Episode 98: (K)ein Lob der Lüge!

Um gut lügen zu können, brauchen wir einige kognitive Fertigkeiten. Lügen ist eine Leistung. So ganz grundsätzlich betrachtet. Eine, deren Entwicklung sich bei Kindern ganz gut beobachten lässt. Für Hannah Arendt bedeutet Lügen zu können und zu dürfen auch Freiheit. Trotzdem sind wir nicht komplett euphorisch, wenn wir angelogen werden. Im Gegenteil. Wir fühlen uns verletzt, betrogen, über den Tisch gezogen. Das Spannende ist: Auch über die Wahrheit sind wir nicht immer uneingeschränkt glücklich. Komplizierte Sache das Ganze. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Wahrheit und Lüge wirklich Antagonistinnen sind. Oder ob wir da nicht mit anderen Begrifflichkeiten operieren müssen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zum Beispiel. Und wie verhält es sich eigentlich mit der Realität in diesem Spannungsfeld? Können Lügen Teil einer – zumindest individuellen oder gruppenbezogenen – Realität sein?

Ritas Literaturliste:

  • Arendt, Hannah: Macht und Gewalt. München 1970.
  • Augustinus: De mendacio – Contra mendacium – Contra Priscillianistas. Paderborn 2013.
  • Derrida, Jacques: Geschichte der Lüge. Prolegomena. Wien 2015.
  • Farin Urlaub Racing Team: Die Wahrheit übers Lügen. 2008.
  • Frankfurt, Harry G.: Bullshit. Berlin 2014.
  • Kant, Immanuel: Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen. Verfügbar unter: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/%C3%9Cber+ein+vermeintes+Recht+aus+Menschenliebe+zu+l%C3%BCgen (Datum des letzten Abrufs: 15.10.2020)
  • Nietzsche, Friedrich: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. KSA Band 1. München, Berlin, New York 1999.
  • Stangneth, Bettina: Lügen lesen. Hamburg 2017.

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Episode 97: Die Ganzheitlichkeit einer Amöbe

Die Künstlerin Nele Sadlo hat uns eine Mail geschrieben und uns gebeten, ob wir mal über den Körper sprechen können. Dabei hat uns nicht nur ihr künstlerisches Schaffen inspiriert. Rita beschäftigt sich bereits seit mindestens 15 Jahren mit dem Thema, das heißt, da kommen eine ganze Menge Perspektiven zusammen.

Nele Sadlo ist 22 Jahre alt und studiert Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei an der Hochschulde der Bildenden Künste in Essen Kupferdreh. Und sie schreibt uns unter anderem: „Je mehr ich über meinen Körper nachdenke, desto fremder und merkwürdiger erscheint er mir.“. Ein Gedanke, den Rita ziemlich gut nachvollziehen kann. Als Künstlerin versucht Nele eine Brücke zu schlagen zwischen dem Denken über ein bestimmtes Thema und der bildlichen Darstellung. Und hat damit Nora schonmal einen ganz neuen Zugang zur Kunst eröffnet. Und das wird nicht der einzige Aha-Moment in dieser Folge bleiben. Wie es allerdings vom Reden und Ausloten der Beziehungen von Körper, Geist und Leiblichkeit zu Klappsensen und Dengelkursen kommt, das müsst ihr euch dann bitte selbst anhören.

Ritas Literaturliste:

