Die erste Philosophin, mit der Nora in Berührung gekommen ist, war Hannah Arendt. Ihre Bücher hat sie bisher allerdings nicht gelesen, aber einige ihrer Gespräche hat sie inzwischen gehört und gesehen. Rita als Philosophin hat sich hingegen eingehender mit Hannah Arendt beschäftigt – und auch mit der Kritik an der politischen Denkerin, die gar nicht Philosophin genannt werden wollte.
In dieser Podcastfolge stellt Rita vor allem die Art vor, wie Hannah Arendt gedacht hat. Wir beschäftigen uns mit ihren Thesen zur Arbeit, ihrem Leben, aber auch ihrer Art der Gesprächsführung und Äußerung. Denn Hannah Arendt hat sich vor allem als politische Denkerin verstanden, die sich mit dem Leben der Menschen beschäftigt, mit ihrem Alltag. Auch wenn ihr genau das von ihren Kritiker:innen immer abgesprochen wurde. Wir blicken auf die Kritik an Hannah Arendt zum Eichmann-Prozess und ihrer Theorie der „Banalität des Bösen“, auf die Beweggründe, sich mit der vita activa des Menschen zu beschäftigen, also dem tätigem Leben und ihre Art, nicht nur zu denken, sondern auch zu urteilen.

Wieviel Egoismus verträgt eigentlich eine Gesellschaft? Und wieviel Altruismus können wir leben, ohne dass wir dabei selbst auf der Strecke bleiben? Das ist das Spannungsfeld, das wir in dieser Folge ausloten wollen. Dabei fokussieren wir uns vor allem auf den Egoismus und gehen ihm auf den Grund. Vielmehr tut Rita das, denn hinter dem Begriff tut sich ein Abgrund auf, dessen Anblick nur schwer erträglich ist.
Deshalb gibt es bei ca. 45 Minuten eine Triggerwarnung. Denn an dieser Stelle besprechen wir eingehender, was hinter den Werken von de Sade steckt. Und da es bei diesen Werken um sexuelle Gewalt geht wollen wir euch schon an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ihr da vorspulen könnt. Wir haben euch einen Marker gesetzt in den Shownotes, wo ihr wieder einsteigen könnt. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, dann steigt einfach 10 Minuten später wieder ein bei der Shownote „Die großen Bögen der Geschichte“.

Etwas schriftlich niederlegen, darlegen und veröffentlichen ist ein großes Ding. Zumindest, wenn es sich um Bücher handelt oder wissenschaftliche Arbeiten. Aber auch im Digitalen kommunizieren wir täglich – vor allem schreibend.
Nora hat ein Buch geschrieben, das gerade veröffentlicht wurde. Rita ringt mit ihrer Dissertation. Und das hat mitunter etwas damit zu tun, was Schreiben eigentlich bedeutet. Also was es bedeutet, wenn wir etwas schriftlich zur Veröffentlichung festhalten, obwohl wir wissen, dass wir damit nur einen Moment der Erkenntnis erfassen können, während sich die Welt ja weiter dreht. Aber eigentlich schreiben wir alle. Täglich. Gerade im Digitalen kommunizieren wir ziemlich viel schriftlich. Wenn wir uns in sozialen Netzwerken veröffentlichen zum Beispiel. In E-Mails. Wir schreiben Einkaufszettel – und manchmal sogar noch Postkarten und Briefe. Die verfassen wir dann oft sogar noch handschriftlich. Aber was macht das Schreiben mit uns? Was dokumentieren wir? Wo gibt es Leerstellen? Und warum würde Rita ihre Dissertation womöglich in Stein gemeißelt abgeben? Fragen über Fragen, die wir wie immer diskutieren, aber nie wirklich klären können.

„Sprache schafft Realität“ – ein viel bemühter Satz. Aber stimmt er auch? Denn eigentlich bildet Sprache zunächst eher Wahrnehmung ab. Wir formulieren mit ihr auch eine Realität, die wir uns wünschen. Wir entwerfen uns mit ihr. Aber damit daraus Konsens wird, eine allgemeingültige oder zumindest mehrheitsgültige Realität, muss einiges mehr passieren.
Und dann ist da ja auch noch der Umstand, dass wir nicht nur sprechend kommunizieren. Sondern auch in Gesten zum Beispiel. Oder in Räumen. Und dass nicht nur das Codieren zum Akt der Kommunikation gehört, sondern auch das de-codieren. Das heißt: Wir müssen auf vielfältige Arten lesen können – und das können wir – um zu verstehen. Aber wie immer sind all diese Prozesse störanfällig – und spätestens da fängt dann das Zappeln an.

Zwei Künstler:innen – Moshtari Hilal und Sinthujan Varatharajah – sprechen in einem insta-Live über Nazierbe und prägen dabei den Begriff „Mensch mit Nazihintergrund“. Sie erzwingen damit einen Perspektivwechsel und verweisen auf eine Verantwortung handelnder Personen, wenn es um die Familiengeschichte im NS geht. Ein spannender Aspekt, diese Verantwortung. Denn es stellt sich natürlich auch die Frage: Was verantworten wir da eigentlich, vor wem, warum? Und können Tiere das eigentlich auch, sich verantworten?
Und überhaupt, warum wiegt Verantwortung so schwer? Und warum entlohnen wir diejenigen, die bestimmte Verantwortungen tragen, so fürstlich? Wir landen nicht nur beim Patriarchat und dem Oikos, sondern auch bei den alten Römern, in einer „Life of Brian“-Schleife – und in Sekunden der Sprachlosigkeit. Denn Rita hat, was die Verantwortungsfrage angeht, einen regelrechten Plottwist mitgebracht!

