zwei verschiedenen Planeten. Der eine heißt Ordnung, der andere Unordnung – oder auch Chaos. Funfact Nummer eins: Ordnung ist der Primärbegriff – und Unordnung der Sekundärbegriff. Aber warum gehen wir davon aus, dass zunächst mal alles in Ordnung ist oder eine Ordnung hat? Und woher kommt diese Ordnung? Ist sie schon da oder bringen wir sie da rein, weil wir so strukturiert sind? Ein bisschen Schrödingers Ordnung sozusagen. Aber egal, was zuerst da war: Damit wir Menschen uns im Leben orientieren und Gemeinschaften bilden können, brauchen wir zumindest ein gewisses Maß an Ordnung. Da sind sich Rita und Nora einig. Aber es lohnt darüber zu diskutieren, wer diese Ordnung hergestellt hat – und ob sie im Laufe der Zeit sinnvoll bleibt, oder ob wir nicht hin und wieder die Dinge neu ordnen müssen.

Ritas Literaturliste:

  • Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Frankfurt/Main 2003.
  • Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt/Main 1991.
  • Merleau-Ponty, Maurice: Das Sichtbare und das Unsichtbare. München 1994.
  • Nida-Rümelin, Julian: Politische Philosophie der Gegenwart: Rationalität und politische Ordnung. Stuttgart 2009.
  • Wehrli, Ursus: Die Kunst, aufzuräumen. Zürich 2013.
  • Wehrli, Ursus: Kunst aufräumen. Zürich 2002.
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Zitat Rita Molzberger: Der Transhumanismus ist ja einerseits ein Projekt größerer Freiheit für Viele und andererseits, würde ich sagen, auch eine Bankrotterklärung ans Menschsein.

Episode 60: Leiber überwinden!

Sind wir auf dem Weg in den Transhumanismus?

Nora hat die Episode „The Remote Control Brain“ des „Invisibilia“-Podcasts gehört. Darin wird einer Frau mit obsessiven Störungen und starken Depressionen ein Chip ins Gehirn transplantiert. Dieser Chip per Strom kann die Spannung in einer bestimmten Gehirnregion erhöhen. Das Ergebnis ist tatsächlich, dass es der Frau bald besser geht. Die Sache hat natürlich ein oder zwei Haken. Dieser Fortschritt in der neurologischen Forschung wirft aber mindestens ein oder zwei moralische Fragen und Gedanken auf. Und um die geht es in dieser Episode. Quasi Cyborg und Science Fiction für Anfänger:innen oder Einsteiger:innen.

Links zur Episode

Ritas Literaturliste

  • Haraway, Donna: A Cyborg Manifesto. In: Simians, Cyborgs and Women: The Reinvention of Nature. London 1991.
  • Kipke, Roland: Besser werden. Eine ethische Untersuchung zur Selbstformung und Neuroenhancement. Paderborn 2011.
  • Müller, Oliver/ Clausen, Jens/ Maio, Giovanni (Hrsg.): Das technisierte Gehirn. Neurotechnologien als Herausforderung für Ethik und Anthropologie. Paderborn 2009.
  • Noe, Alva: Du bist nicht Dein Gehirn. Eine radikale Philosophie des Bewusstseins. München 2010.
  • O’Connell, Mark: To Be a Machine: Adventures Among Cyborgs, Utopians, Hackers and the Futurists Solving the Modest Problem of Death. London 2018.
  • Putnam, Hilary: Vernunft, Wahrheit und Geschichte. Frankfurt/Main 1990. Searle, John: Mind: A Brief Introduction. Oxford 2005.
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Zitat von Rita Molzberger

Episode 59: Fritten zu Gold!