  • Alloa, Emmanuel/Bedorf, Thomas/Grüny, Christian/Klass, Tobias Nikolaus (Hrsg.): Leiblichkeit. Geschichte und Aktualität eines Konzepts. Zweite, verbesserte und erweiterte Auflage. Tübingen 2019.
  • Anzieu, Didier: Das Haut-Ich. Frankfurt/Main 1996.
  • Böhme, Gernot: Ethik leiblicher Existenz. Frankfurt/Main 2008. Borsche, Tilmann/ Kaulbach, Friedrich: „Leib, Körper“. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrsg. von Joachim Ritter und Karlfried Gründer. Band 5. Darmstadt 1980, S. 173-185.
  • Brinkmann, Malte/Türstig, Johannes/Weber-Spanknebel, Martin (Hrsg.): Leib – Leiblichkeit – Embodiment. Wiesbaden 2019.
  • Butler, Judith: Körper von Gewicht: Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Frankfurt/Main 1997.
  • Fink, Eugen: Grundphänomene des menschlichen Daseins. Zweite Auflage. Freiburg, München 1995.
  • Klass, Tobias Nikolaus: Friedrich Nietzsche – Denken am „Leitfaden des Leibes“. In: Alloa et al. (Hrsg.): A.a.O., S. 196-211. Merleau-Ponty, Maurice: Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin 1966.
  • Meyer-Drawe, Käte: Leiblichkeit und Sozialität: Phänomenologische Beiträge zu einer pädagogischen Theorie der Inter-Subjektivität. Dritte, unveränderte Auflage. München 2001.
  • Molzberger, Rita: Bildung und Leiblichkeit. In: Mertens, Gerhard/ Frost, Ursula/Böhm, Winfried/Koch, Lutz/Ladenthin, Volker (Hrsg.): Handbuch der Erziehungswissenschaft I. Studienausgabe. Paderborn, München, Wien, Zürich 2006.
  • Nancy, Jean-Luc: Corpus. Zürich, Berlin 2014.
  • Nancy, Jean-Luc: Körper. Wien 2019.
  • Schmitz, Hermann: Der Leib, der Raum und die Gefühle. Bielefeld und Basel 2009.
  • Waldenfels, Bernhard: Das leibliche Selbst. Vorlesungen zur Phänomenologie des Leibes. Frankfurt/Main 2000.
  • Wolf, Barbara: Kinder lernen leiblich: Praxisbuch über das Phänomen der Weltaneignung: Praxisbuch Über das Phänomen der Weltaneignung. Freiburg i. Br. 2016.

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Episode 96: Heldenmülltrennung

Warum verehren wir sportliche Held:innen, wer sind unsere Vorbilder und was unterscheidet die beiden vorgenannten vom Idol? Eine Held:innenreise der etwas andern Art.

Vorgenommen hatten wir uns für diese Folge eigentlich das Thema Vorbilder. Dann kam eine Mail unserer Hörerin Tatjana mit dem Vorschlag, doch mal über Heldenverehrung zu sprechen vor allem im Sport. Super, dachten wir, dann packen wir das doch mal alles in eine Folge. Passt nämlich sehr gut. Herausgekommen ist eine Anleitung zur Heldenmülltrennung, wobei an dieser Stelle nicht ganz klar ist, wo hier eigentlich der Trennstrich hin muss. Denn auch, wenn uns der Heldenbegriff bisweilen auf den Zünder geht, so ganz aufgeben sollten wir die Idee vielleicht doch nicht. Zumindest nicht in bestimmten Details. Welche das sind und welche Komponenten des Heldentums wir getrost in die Tonne treten können, darum geht’s in dieser Folge.

Ritas Literaturliste:

  • Fleming, Jacky: Das Problem mit den Frauen. Köln 2017.
  • Frost, Ursula: „So sein wie …“ oder Neuerfindung des Lebens? Über die Bedeutung von Vorbildern in Geschichte und Gegenwart. In: Kalcher/Lauermann. A.a.O., S. 10-26.
  • Kalcher, Anna Maria/ Lauermann, Karin (Hrsg.): Vorbilder. Erziehen wohin? Salzburg 2014.
  • Lenz, Siegfried: Das Vorbild. Hamburg 1973.
  • Mead, Margaret: Der Konflikt der Generationen: Jugend ohne Vorbild. Übers. von Thomas Höpfner. Freiburg 1971.
  • Neiman, Susan: Moralische Klarheit: Leitfaden für erwachsene Idealisten. Hamburg 2010.
  • Nietzsche, Friedrich: Morgenröte (in: Kritische Studienausgabe, Band 3) sowie Götzen-Dämmerung (in: Kritische Studienausgabe, Band 6). München, Berlin, New York 1999.
  • O’Connell, John: Bowies Bücher. Literatur, die sein Leben veränderte. Köln 2020.
  • Paus-Hasebrink, Ingrid: Die Heldinnen und Helden von heute. Mediale Vorbilder von Kindern und Jugendlichen im Zeichen von Konvergenz und Crossmedialität. In: Kalcher/Lauermann. A.a.O., S. 63-73.
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Episode 95: Bröselig und drölfzelnd

