Unsere 100. Folge hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Glamouröser. Stattdessen gibt’s eine spontane Late-Night-Ausgabe, dafür aber mit einem hoch neuralgischen Thema: Es geht ums Petzen, Verraten und Denunzieren.
Es ist ein wirklich schwieriges Thema mit so vielen neuralgischen Punkten, dass wir kurz davor waren, diese Folge „Neuralgensalat“ zu nennen. Es geht ums Petzen und wie man das zum Beispiel vom Denunzieren unterscheidet. Geschickt hat uns das Thema unser Hörer Johannes. Und damit hat er uns eine echt schwierige Aufgabe gestellt. Denn das Thema ist zudem auch noch sehr unangenehm. Niemand ist gerne die Petze. Und trotzdem ist es manchmal angebracht, Konsequenzen herbeizuführen, wenn sich jemand so verhält, dass es anderen schadet. Oder zumindest potentiell schaden könnte. Nicht immer, aber oft spielt auch eine höhere Instanz eine Rolle. Lehrer:innen, Eltern – oder in Noras Fall ein Supermarktleiter, der stellvertretend einen Mitarbeiter zurecht weisen soll. Puh. War das gerechtfertigt?
P.S. Keine 100. Folge ohne Nietzsche!

Was passiert eigentlich im Dazwischen. Also zwischen uns und einem Kunstwerk. Zwischen uns und einem Menschen. Zwischen uns und unserer Umgebung? Diese Zwischenräume sind in der Regel unsichtbar. Wir müssen eine Anstrengung unternehmen, um sie in unser Bewusstsein zu holen. Damit sie sichtbar werden.
Dabei sind sie ziemlich schwer zu greifen. Denn wir bringen natürlich Filter mit. Je nach dem, in welcher Stimmung wir gerade sind, nehmen wir Situationen unterschiedlich wahr. Wie wir auf eine Situation reagieren, liegt auch daran, was wir davor erlebt haben. Das ist an Kontexte gebunden, die uns gar nicht immer zugänglich sind. Und manchmal lassen wir uns von einer Atmosphäre anstecken. Etwas, das „in der Luft liegt“, das wir gar nicht richtig greifen oder sogar begreifen können. Auch unsere Umgebung hat Einfluss auf uns. Die Räume und Zwischenräume einer Stadt zum Beispiel – oder auch nur eines ganz bestimmten Ortes in dieser Stadt. Ganz oft entgehen uns diese Zwischenräume, wir achten gar nicht darauf – bis sich etwas verändert und wir sie plötzlich doch wahrnehmen.
Danke an dieser Stelle nochmal an die Künstlerin Nele Sadlo, die uns mit ihrem Brief auf dieses Phänomen hingewiesen hat.

Um gut lügen zu können, brauchen wir einige kognitive Fertigkeiten. Lügen ist eine Leistung. So ganz grundsätzlich betrachtet. Eine, deren Entwicklung sich bei Kindern ganz gut beobachten lässt. Für Hannah Arendt bedeutet Lügen zu können und zu dürfen auch Freiheit. Trotzdem sind wir nicht komplett euphorisch, wenn wir angelogen werden. Im Gegenteil. Wir fühlen uns verletzt, betrogen, über den Tisch gezogen. Das Spannende ist: Auch über die Wahrheit sind wir nicht immer uneingeschränkt glücklich. Komplizierte Sache das Ganze. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Wahrheit und Lüge wirklich Antagonistinnen sind. Oder ob wir da nicht mit anderen Begrifflichkeiten operieren müssen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zum Beispiel. Und wie verhält es sich eigentlich mit der Realität in diesem Spannungsfeld? Können Lügen Teil einer – zumindest individuellen oder gruppenbezogenen – Realität sein?

