Was ist eigentlich Empathie? Also philosophisch gesehen. Was gehört dazu, welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit wir von Empathie sprechen. Und ist Empathie nur gut? Oder kann Empathie auch schlecht sein? In dieser ersten Folge zur Empathie legen wir die Grundlagen einer philosophischen Annäherung an das Thema. Achtung: Gefahr der Spiegelneuronenverzappelung!
Empathie ist schon eine sehr besondere Fähigkeit. Und sie ist ganz schön komplex. Aber nicht nur Menschen sind fähig, empathisch zu handeln. Auch bei Tieren wird empathisches Verhalten beobachtet. Und wie sieht es eigentlich mit Maschinen aus? Oder mit Dingen? Das Spannendste ist aber vielleicht, dass wir sofort versucht sind, Empathie auch moralisch zu werten. Also „wir“ meint in dem Fall Nora, weil Rita das Spielchen natürlich längst durchschaut hat. Außerdem bekommt ihr in dieser Folge schon die ersten Hinweise darauf, worüber wir dann in Teil zwei zur Empathie sprechen werden: The dark side of the moon sozusagen. Aber – öhm – war da nicht was mit Hell-Dunkel-Metaphern?! Damn it.

Beim Begriff „Erwachsenenerziehung“ schüttelt es Rita. Aber genau dieses Wort hat Nora dazu gebracht, sich zu fragen, wie viel Pädagogik eigentlich in der Politik steckt. Und was das mit Demokratie und dem Verhältnis von Bürgerinnen und Bürgern zum Staat und seinen Organen macht.
Die Beobachtung, die dahinter steckt: Die Entscheidungsträger:innen der Politik in Deutschland, sind vor allem männlich und gar nicht mal so jung. Ihr Führungsstil erinnert eher an eine autoritäre Pädagogik, so wie sie vielleicht die Elterngeneration noch erlebt hat. Was nicht gleichbedeutend ist mit einem an sich autoritären Staat. Es geht um den politischen Führungsstil. Die pädagogischen Konzepte um uns herum haben sich aber stark verändert. Treffen hier vielleicht Welten aufeinander? Und erzeugt ausgerechnet das so viel Reibung? Damit es nicht im Gefühligen bleibt hat Rita sich wie immer gut eingelesen. Denn das Phänomen rund um Macht, politische Führungsstile und Pädagogik hat auch schon andere kluge Köpfe beschäftigt.

Wir leisten Beziehungsarbeit, investieren in Freundschaften, machen Abstriche für Partner:innen, und am Ende des Tage fragen wir uns, ob sich das alles gelohnt hat. Wenn wir über Beziehungen sprechen, nutzen wir häufig ökonomisches Vokabular. Warum eigentlich?
Was kostet es eigentlich, so einen Podcast zu machen? Was investieren Rita und Nora in dieses Projekt? Ganz ehrlich: So richtig lässt sich das nicht beziffern, selbst dann, wenn wir versuchen würden, all das, was in diesem Podcast steckt, zu quantifizieren. Und trotzdem können wir uns auch nicht so ganz lösen von ökonomischen Bezügen und Beziehungen. Überhaupt ist uns das Vokabular der Ökonomie so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir es auch da nutzen, wo uns eigentliche andere Werte wichtiger sein sollten – und vielleicht auch sind. Aber wir können sie eben nicht so leicht benennen. Wie unsere Beziehungen aussehen, warum wir die Ökonomie da nicht – haha – rausrechnen können, und warum wir Souveränität brauchen in Beziehungen, darum geht’s in dieser Ausgabe von „Was denkst du denn?“.
Ritas Literaturliste

Anpassung. Eine der Herausforderungen des Jahres 2020. Denn ob wir Bock drauf hatten oder nicht: Wir mussten uns auf die ein oder andere Weise den Umständen anpassen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben haben. Ganz schön schwierige Aufgabe.
Aber auch eine Leistung, die wir ohnehin ständig erbringen. Auch, wenn wir das gar nicht merken, weil es nicht so radikal verläuft. Die Frage ist deshalb: Wie viel Anpassung braucht es? In welche Richtung findet unsere Anpassung eigentlich statt? Und was ist der Gegenspieler zur Anpassung. Denn – so viel ist klar – Menschen sind zwar enorm anpassungsfähig, aber wir setzen hier und da auch Grenzen und sagen: Nö, da geh ich nicht mehr mit. Und sagen dann, wenn uns eben nicht passt.