„In dubio pro reo“ – unser ganzes Rechtssystem dreht sich um den Zweifel. Da aber weder Rita noch Nora Juristinnen sind, haben wir uns dem Zweifel anders genähert. Denn er beschäftigt uns gerade auch außerhalb des Rechtssystems. Selten war der Zweifel so sichtbar, wie während der gerade andauernden Corona-Pandemie. Warum zweifeln wir? Wie zweifeln wir? Und können wir am Zweifel zweifeln? Und warum eigentlich zwei-fel, wenn wir doch in der Regel viel mehr als zwei Fragen haben?

An dieser Stelle übrigens eine kleine Warnung: Diese Podcast-Episode kann Hirnwindungen verknoten und führt an dunkle Orte. Aber keine Sorge, wir lachen euch da wieder raus und nehmen euch an die Hand. Und zur Not habt einfach ein paar vegane Colaflaschen parat – oder was ihr sonst so gerne snackt.

Ritas Literaturlistse:

  • Descartes, René: Meditationen. Mit sämtlichen Einwänden und Erwiderungen. Hrsg. Von Christian Wohlers. Hamburg 2009.
  • Esser, Andrea: Irrationale Angst oder begründeter Zweifel. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. 2012, S. 428f.
  • Giel, Klaus/ Obermeier, Otto-Peter/ Reusch, Siegfried (Hrsg.): Der Blaue Reiter, Journal für Philosophie. Die Kunst des Zweifelns. 4/2020
  • Philosophie Magazin/ Reclam-Verlag (Hrsg.): Und woran zweifelst Du? Leitfaden für das postfaktische Zeitalter. Stuttgart 2019.
  • Putnam, Hilary: Vernunft, Wahrheit und Geschichte. Frankfurt/Main 1990.
  • Searle, John: Minds, Brains and Programs. In. The Behavioral and Brain Sciences. 3/ 1980, pp. 417-457. Abrufbar unter http://et3r.ektf.hu/wp-content/uploads/2014/06/minds-brains-and-programs.pdf (Datum des letzten Abrufs: 02.09.2020)
  • Searle, John: Minds, Brains and Programs. In: The Behavioral and Brain Sciences 1980, pp. 417-457.

Triggerwarnung

  • Große, Jürgen: Erlaubte Zweifel. Cioran und die Philosophie. Berlin 2014.

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Episode 94: Endlich Prinzessung!

Feminismus ist Frauensache. So ein Quatsch. Denn eigentlich geht es im Feminismus darum, dass es allen in einer Gesellschaft besser geht, weil Ungleichheiten beseitigt werden. Und das nutzt auch Männern, die nicht selten selbst mit den festgefahrenen Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen haben. Damit ist Feminismus, wenn er intersektional gedacht ist, eigentlich nur eine Form von Humanismus.

In dieser Folge geht es darum, wo Rita und Nora Ungleichheiten im Leben begegnen (Spoiler: immer und überall), warum wir ausführlich über das Thema reden möchten, was Mann tun muss, um ein guter Feminist zu sein (gar nicht schwierig eigentlich) und worum es dabei im Kern eigentlich geht. Außerdem erfahrt ihr, wie Rita das Thema im digitalen Box-Kanal fight24 untergebracht hat.

Ritas Literaturliste:

  • Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/Main 1991.
  • De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau. 21. Auflage. Hamburg 2000.
  • Doetsch, Brigitte: Frauen in Philosophie und Wissenschaft. Bielefeld 2004.
  • Emcke, Carolin: Wie wir begehren. Frankfurt/Main 2013.
  • Grach, Katja: Die MILF-Mädchenrechnung: Wie sich Frauen heute zwischen Fuckability-Zwang und Kinderstress aufreiben. Berlin 2018.
  • Greer, Germaine: Der weibliche Eunuch. Aufruf zur Befreiung der Frau. Frankfurt/Main 1974.
  • Hagengruber, Ruth: Die gestohlene Geschichte. In: Philosophie Magazin Sonderausgabe „Philosophinnen – Eine andere Geschichte des Denkens“, abrufbar unter https://philomag.de/hagengruber/ (Datum des letzten Abrufs: 27.08.2020)
  • Haraway, Donna: A Cyborg Manifesto. In: Socialist Review 1985. Abrufbar unter http://www.stanford.edu/dept/HPS/Haraway/CyborgManifesto.html (Datum des letzten Abrufs: 27.08.2020) Irigaray, Luce: Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts. Frankfurt/Main 1980.
  • Kelly, Natasha A. (Hrsg.): Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Münster 2019.
  • Moran, Caitlin: How To Be a Woman. London 2011.
  • Nin, Anaïs: Sanftmut des Zorns. Was es heißt, Frau zu sein. Frankfurt/Main 1982.
  • Passmann, Sophie: Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch. Köln 2019.
  • Stokowski, Margarethe: Untenrum frei. Hamburg 2016. Vale, Allison/ Ralfs, Victoria: How to Raise a Feminist. London 2017.