Geld ist eine schwierige Angelegenheit. Und eine, über die Philosoph:innen nicht allzu gerne referieren. Es gibt also nicht richtig viel philosophische Literatur zum Thema Geld. Dabei hat Geld einen großen Einfluss auf unser Leben. In allen Bereichen. Es ist existentiell. Es entscheidet über unseren sozialen Status. Es entscheidet, ob und wie wir medizinisch versorgt werden, zum Beispiel im Alter. Oder wie würdevoll. Am Geld hängen also ganz entscheidende Lebensfragen. Und die gehören diskutiert – nicht nur als Metathema „Wirtschaft“.

Ritas Literaturliste:

  • Aristoteles: Nikomachische Ethik. München 2004.
  • Brodbeck, Karl-Heinz: Die Herrschaft des Geldes. Geschichte und Systematik. Darmstadt 2009.
  • Derrida, Jacques: Falschgeld. Zeit geben I. München 1993.
  • Hénaff, Marcel: Der Preis der Wahrheit. Gabe, Geld und Philosophie. Frankfurt/Main 2009.
  • Marx, Karl: Das Kapital. Hamburg 2016.
  • Schlitte, Annika: Die Symbolik des Geldes – Das philosophische Erkenntnisinteresse von Georg Simmels Philosophie des Geldes. München 2010.
  • Simmel, Georg: Philosophie des Geldes. Gesamtausgabe, Band 6. Frankfurt/Main 2011. [Orig. 1900]
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Zitat von Rita Molzberger: "Das Problem ist auch, dass von uns - glaube ich - gleichzeitig gefordert ist, neidisch zu bleiben und es niemals zuzugeben."

Episode 56: Und jetzt alle mal rausverneiden!

Rita und Nora sind noch ein bisschen am Neid hängengeblieben. Weil es zum Beispiel ja einen Unterschied macht, worauf wir neidisch sind. Auf materielle Güter neidisch sein ist eine Sache. Die sind in der Theorie zumindest mit genügend Geld irgendwie in die Finger zu bekommen. Aber was ist, wenn wir neidisch sind auf ein bestimmtes Talent? Das können wir weder der anderen Person wegnehmen oder streitig machen, noch können wir es uns zu eigen machen. Rita fragt da klugerweise, was wir denn da eigentlich wollen. Denn Talent wird ja auch bewundert. Wir könnten uns also fragen, ob wir das Talent neiden oder die damit verbundene Anerkennung.

Und was ist dann mit dem Neid auf die Güter, die wir tatsächlich käuflich erwerben können. Gibt es dahinter ein System oder bedienen wir damit sogar ein System? Und noch einen Gedanken hat Rita dazu, denn vielleicht ist es deshalb nicht so leicht, dem Ganzen auf die Schliche zu kommen, weil Neid ein gesellschaftliches Tabuthema ist. Und dann gibt es da noch den Neid der Anderen, den wir mitunter auch zelebrieren, weil wir tatsächlich die Anerkennung darin wahrnehmen – und die gut finden.

Eine Episode mit Gehirnbritzelgarantie – und einem Rant auf die Klatschpresse.

Ritas Literaturliste:

  • Bourdieu, Pierre: Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zu Politik und Kultur 1. Hamburg 1997.
  • Deibl, Christiane: Herausforderung und Responsivität. Reflexionen zum prekären Charakter pädagogischer Interaktionen. Braunschweig 2011.
  • Kast, Verena: Neid und Eifersucht. Die Herausforderung durch unangenehme Gefühle. München 2002.
  • Ovid: Metamorphosen. Lat./Dt. Stuttgart 2010.
  • Paris, Rainer: Neid. Zur Politik eines Gefühls. In: Merkur 2006, S. 1046 – 1060.
  • Salzmann, Christian Gotthilf: Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder. Bad Heilbrunn 1961. [Orig. 1780]

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Zitat Rita Molzberger: "Man muss sich ja klarmachen, wie viel man tatsächlich verpasst. Das ist ja myriarden mal mehr als das, was man mitkriegt. Und zwar Notwendig!"