Unsere 100. Folge hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Glamouröser. Stattdessen gibt’s eine spontane Late-Night-Ausgabe, dafür aber mit einem hoch neuralgischen Thema: Es geht ums Petzen, Verraten und Denunzieren.
Es ist ein wirklich schwieriges Thema mit so vielen neuralgischen Punkten, dass wir kurz davor waren, diese Folge „Neuralgensalat“ zu nennen. Es geht ums Petzen und wie man das zum Beispiel vom Denunzieren unterscheidet. Geschickt hat uns das Thema unser Hörer Johannes. Und damit hat er uns eine echt schwierige Aufgabe gestellt. Denn das Thema ist zudem auch noch sehr unangenehm. Niemand ist gerne die Petze. Und trotzdem ist es manchmal angebracht, Konsequenzen herbeizuführen, wenn sich jemand so verhält, dass es anderen schadet. Oder zumindest potentiell schaden könnte. Nicht immer, aber oft spielt auch eine höhere Instanz eine Rolle. Lehrer:innen, Eltern – oder in Noras Fall ein Supermarktleiter, der stellvertretend einen Mitarbeiter zurecht weisen soll. Puh. War das gerechtfertigt?
P.S. Keine 100. Folge ohne Nietzsche!

Was passiert eigentlich im Dazwischen. Also zwischen uns und einem Kunstwerk. Zwischen uns und einem Menschen. Zwischen uns und unserer Umgebung? Diese Zwischenräume sind in der Regel unsichtbar. Wir müssen eine Anstrengung unternehmen, um sie in unser Bewusstsein zu holen. Damit sie sichtbar werden.
Dabei sind sie ziemlich schwer zu greifen. Denn wir bringen natürlich Filter mit. Je nach dem, in welcher Stimmung wir gerade sind, nehmen wir Situationen unterschiedlich wahr. Wie wir auf eine Situation reagieren, liegt auch daran, was wir davor erlebt haben. Das ist an Kontexte gebunden, die uns gar nicht immer zugänglich sind. Und manchmal lassen wir uns von einer Atmosphäre anstecken. Etwas, das „in der Luft liegt“, das wir gar nicht richtig greifen oder sogar begreifen können. Auch unsere Umgebung hat Einfluss auf uns. Die Räume und Zwischenräume einer Stadt zum Beispiel – oder auch nur eines ganz bestimmten Ortes in dieser Stadt. Ganz oft entgehen uns diese Zwischenräume, wir achten gar nicht darauf – bis sich etwas verändert und wir sie plötzlich doch wahrnehmen.
Danke an dieser Stelle nochmal an die Künstlerin Nele Sadlo, die uns mit ihrem Brief auf dieses Phänomen hingewiesen hat.

Um gut lügen zu können, brauchen wir einige kognitive Fertigkeiten. Lügen ist eine Leistung. So ganz grundsätzlich betrachtet. Eine, deren Entwicklung sich bei Kindern ganz gut beobachten lässt. Für Hannah Arendt bedeutet Lügen zu können und zu dürfen auch Freiheit. Trotzdem sind wir nicht komplett euphorisch, wenn wir angelogen werden. Im Gegenteil. Wir fühlen uns verletzt, betrogen, über den Tisch gezogen. Das Spannende ist: Auch über die Wahrheit sind wir nicht immer uneingeschränkt glücklich. Komplizierte Sache das Ganze. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Wahrheit und Lüge wirklich Antagonistinnen sind. Oder ob wir da nicht mit anderen Begrifflichkeiten operieren müssen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zum Beispiel. Und wie verhält es sich eigentlich mit der Realität in diesem Spannungsfeld? Können Lügen Teil einer – zumindest individuellen oder gruppenbezogenen – Realität sein?