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Episode 93: Der menschliche Maßstab

Ende Mai haben Rita und Nora eine Mail von einer Hörerin erhalten. Der Wunsch: Könnt ihr mal über das Thema „Vermenschlichung“ sprechen? Aber sowas von gerne! Vor allem, wenn uns schon in der Mail eine solche thematische Bandbreite angeboten wird. Vielen Dank für diesen Themenvorschlag, der uns auf eine ziemlich spannende und manchmal absurde Reise geschickt hat.

Die Grundfrage dazu beschäftigt die Philosphie schon lange. Und auch andere gesellschafts- und naturwissenschaftliche Disziplinen: Was ist der Mensch dem Wesen nach? Und was unterscheidet Menschen von Tieren? Fun-Fact: Ist gar nicht so leicht zu definieren und viele Versuche mussten mit wachsendem Wissen über die Tierwelt wieder ad acta gelegt werden. Denn auch Primaten haben Humor, Delfine begehen Suizid, Ratten kennen sowas wie Hilfsbereitschaft. Und auch das Thema „Religion“ ist noch nicht zu Ende diskutiert.

Rita findet aber ohnehin: Das Menschsein ist etwas eigenes und interessant genug. Es muss sich gar nicht zum Tier verhalten. Und es ist auch nicht der Maßstab für alles in dieser Welt. Aber da, wo wir uns nicht mal selbst als Menschen verstehen, müssen wir vielleicht gar nicht unbedingt in die Tierwelt schauen. Tun wir natürlich trotzdem, weil: Es ist so unfassbar spannend!

Ritas Literaturliste:

  • De Waal, Frans: Primaten und Philosophen: Wie die Evolution die Moral hervorbrachte. München 2008.
  • Dekkers, Midas: Von Larven und Puppen: Soll man Kinder wie Menschen behandeln? München 2005.
  • Filz, Walter: Der Affe zu Köln: Oder: Petermanns Rache. Köln 2010.
  • Grandin, Temple: Thinking in Pictures. London, Berlin, New York, Sydney 2006.
  • Lohmar, Dieter: Denken ohne Sprache. Phänomenologie des nicht-sprachlichen Denkens bei Mensch und Tier im Licht der Evolutionsforschung, Primatologie und Neurologie. Basel 2016. (Verfügbar unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-319-25757-0.pdf, Datum des letzten Abrufs 12.08.2020)
  • Suddendorf, Thomas: Der Unterschied: Was den Mensch zum Menschen macht. Berlin 2014.
  • Tomasello, Michael: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Frankfurt/Main 2002.
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Episode 92: Solidarisiert euch!

Nicht nur in akuten Krisenzeiten ist Solidarität ein Instrument, mit dem wir uns in einer Gesellschaft gegenseitig unterstützen können. Aber selten wurde so viel über die verschiedenen Formen von Solidarität diskutiert, wie jetzt gerade. Egal, ob es um solidarisches Verhalten geht, um uns gegenseitig vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen oder um Solidarität mit Menschen, deren Freiheit und Leben von Rassismus und rassistischen Strukturen eingeschränkt und bedroht sind, wie bei der Black Lives Matter Bewegung. Aber wie funktioniert Solidarität überhaupt? Und wie leben wir Solidarität zum Beispiel im Digitalen?
Weil die Corona-Pandemie gerade verhindert, dass wir gemeinsam an einem Tisch sitzen und darüber diskutieren, haben wir uns in dieser Folge Sprachnachrichten von Menschen schicken lassen, die sich gerade jetzt mit dem Thema Solidarität beschäftigen. Die erste Nachricht kommt von

