Episode 86: Macht und Verschwörung

Mit Situationen, in denen wir uns ausgeliefert fühlen, kommen viele Menschen nicht gut zurecht. Und es sind auch verdammt schwierige Situationen. Oft mit so komplexen Zusammenhängen, dass einem beim Verfolgen der einzelnen Parameter das Hirn zu verknoten droht. Genau das sind Situationen, in denen wir nach Erklärungen suchen. Oder sogar nach dem oder der Schuldigen. Irgendwer muss doch das Ganze unter Kontrolle haben. Wenn wir nur lange genug suchen, dann finden wir die Zusammenhänge. Die unsichtbare Macht, die hinter allem steckt und uns nach dem Leben trachtet. Aber warum ist das so? Warum suchen wir nach einer irgendwie gearteten höheren Macht? Und warum sind einige Menschen so anfällig dafür, eher an Verschwörungstheorien zu glauben als daran, dass eine Situation – wie zum Beispiel die Corona-Pandemie gerade – außerhalb unserer Kontrolle, also unserer Macht liegt? Warum ist es so schwer anzuerkennen, dass wir uns gerade in einem Zustand befinden, in dem wir nicht so viel Wissen – und nur ganz vage Aussagen über die Entwicklungen treffen können?

Ritas Literaturliste:

  • Agamben, Giorgio: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt/Main 2002.
  • Borvitz, Sieglinde/Köhler, Britta: Prekäres Leben. Das Politische und die Gemeinschaft in Zeiten der Krise. Bielefeld 2020.
  • Bröckling, Ulrich/Krassmann, Susanne (Hrsg.): Gouvernementalität der Gegenwart. Frankfurt/Main 2000.
  • Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. 9. Auflage. Frankfurt/Main 1994.
  • Lemke, Thomas: thomaslemkeweb.de/publikationen/Gouvernementalität (Datum des letzten Abrufs: 01.05.2020)
  • Nigro, Roberto/Rölli, Marc: Vierzig Jahre „Überwachen und Strafen“: Zur Aktualität der Foucault’schen Machtanalyse. Berlin 2017.
  • Snow, C.-P.: The Two Cultures and A Second Look. London 1974.

3 COMMENTS

  1. Marco | 9th Mai 20

    Ich bin in dieser Folge über den Begriff Verschwörungstheorie gestolpert. Manche schlagen stattdessen Verschwörungsmythos vor, weil es gerade keine „Theorie“ in einem wissenschaftlichen Sinne sei. Andere halten den Begriff Verschwörungstheorie prinzipiell für ungeeignet, weil er zu einem Kampfbegriff verkommen sei.

    Mich würde interessieren, wie Verschwörungstheorien definieren würdet? Wo zieht ihr die Grenze zu kritischem Denken und dem oft behaupteten, scheinbar harmlosen „Ich stelle ja nur Fragen!“?

    • nora@wddd | 9th Mai 20

      Hallo Marco, wenn ich mich da einigermaßen richtig erinnere, geht Rita da zu Beginn ganz kurz drauf ein, dass statt -theorie auch -mythos verwendet wird. Ich bin aber grade nicht sicher, ob das nicht zum Thema Evolution war. Ich habe hier den Begriff „Verschwörungstheorie“ gewählt, weil der inzwischen so im Sprachgebrauch verankert ist, dass er auch als Suchwort genutzt wird zum Beispiel. Und ja, auch das kann natürlich kritisiert werden. Und es gibt gute Gründe es dennoch anders zu machen. Es ist ein Dilemma im Netzzeitalter. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber kritisches Denken stellt zunächst Dinge in Frage. Und ja, dann kommt häufig dieses unschuldige „Ich stell ja nur Fragen“. Ich glaube, hier kommt die Motivation ins Spiel. Frage ich aus Erkenntnisinteresse? Weil ich Widersprüche entdeckt zu haben glaube? Oder Frage ich, um jemanden geschickt in vorhandene Widersprüche zu verwickeln und zu verunsichern, um dann vermeintliche Lösungen zu präsentieren? Bin ich in der Lage, die Perspektive zu wechseln (das spricht Rita ja in der Folge auch an) und mir die andere Seite zunächst einmal anzuhören/anzusehen (ganz schwierige Übung)? Eine zufriedenstellendere Antwort kann ich dir leider nicht geben, weil ich keine Wissenschaftlerin bin. Also ich kann dir keine wissenschaftliche Definition liefern. Aber vielleicht hast du ja eine?
      Schöne Grüße

      Nora

  2. Marco | 9th Mai 20

    Hallo Nora,
    vielen Dank für Deine Antwort. Ja, das kann gut sein, dass Rita auf diese Unterscheidung hingewiesen hat. Seit einiger Zeit (durch Corona nochmal verstärkt) versuche ich mich dem Thema zu nähern.

    Ein guter Ausgangspunkt ist vielleicht die folgende Formulierung: „Verschwörungstheorien behaupten, dass eine im Geheimen operierende Gruppe, nämlich die Verschwörer, aus niederen Beweggründen versucht, eine Institution oder gar die ganze Welt zu kontrollieren oder zu zerstören.“ (Butter, Michael, „Nichts ist wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien, 2018, S. 21) Michael Butter unterscheidet außerdem Verschwörungstheorien, die als Verschwörungen „von oben“ bzw. „von unten“ sowie „von innen“ oder „von außen“ konstruiert werden (a.a.O., Kap. 1, S. 21 ff.).

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass die kruden Überlegungen der „Corona-Skeptiker“ (oder wie auch immer man diese Personen bezeichnen soll), jedenfalls nicht zwingend Verschwörungstheorien im o.g. Sinne sind. Und weil ich mit dieser Überlegung nicht wirklich weiter komme, aber in letzter Zeit häufiger in diesem Zusammenhang von „Verschwörungstheoretikern“ (bzw. der Kritik an diesem „Etikett“) lese und höre, war ich neugierig, wie ihr den Begriff versteht, an welchem Maßstab ihr Personen und ihre „Corona-Kritik“ messt.

    Ich hoffe, ich konnte mein „Gehrinbritzeln“ 😉 wenigstens halbwegs verständlich in Worte fassen.

    Viele Grüße und macht bitte weiter mit diesem Podcast!

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