Die Künstlerin Nele Sadlo hat uns eine Mail geschrieben und uns gebeten, ob wir mal über den Körper sprechen können. Dabei hat uns nicht nur ihr künstlerisches Schaffen inspiriert. Rita beschäftigt sich bereits seit mindestens 15 Jahren mit dem Thema, das heißt, da kommen eine ganze Menge Perspektiven zusammen.
Nele Sadlo ist 22 Jahre alt und studiert Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei an der Hochschulde der Bildenden Künste in Essen Kupferdreh. Und sie schreibt uns unter anderem: „Je mehr ich über meinen Körper nachdenke, desto fremder und merkwürdiger erscheint er mir.“. Ein Gedanke, den Rita ziemlich gut nachvollziehen kann. Als Künstlerin versucht Nele eine Brücke zu schlagen zwischen dem Denken über ein bestimmtes Thema und der bildlichen Darstellung. Und hat damit Nora schonmal einen ganz neuen Zugang zur Kunst eröffnet. Und das wird nicht der einzige Aha-Moment in dieser Folge bleiben. Wie es allerdings vom Reden und Ausloten der Beziehungen von Körper, Geist und Leiblichkeit zu Klappsensen und Dengelkursen kommt, das müsst ihr euch dann bitte selbst anhören.

Warum verehren wir sportliche Held:innen, wer sind unsere Vorbilder und was unterscheidet die beiden vorgenannten vom Idol? Eine Held:innenreise der etwas andern Art.
Vorgenommen hatten wir uns für diese Folge eigentlich das Thema Vorbilder. Dann kam eine Mail unserer Hörerin Tatjana mit dem Vorschlag, doch mal über Heldenverehrung zu sprechen vor allem im Sport. Super, dachten wir, dann packen wir das doch mal alles in eine Folge. Passt nämlich sehr gut. Herausgekommen ist eine Anleitung zur Heldenmülltrennung, wobei an dieser Stelle nicht ganz klar ist, wo hier eigentlich der Trennstrich hin muss. Denn auch, wenn uns der Heldenbegriff bisweilen auf den Zünder geht, so ganz aufgeben sollten wir die Idee vielleicht doch nicht. Zumindest nicht in bestimmten Details. Welche das sind und welche Komponenten des Heldentums wir getrost in die Tonne treten können, darum geht’s in dieser Folge.

„In dubio pro reo“ – unser ganzes Rechtssystem dreht sich um den Zweifel. Da aber weder Rita noch Nora Juristinnen sind, haben wir uns dem Zweifel anders genähert. Denn er beschäftigt uns gerade auch außerhalb des Rechtssystems. Selten war der Zweifel so sichtbar, wie während der gerade andauernden Corona-Pandemie. Warum zweifeln wir? Wie zweifeln wir? Und können wir am Zweifel zweifeln? Und warum eigentlich zwei-fel, wenn wir doch in der Regel viel mehr als zwei Fragen haben?
An dieser Stelle übrigens eine kleine Warnung: Diese Podcast-Episode kann Hirnwindungen verknoten und führt an dunkle Orte. Aber keine Sorge, wir lachen euch da wieder raus und nehmen euch an die Hand. Und zur Not habt einfach ein paar vegane Colaflaschen parat – oder was ihr sonst so gerne snackt.
Triggerwarnung

Feminismus ist Frauensache. So ein Quatsch. Denn eigentlich geht es im Feminismus darum, dass es allen in einer Gesellschaft besser geht, weil Ungleichheiten beseitigt werden. Und das nutzt auch Männern, die nicht selten selbst mit den festgefahrenen Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen haben. Damit ist Feminismus, wenn er intersektional gedacht ist, eigentlich nur eine Form von Humanismus.
In dieser Folge geht es darum, wo Rita und Nora Ungleichheiten im Leben begegnen (Spoiler: immer und überall), warum wir ausführlich über das Thema reden möchten, was Mann tun muss, um ein guter Feminist zu sein (gar nicht schwierig eigentlich) und worum es dabei im Kern eigentlich geht. Außerdem erfahrt ihr, wie Rita das Thema im digitalen Box-Kanal fight24 untergebracht hat.

Ende Mai haben Rita und Nora eine Mail von einer Hörerin erhalten. Der Wunsch: Könnt ihr mal über das Thema „Vermenschlichung“ sprechen? Aber sowas von gerne! Vor allem, wenn uns schon in der Mail eine solche thematische Bandbreite angeboten wird. Vielen Dank für diesen Themenvorschlag, der uns auf eine ziemlich spannende und manchmal absurde Reise geschickt hat.
Die Grundfrage dazu beschäftigt die Philosphie schon lange. Und auch andere gesellschafts- und naturwissenschaftliche Disziplinen: Was ist der Mensch dem Wesen nach? Und was unterscheidet Menschen von Tieren? Fun-Fact: Ist gar nicht so leicht zu definieren und viele Versuche mussten mit wachsendem Wissen über die Tierwelt wieder ad acta gelegt werden. Denn auch Primaten haben Humor, Delfine begehen Suizid, Ratten kennen sowas wie Hilfsbereitschaft. Und auch das Thema „Religion“ ist noch nicht zu Ende diskutiert.
Rita findet aber ohnehin: Das Menschsein ist etwas eigenes und interessant genug. Es muss sich gar nicht zum Tier verhalten. Und es ist auch nicht der Maßstab für alles in dieser Welt. Aber da, wo wir uns nicht mal selbst als Menschen verstehen, müssen wir vielleicht gar nicht unbedingt in die Tierwelt schauen. Tun wir natürlich trotzdem, weil: Es ist so unfassbar spannend!