Emilene Wopana Mudiumu. Sie ist eine Schwarze Aktivistin, Poetin, Antirassismus-Trainerin und Leiterin des Kingz Corner, das ist ein musikalisches Jugendprojekt in Aachen. Sie weist auf die Themen performative Solidarität und Nachhaltigkeit hin. Also darauf, auch dann weiter solidarisch zu handeln, wenn keine Hashtags und Kacheln mehr in den Social Media Kanälen auftauchen. Ihr findet Emilene Wopana Mudimu auch auf dem Kanal von „Erklärmirmal“:

Frank Joung ist ebenfalls Podcaster. Sein Projekt „Halbe Katoffl“ finanziert sich ohnehin schon solidarisch, nämlich durch spenden. „Halbe Katoffl“ war der erste Podcast in Deutschland mit einem Fokus auf migrantische Lebensperspektiven. Als jüngst eine große Plattform sein Podcast-Konzept kopiert hat, bekommt er viel emotionale Unterstützung in den sozialen Netzwerken, aber auch neue Abonnent:innen, die mit ihrer dauerhaften Unterstützung ihre Solidarität mit dem Original – und mit Frank natürlich – ausdrücken wollen. Und auch als er rassistisch motivierten Hass erfährt, steht ihm die Community digital bei. Aber eben nicht nur dort.

https://twitter.com/halbekatoffl/status/1280050509093765120?s=21

Rita und Nora sprechen darüber, was unser Handeln solidarisch macht, warum es dabei auch um die Themen Freiheit und Macht geht und wie der digitale Raum mit seinen Bestätigungsmechanismen da rein spielt.
An dieser Stelle schon mal großen Dank an Frank und Emilene Wopana für ihr Vertrauen und die wertvollen Beiträge aus dem wirklich wahren – und digitalen Leben.

Ritas Literaturliste:

  • Bayertz, Kurt/Brinkmeier, Birger (Hrsg.): Solidarität. Begriff und Problem. Frankfurt/Main 1998.
  • Benhabib, Seyla: Die Rechte der Anderen. Ausländer, Migranten, Bürger. Frankfurt/Main 2017.
  • Emcke, Carolin: Im Gespräch mit René Aguigah. Wie tragfähig ist das neue „Wir“-Gefühl? (https://www.deutschlandfunkkultur.de/carolin-emcke-ueber-corona-und-kollektive-identitaeten-wie.2162.de.html?dram:article_id=474912, Datum des letzten Abrufs: 28.07.2020)
  • Hartmann, Martin: Solidarität als Ideologie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 2013.
  • Rorty, Richard: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt/Main 1991.
  • Scholz, Sally: Political Solidarity. University Park, Pennsylvania. 2008.

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Episode 91: Die Ich-Maschine

Rita und Nora haben in dieser Folge ein Experiment gestartet. Zur – vermeintlichen – Arbeitsreduktion. Wir haben beide den Text „The I in Internet“, ein Essay aus Jia Tolentinos Buch „Trick Mirror“, gelesen, um darüber zu sprechen. Keine Sorge, ihr müsste den Text nicht gelesen haben, um uns zu verstehen. Aber darin werden ein paar sehr spannende Gedanken zu sozialen Netzwerken und unserem Verständnis von uns Selbst und unserer Selbstwirksamkeit analysiert. Es geht um die Verwicklung unserer Persönlichkeit mit ökonomischen Bestrebungen, aufgeblähte Egos, die Wahrnehmung von Opposition und um Maßstäbe und den Wert, den wir unseren Meinungen – oder denen der Anderen – beimessen. Und um Barthaare – aber wie wir darauf kommen, müsst ihr euch wirklich selbst anhören.

Ritas Literaturliste:

  • Goffman, Erving: The Presentation of Self in Everyday Life. [Dt.: Wir alle spielen Theater] 1956.
  • Nagle, Angela: Kill All Normies. Online Culture Wars from 4chan and Tumblr to Trump and the Alt-Right. 2017
  • Scholz, Sally: Political Solidarity. 2008.
  • Tolentino, Jia: The I in Internet. In: Dies.: Trick Mirror. Reflections on Self-Delusion. 2019.
  • Wu, Tim: The Attention Merchants: The Epic Scramble to Get Inside Our Heads. 2016.