In aller Regel finden wir Ignoranz ziemlich doof. Wenn wir jemanden als ignorant bezeichnen, ist das selten als Kompliment gemeint. Dabei brauchen wir eigentlich alle Ignoranz, um durchs leben zu kommen. Denn nur, wenn wir bestimmte Dinge ignorieren, können wir uns andere wiederum genauer anschauen.
Trotzdem lohnt es sich, auch die negativ konnotierte Ignoranz mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Rita macht dabei einen Unterschied zwischen Ignoranz als Lebenshaltung, die zusammen mit der Arroganz nicht selten in Borniertheit endet. Und dem Irgnorieren als etwas, das wir vorübergehend machen, nämlich um etwas anderes genauer in den Blick nehmen zu können. Das ist es mitunter sogar sinnvoll, das Drumherum zu ignorieren. Um die Ignoranz herum flattert aber auch die Dummheit. Und während Nora damit eher eine schmerzhafte Beleidigung verbindet, ist die Philosophie da nüchterner unterwegs. Denn Dummheit ist keineswegs als mangelnde geistige Fähigkeit zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Form von Unwissenheit. In gewisser Weise können wir damit alle auf bestimmten Gebieten dumm sein. Ohne, dass damit eine Wertung einher geht. Und gerade auf dem Pfad der Dummheit begegnen uns viele kleine Kohlweißlinge, die alle sehr ähnlich aussehen und dennoch nie dieselben sind. Euch schwirrt schon der Kopf? Dann wartet mal die neue Folge ab!

Anpassung. Eine der Herausforderungen des Jahres 2020. Denn ob wir Bock drauf hatten oder nicht: Wir mussten uns auf die ein oder andere Weise den Umständen anpassen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben haben. Ganz schön schwierige Aufgabe.
Aber auch eine Leistung, die wir ohnehin ständig erbringen. Auch, wenn wir das gar nicht merken, weil es nicht so radikal verläuft. Die Frage ist deshalb: Wie viel Anpassung braucht es? In welche Richtung findet unsere Anpassung eigentlich statt? Und was ist der Gegenspieler zur Anpassung. Denn – so viel ist klar – Menschen sind zwar enorm anpassungsfähig, aber wir setzen hier und da auch Grenzen und sagen: Nö, da geh ich nicht mehr mit. Und sagen dann, wenn uns eben nicht passt.

Es gibt sie, Menschen, die einfach nicht teilen wollen. Aber was ist daran eigentlich so schwer? Und warum gehört auch das Teilen irgendwie zum ökonomischen Handeln?
In der Regel denken wir beim Teilen daran, anderen etwas abzugeben von dem, was wir besitzen. Aber die Digitalisierung hat was gemacht mit dem Teilen. Nicht nur in der Kommunikation. Denn unsere Gedanken und Bilder teilen wir inzwischen sehr gerne und häufig – und zwar mit anderen. Manchmal sogar mit der ganzen Welt. Möglich ist das jedenfalls. Auch die Sharing Economy ist vor allem möglich durch die Digitalisierung. Sie macht das Teilen leichter. Aber Teilen und Ökonomie, klingt das nicht irgendwie auch schräg? Denn das Teilen ist ja auch irgendwie eine zugewandte Geste. Und sagt im Zweifel etwas über unseren Status in der Gesellschaft aus. Eine Folge mit Gehirnbritzelgarantie. Was für ein Neuronenfeuerwerk!

Unsere 100. Folge hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Glamouröser. Stattdessen gibt’s eine spontane Late-Night-Ausgabe, dafür aber mit einem hoch neuralgischen Thema: Es geht ums Petzen, Verraten und Denunzieren.
Es ist ein wirklich schwieriges Thema mit so vielen neuralgischen Punkten, dass wir kurz davor waren, diese Folge „Neuralgensalat“ zu nennen. Es geht ums Petzen und wie man das zum Beispiel vom Denunzieren unterscheidet. Geschickt hat uns das Thema unser Hörer Johannes. Und damit hat er uns eine echt schwierige Aufgabe gestellt. Denn das Thema ist zudem auch noch sehr unangenehm. Niemand ist gerne die Petze. Und trotzdem ist es manchmal angebracht, Konsequenzen herbeizuführen, wenn sich jemand so verhält, dass es anderen schadet. Oder zumindest potentiell schaden könnte. Nicht immer, aber oft spielt auch eine höhere Instanz eine Rolle. Lehrer:innen, Eltern – oder in Noras Fall ein Supermarktleiter, der stellvertretend einen Mitarbeiter zurecht weisen soll. Puh. War das gerechtfertigt?
P.S. Keine 100. Folge ohne Nietzsche!

Feminismus ist Frauensache. So ein Quatsch. Denn eigentlich geht es im Feminismus darum, dass es allen in einer Gesellschaft besser geht, weil Ungleichheiten beseitigt werden. Und das nutzt auch Männern, die nicht selten selbst mit den festgefahrenen Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen haben. Damit ist Feminismus, wenn er intersektional gedacht ist, eigentlich nur eine Form von Humanismus.
In dieser Folge geht es darum, wo Rita und Nora Ungleichheiten im Leben begegnen (Spoiler: immer und überall), warum wir ausführlich über das Thema reden möchten, was Mann tun muss, um ein guter Feminist zu sein (gar nicht schwierig eigentlich) und worum es dabei im Kern eigentlich geht. Außerdem erfahrt ihr, wie Rita das Thema im digitalen Box-Kanal fight24 untergebracht hat.