Nicht nur in akuten Krisenzeiten ist Solidarität ein Instrument, mit dem wir uns in einer Gesellschaft gegenseitig unterstützen können. Aber selten wurde so viel über die verschiedenen Formen von Solidarität diskutiert, wie jetzt gerade. Egal, ob es um solidarisches Verhalten geht, um uns gegenseitig vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen oder um Solidarität mit Menschen, deren Freiheit und Leben von Rassismus und rassistischen Strukturen eingeschränkt und bedroht sind, wie bei der Black Lives Matter Bewegung. Aber wie funktioniert Solidarität überhaupt? Und wie leben wir Solidarität zum Beispiel im Digitalen?
Weil die Corona-Pandemie gerade verhindert, dass wir gemeinsam an einem Tisch sitzen und darüber diskutieren, haben wir uns in dieser Folge Sprachnachrichten von Menschen schicken lassen, die sich gerade jetzt mit dem Thema Solidarität beschäftigen. Die erste Nachricht kommt von
Emilene Wopana Mudiumu. Sie ist eine Schwarze Aktivistin, Poetin, Antirassismus-Trainerin und Leiterin des Kingz Corner, das ist ein musikalisches Jugendprojekt in Aachen. Sie weist auf die Themen performative Solidarität und Nachhaltigkeit hin. Also darauf, auch dann weiter solidarisch zu handeln, wenn keine Hashtags und Kacheln mehr in den Social Media Kanälen auftauchen. Ihr findet Emilene Wopana Mudimu auch auf dem Kanal von „Erklärmirmal“:
Frank Joung ist ebenfalls Podcaster. Sein Projekt „Halbe Katoffl“ finanziert sich ohnehin schon solidarisch, nämlich durch spenden. „Halbe Katoffl“ war der erste Podcast in Deutschland mit einem Fokus auf migrantische Lebensperspektiven. Als jüngst eine große Plattform sein Podcast-Konzept kopiert hat, bekommt er viel emotionale Unterstützung in den sozialen Netzwerken, aber auch neue Abonnent:innen, die mit ihrer dauerhaften Unterstützung ihre Solidarität mit dem Original – und mit Frank natürlich – ausdrücken wollen. Und auch als er rassistisch motivierten Hass erfährt, steht ihm die Community digital bei. Aber eben nicht nur dort.
Rita und Nora sprechen darüber, was unser Handeln solidarisch macht, warum es dabei auch um die Themen Freiheit und Macht geht und wie der digitale Raum mit seinen Bestätigungsmechanismen da rein spielt.
An dieser Stelle schon mal großen Dank an Frank und Emilene Wopana für ihr Vertrauen und die wertvollen Beiträge aus dem wirklich wahren – und digitalen Leben.

Rita und Nora haben in dieser Folge ein Experiment gestartet. Zur – vermeintlichen – Arbeitsreduktion. Wir haben beide den Text „The I in Internet“, ein Essay aus Jia Tolentinos Buch „Trick Mirror“, gelesen, um darüber zu sprechen. Keine Sorge, ihr müsste den Text nicht gelesen haben, um uns zu verstehen. Aber darin werden ein paar sehr spannende Gedanken zu sozialen Netzwerken und unserem Verständnis von uns Selbst und unserer Selbstwirksamkeit analysiert. Es geht um die Verwicklung unserer Persönlichkeit mit ökonomischen Bestrebungen, aufgeblähte Egos, die Wahrnehmung von Opposition und um Maßstäbe und den Wert, den wir unseren Meinungen – oder denen der Anderen – beimessen. Und um Barthaare – aber wie wir darauf kommen, müsst ihr euch wirklich selbst anhören.