Noras Linkliste:

  • The I in Internet: Gekürzte Hörbuchfassung bei BBC Radio 4 vom 4.11.2019 gelesen von Autorin Jia Tolentino
  • Denkangebot-Podcast: Gespräch mit Prof. Dr. Katharina Zweig über künstliche Intelligenz vom 30. Mai 2020
  • Die Geschichts-Dolmetscherin: Historiker Bianca Walther erzählt spannende Geschichten von Frauenrechtlerinnen
  • HerStory Pod: Journalistin Jasmin Lörchner stellt Wegbereiterinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik vor und erzählt Geschichten von Frauen, die sich nicht um Geschlechter- oder Rollenbilder scherten.
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Episode 90: Was? Ich? Weiß?

Rassismus und weiße Privilegien

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Rita und Nora haben einen Hinweis erhalten, dass Sie in Ihrer Episode „Einladung zum Zuhören“ als Reaktion auf die Black Lives Matter Proteste zwar ein Angebot gemacht haben, aber eines, das sich vor allem an weiße Hörer:innen richtet. Schwarze Hörer:innen haben sie dabei nicht mitgedacht. Ein Grund, da mal genauer hinzusehen und sich mit Weißsein und Rassismus auseinanderzusetzen. Der Hinweis kam von Natalie Ofori, Kulturwissenschaftlerin und Schwarz. An der Stelle ganz herzlichen Dank dafür! Denn, ja, sie hat mit ihrer Kritik völlig Recht. Wir haben zwar all jene eingeladen, sich mit Rassismus zu beschäftigen, die das bislang nicht getan haben. Aber das exkludiert Schwarze Hörer:innen, die sich vielleicht an der Stelle ein anderes Angebot gewünscht hätten. Denn für sie ist Rassismus nichts, womit man sich unbedingt mal beschäftigen muss, sondern Alltag. Warum hatten wir das nicht auf dem Schirm? Eine Frage, die wir uns dringend stellen müssen. Dabei hilft uns Josephine Apraku. Sie hat auf Instagram die Challenge #KritischeWeiß_heiten ins Leben gerufen. Dort stellt sie zwischen dem 6. Juni und dem 6. Juli 2020 jeden Tag eine Frage zum Thema Rassismuskritik und weiße Privilegien. Die Mitgründerin des Instituts für diskriminierungsfreie Bildung (IDB) Berlin, hat uns aus ihren vielen Fragen sechs ausgewählt, die wir in dieser Podcast-Folge besprechen wollen.

Das sind ihre Fragen:

  • Wann ist dir das erste Mal bewusst gewesen, dass du weiß bist? War dir zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass dein Weiß-Sein mit Privilegien einhergeht?
  • Das Lernen weißer Menschen zu Rassismus geht in der Regel mit Abwehr einher, wie bist du bisher mit deiner Abwehr umgegangen? Wie möchtest du in der Zukunft mit der Abwehr umgehen?
  • In den sozialen Medien sind wir vor allem von Menschen umgeben, die unsere Perspektiven weitestgehend teilen. Das macht es einfach, Solidarität zu bekunden. Wie gehst du mit dem Rassismus deiner weißen Familienmitglieder und Freund*innen um? Wie unterstützt du andere weiße Menschen in ihrem Lernprozess?
  • Wie trägst du als weiße Person im Alltag (im Beruf, der Kita, der Schule) dafür Sorge, dass sich nicht nur Menschen, die Rassismus erfahren gegen ihn einsetzten müssen?
  • Welche Ressourcen und Räume stellst du Schwarzen Menschen und Organisationen regelmäßig zur Verfügung (Geld, Arbeitszeit)?
  • Wie kannst du deinen Lernprozess zu Weiß-Sein und zu Rassismus im Alltag (im Beruf, der Kita, der Schule, mit Familie und Freund*innen)für deine Rassismuskritik produktiv machen?
https://www.instagram.com/p/CBDdUkfKawS/