Episode 54: Die Angst, was zu verpassen

In unserer Episode zur Digitalisierung fiel der Begriff FOMSI, bei einem Vortrag von Katrin Rönicke hat Nora den Begriff FOMO gehört. Beide Begriffe haben mit der Angst zu tun, etwas zu verpassen. Dabei ist FOMO etwas allgemeiner gefasst: Fear of missing out. FOMSI ist mit Fear of missing something important etwas spezifischer.

Für Rita ist es aber erst mal wichtig, überhaupt Furcht von Angst zu unterscheiden. Und da machen es uns die Philosophen nicht so ganz einfach. Denn Angst und Furcht werden etwas anders definiert als in der Gebrauchssprache. Aber das lasst euch doch einfach von Rita erklären.

Die Frage, die sich aber auch stellt ist: Wo kommt diese Angst her, etwas zu verpassen? Denn eigentlich müsste uns ja klar sein, dass wir grundsätzlich mehr verpassen als wir mitbekommen können. Zeit ist begrenzt und auch wenn erst mal alles möglich erscheint – an irgendeiner Stelle müssen wir Prioritäten setzen. Und das heißt, das eine machen und das andere lassen.

Die Angst, was zu verpassen, sorgt aber auch für große Unsicherheit. Es gibt so viele Informationen, die theoretisch verfügbar sind. Was, wenn wir das wichtigste verpassen? Wenn wir einen bestimmten Fakt nicht mitbekommen? Oder uns jemand eine Geschichte aus einer Perspektive erzählt, die so nicht im uns bekannten Narrativ vorkommt? Und an dieser Stelle kommen Verunsicherung und Glaubwürdigkeitsverlust ins Spiel. Aber bevor das hier zu kompliziert wird – hört doch einfach rein!

Ritas Literaturliste:

  • Fink, Eugen: Der Mensch als Fragment. In: Zur Krisenlage des modernen Menschen. Würzburg 1989
  • Gelhard, Andreas: Kritik der Kompetenz. Berlin 2011
  • Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 11. Auflage. Tübingen 1967 [Orig. 1927]
  • Harris, Michael: The End of Absence: Reclaiming What We’ve Lost in a World of Constant Connection. Current 2014
  • Kant, Immanuel: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können. Hamburg 1976 [Orig. 1783]
  • Kierkegaard, Sören: Der Begriff Angst. Stuttgart 1992 [Orig. 1844]
  • Schlegel, Friedrich: 116. Athenäumsfragment. Kritische Neuausgabe, Erste Abteilung, Band 2. München, Paderborn, Wien, Zürich 1967, S. 182–183 [Orig. 1798]

Die Lemming-Lüge (Bayern 2 vom 12.08.2015)

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Zitat Rita Molzberger: "Jedes Leben, das gelebt ist, ist ein Beispiel davon, wie menschliches Leben aussehen kann.

Episode 52: Das andere Leben

Eins vorweg: Der Plan war, dass das Baby schläft und Rita und Nora eine Runde podcasten. Nun, das Baby hatte andere Pläne, wir haben es trotzdem gewagt. Und deshalb klingt diese Episode etwas anders als sonst.

Aber irgendwie dann auch wieder passend, denn Rita fragt sich, was wir eigentlich damit meinen, wenn wir uns in ein anderes Leben wünschen. So wie in dem Satz: „In einem anderen Leben wäre ich jetzt reich“ oder „In einem anderen Leben wären wir das perfekte Paar“. Jede:r, der oder die schon mal eine Affäre gehabt hat – oder sie sich nur vorgestellt hat – kennt diesen Satz. Aber wohin wünschen wir uns da? Und ist dieses andere Leben wirklich möglich?

