Bevormundung fühlt sich selten gut an. Und doch gibt es Situationen, in denen es sogar notwendig sein kann, dass jemand für uns und über unseren Kopf hinweg entscheidet. Zum Beispiel in einem medizinischen Notfall, aber auch in der sozialen Arbeit. Das Konzept der völligen Autonomie hingegegen lässt sich auch nur schwer einlösen. Schon allein deshalb, weil wir nunmal in Abhängigkeiten leben. Wir loten die beiden Begriffe und den Raum dazwischen für euch gewohnt humorvoll aus.
Außerdem gibt es noch zwei Neuigkeiten:
Motzke, Katharina (2014). Soziale Arbeit als Profession. Zur Karriere „sozialer Hilfstätigkeit“ aus professionssoziologischer Perspektive. Opladen, Berlin, Toronto.
Breitsameter, Christof (2011): Autonomie und Fürsorge. Zwei gegensätzliche Prinzipien? In: Breitsameter, Christof (Hrsg.): Autonomie und Stellvertretung in der Medizin : Entscheidungsfindung bei nichteinwilligungsfähigen Patienten. Stuttgart: Kohlhammer. S. 60-78.
DBSH (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.) (2025). Berufsethik des DBSH (2. Fassung). https://www.dbsh.de/media/public/dbsh-bund/Profession/2025-05-21DBSHBerufsethik2.Fassung.pdf (Letzter Abruf 30.12.2025)
Großmaß, Ruth (2016): Ethische Reflexion in der Sozialen Arbeit. In: Soziale Arbeit 65(3), S. 89–101.
Gutmann, Thomas (2023): Liberalism and (how to avoid) paternalism. In: ZEMO 6, S. 147-155.
Kovács, László (2017). Zur Rolle der Ethik in der Sozialen Arbeit. In: EthikJournal 2/2017.
Maaser, Wolfgang (2013). Sozialarbeiterische Profession im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle. In: EthikJournal, 1/2013.
Um gut lügen zu können, brauchen wir einige kognitive Fertigkeiten. Lügen ist eine Leistung. So ganz grundsätzlich betrachtet. Eine, deren Entwicklung sich bei Kindern ganz gut beobachten lässt. Für Hannah Arendt bedeutet Lügen zu können und zu dürfen auch Freiheit. Trotzdem sind wir nicht komplett euphorisch, wenn wir angelogen werden. Im Gegenteil. Wir fühlen uns verletzt, betrogen, über den Tisch gezogen. Das Spannende ist: Auch über die Wahrheit sind wir nicht immer uneingeschränkt glücklich. Komplizierte Sache das Ganze. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Wahrheit und Lüge wirklich Antagonistinnen sind. Oder ob wir da nicht mit anderen Begrifflichkeiten operieren müssen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zum Beispiel. Und wie verhält es sich eigentlich mit der Realität in diesem Spannungsfeld? Können Lügen Teil einer – zumindest individuellen oder gruppenbezogenen – Realität sein?


Verrückt: Da nehmen wir ganz entspannt eine Podcast-Folge zum Theme Werte, Gemeinschaft, Freiheit und Demokratie auf – und dann werden die Ereignisse so aktuell, dass wir uns entscheiden, einen Tag früher mit der neuen Folge rauszurücken. Denn neben vielen schlauen Rita-Sätzen haben wir auch noch einen Neubürger dabei. Und der macht sich – anders als in anderen Folgen – diesmal lautstark bemerkbar. Was für uns völlig OK ist, wir mussten nur zwei kurze Pausen machen – eine dritte war dem Zwölf-Uhr-Gebimmel der Kirchenglocke geschuldet.
Aufbauend auf die letzte Folge fragen wir: Warum brauchen wir eigentlich Werte? – Und landen bei Rousseau und dem Gesellschaftsvertrag. Denn der fragt erstmal nach dem Gemeinwesen. Ausgehend vom Menschen als Solitair beschäftigt er sich mit der Frage, wie wir es vom Einzelgänger zu einer Gemeinschaft bringen. Und dafür müssen wir – genau – Werte definieren. Und zwar Werte, die uns und unsere Mitmenschen in ihrer Freiheit nicht beschränken. Ein Dilemma, das sich in Rousseaus Satz: „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten“ ausdrückt.