Disclaimer: In einer Stunde können wir natürlich nicht alle Aspekte, die mit Rassismus zusammenhängen, besprechen. Es ist ein Anfang. Das Angebot richtet sich vor allem an weiße Hörer:innen, die sich bislang noch nicht so intensiv mit Rassismus und kritischem Weißsein auseinandergesetzt haben. Grundsätzlich wollen wir aber natürlich niemanden ausschließen. Wir können uns aber vorstellen, dass es für Schwarze Hörer:innen anstrengend und nervig ist, wenn wir als weiße Frauen darüber sprechen, wie wir etwas verhandeln, das für sie schon immer zum Alltag gehört.

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Episode 89: Der Zauderrhythmus des Lebens

Diese Podcast-Folge hätte es fast nicht gegeben. Seit dreieinhalb Jahren podcasten wir, Rita und Nora, jetzt alle zwei Wochen. Bislang ist noch keine einzige Folge ausgefallen. Auch wenn die Terminfindung mitunter kurzfristig und abenteuerlich war. Aber wir haben es immer geschafft. Und auch jetzt haben wir es wieder geschafft – es war allerdings denkbar knapp. Denn Rita ging es nicht gut. Wieso, weshalb, warum, das erfahrt ihr in dieser Podcast-Folge. Darin geht es um Frust und Lust, Demotivation und Motivation – und ob das überhaupt die richtigen Gegensätze sind. Es geht um die Zeit, in der wir leben, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Rollenverständnis der Geschlechter – und der Gesellschaft. Es geht um Grenzen, Einschränkungen und das Gefühl, gerade ganz grundsätzlich den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Den eigenen nicht, aber auch denen der anderen nicht. Alles läuft nebenbei und nichts davon läuft richtig rund – oder genügt den eigenen Anforderungen. Zum Beispiel an die Qualität der eigenen Arbeit. Dabei wird das hier keinesfalls ein Jammer-Podcast. Aber wir wollen einem Gefühl Ausdruck verleihen und ihm nachspüren, von dem wir annehmen können, dass es gerade viele Menschen betrifft. Nicht zuletzt all jene, die seit Wochen unter dem Hashtag #Coronaeltern versuchen, Aufmerksamkeit auf die Situation von Eltern und die Bedürfnisse von Kindern zu lenken. Gesellschaftlich wie politisch. Aber es gibt noch viele weitere Gründe, warum uns der aktuelle Zauderrhythmus des Lebens zu schaffen machen kann.

Disclaimer: Wir haben diese Folge am Abend des 03. Juni 2020 aufgenommen. Nur, falls ihr Hinweise auf aktuelle politische oder gesellschaftliche Entwicklungen vermisst.

Ritas Literaturliste:

  • Butler, Judith: Psyche der Macht – Das Subjekt der Unterwerfung. Frankfurt/Main: Suhrkamp. 2001.
  • Dollard, John s. et al.: Frustration and Aggression. New Haven: Yale University-Press. 1939.
  • Freud, Sigmund: Jenseits des Lustprinzips. Gesammelte Werke, Bd. XIII. London: Imago Press. 1920.
  • Foucault, Michel: Zum Begriff der Übertretung. In: Ders.: Schriften zur Literatur. München: Nymphenburger Verlag. 1974, S. 73.
  • Kleinschmidt, Christoph/Christine Hewel (Hrsg.): Topographien der Grenze. Verortungen einer kulturellen, politischen und ästhetischen Kategorie. Würzburg: Königshausen&Neumann. 2011.
  • Kleinschmidt, Christoph: Semantik der Grenze. https://www.bpb.de/apuz/176297/semantik-der-grenze?p=1 (Datum des letzten Abrufs: 03.06.2020)
  • Pessoa, Fernando: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Zürich: Ammann. 2008.
  • Waldenfels, Bernhard: Bruchlinien der Erfahrung. Phänomenologie, Psychoanalyse, Phänomenotechnik. Frankfurt/Main: Suhrkamp. 2002. (Hier v.a. Kap. V.5 Gespaltenes und geteiltes Selbst sowie Kap. VII.9: Leben im Widerstreit mit sich selbst)

Noras Linktipps:

https://twitter.com/zwwdf/status/1260987822531661825?s=20
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