„Immerschon haben sich Philosophen und Philosophinnen auch darüber beschwert, dass wir recht faul und feige sind.“

Rita Molzberger

Schon Nietzsche befand, dass wenn wir Menschen die Wahl zwischen zwei Wegen haben – den breiten, bequemen oder den kleinen, steinigen – es uns selbst dann noch schwer fällt, den kleinen, steinigen zu nehmen, wenn wir wissen, dass das eigentlich der bessere Weg für uns ist.

Und oft fantasieren wir auch davon, mehr als ein Leben zu haben und träumen von der Uhr von Hermine Granger aus Harry Potter, die es ihr ermöglicht, mehrere Fächer in parallelen Zeiten zu studieren. Aber unser Leben ist eben nicht Super-Mario-mäßig, wir können die Level weder wiederholen noch überspringen – wir haben eben nur ein Leben. Klar, das können wir ändern. Aber dann sind es eben immer noch wir in diesem Leben.

Wir sind sehr explizit gespannt auf eure Gedanken zu diesem Thema und würden uns diesen gerne in einer weiteren Folge widmen. Also schreibt uns gerne – zum Beispiel hier in die Kommentare oder via Twitter auf @WDDD_Podcast.

Ritas Literaturliste:

  • Arendt, Hannah: Die Freiheit, frei zu sein. München 2018.
  • Bloch, Ernst: Der Geist der Utopie. Zweite Fassung. Werkausgabe Band 3. 6. Auflage. Frankfurt/Main 1985.
  • Habermann, Gerd/ Schwarz, Gerhard/ Bouillon, Hardy (Hrsg.): Philosophie der freien Gesellschaft. Ein Karl-Popper-Brevier. Reihe „Meisterdenker der Freiheitsphilosophie“. Zürich 2013.
  • Jaeggi, Rahel: Kritik von Lebensformen. Frankfurt/Main 2013.
  • Nietzsche, Friedrich: Zweite Unzeitgemäße Betrachtung „Schopenhauer als Erzieher“. Online verfügbar unter www.nietzschesource.org

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Zitat Rüdiger May: Wenn man anfängt, seinen Körper zu fühlen, sich seines Körpers bewusst zu werden, wird man selbstbewusst.Und mit dem Selbstbewusstsein kommt der Verzicht auf vieles, was man gemacht hat als man es noch nicht hatte.

Episode 48: Ganz schön sportlich

Rita hat sich gefragt: Warum schminken und stylen sich Menschen zum Sport machen? Denn am Ende ist Sport einen ziemlich schweißtreibenede Angelegenheit, und dass man hinterher noch so top aussieht wie vorher ist unwahrscheinlich. Und weil weder Rita noch Nora regelmäßig zu Make-up greifen, gibt es in dieser Folge einen Gast: Ritas Trainer, den Ex-Boxprofi Rüdiger May. Der schminkt sich zwar auch nicht, kommt aber als Personal Trainer und Betreiber eines Box-Fitness-Clubs mit sehr vielen Menschen in Kontakt.

Wir sprechen über Sport als Entertainment, Vorwegnahme von Trainingseffekten durch sportliche Outfits, Körperwahrnehmung und Körpergefühl, Selbstbewusstsein, Mut, Masken und Modetrends. Wie groß ist der gesellschaftliche Druck beim Sport? Welche Körperbilder werden transportiert? Und müssten wir nicht viel öfter auch mal Nein sagen – sowohl zum Modediktat als auch zum Sportdiktat?

Ritas Literaturliste:

  • Baratella, Nils: Das kämpferische Subjekt. Boxen – Der Kampf als Subtext moderner Subjektphilosophie. Paderborn 2015.
  • Fink, Eugen: Grundphänomene des menschlichen Daseins. Freiburg i. Br., München 1995.
  • Moran, Caitlin: How to be a woman. London 2011. Penny, Laurie: Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus. Hamburg 2012.
  • Sloterdijk, Peter: Du mußt Dein Leben ändern. Frankfurt/Main 2009.
  • Stokowski, Margarete: Untenrum frei. Reinbek 2018.

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