„In dubio pro reo“ – unser ganzes Rechtssystem dreht sich um den Zweifel. Da aber weder Rita noch Nora Juristinnen sind, haben wir uns dem Zweifel anders genähert. Denn er beschäftigt uns gerade auch außerhalb des Rechtssystems. Selten war der Zweifel so sichtbar, wie während der gerade andauernden Corona-Pandemie. Warum zweifeln wir? Wie zweifeln wir? Und können wir am Zweifel zweifeln? Und warum eigentlich zwei-fel, wenn wir doch in der Regel viel mehr als zwei Fragen haben?
An dieser Stelle übrigens eine kleine Warnung: Diese Podcast-Episode kann Hirnwindungen verknoten und führt an dunkle Orte. Aber keine Sorge, wir lachen euch da wieder raus und nehmen euch an die Hand. Und zur Not habt einfach ein paar vegane Colaflaschen parat – oder was ihr sonst so gerne snackt.
Triggerwarnung

Ende Mai haben Rita und Nora eine Mail von einer Hörerin erhalten. Der Wunsch: Könnt ihr mal über das Thema „Vermenschlichung“ sprechen? Aber sowas von gerne! Vor allem, wenn uns schon in der Mail eine solche thematische Bandbreite angeboten wird. Vielen Dank für diesen Themenvorschlag, der uns auf eine ziemlich spannende und manchmal absurde Reise geschickt hat.
Die Grundfrage dazu beschäftigt die Philosphie schon lange. Und auch andere gesellschafts- und naturwissenschaftliche Disziplinen: Was ist der Mensch dem Wesen nach? Und was unterscheidet Menschen von Tieren? Fun-Fact: Ist gar nicht so leicht zu definieren und viele Versuche mussten mit wachsendem Wissen über die Tierwelt wieder ad acta gelegt werden. Denn auch Primaten haben Humor, Delfine begehen Suizid, Ratten kennen sowas wie Hilfsbereitschaft. Und auch das Thema „Religion“ ist noch nicht zu Ende diskutiert.
Rita findet aber ohnehin: Das Menschsein ist etwas eigenes und interessant genug. Es muss sich gar nicht zum Tier verhalten. Und es ist auch nicht der Maßstab für alles in dieser Welt. Aber da, wo wir uns nicht mal selbst als Menschen verstehen, müssen wir vielleicht gar nicht unbedingt in die Tierwelt schauen. Tun wir natürlich trotzdem, weil: Es ist so unfassbar spannend!

Rassismus und weiße Privilegien
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Rita und Nora haben einen Hinweis erhalten, dass Sie in Ihrer Episode „Einladung zum Zuhören“ als Reaktion auf die Black Lives Matter Proteste zwar ein Angebot gemacht haben, aber eines, das sich vor allem an weiße Hörer:innen richtet. Schwarze Hörer:innen haben sie dabei nicht mitgedacht. Ein Grund, da mal genauer hinzusehen und sich mit Weißsein und Rassismus auseinanderzusetzen. Der Hinweis kam von Natalie Ofori, Kulturwissenschaftlerin und Schwarz. An der Stelle ganz herzlichen Dank dafür! Denn, ja, sie hat mit ihrer Kritik völlig Recht. Wir haben zwar all jene eingeladen, sich mit Rassismus zu beschäftigen, die das bislang nicht getan haben. Aber das exkludiert Schwarze Hörer:innen, die sich vielleicht an der Stelle ein anderes Angebot gewünscht hätten. Denn für sie ist Rassismus nichts, womit man sich unbedingt mal beschäftigen muss, sondern Alltag. Warum hatten wir das nicht auf dem Schirm? Eine Frage, die wir uns dringend stellen müssen. Dabei hilft uns Josephine Apraku. Sie hat auf Instagram die Challenge #KritischeWeiß_heiten ins Leben gerufen. Dort stellt sie zwischen dem 6. Juni und dem 6. Juli 2020 jeden Tag eine Frage zum Thema Rassismuskritik und weiße Privilegien. Die Mitgründerin des Instituts für diskriminierungsfreie Bildung (IDB) Berlin, hat uns aus ihren vielen Fragen sechs ausgewählt, die wir in dieser Podcast-Folge besprechen wollen.
Das sind ihre Fragen:
Disclaimer: In einer Stunde können wir natürlich nicht alle Aspekte, die mit Rassismus zusammenhängen, besprechen. Es ist ein Anfang. Das Angebot richtet sich vor allem an weiße Hörer:innen, die sich bislang noch nicht so intensiv mit Rassismus und kritischem Weißsein auseinandergesetzt haben. Grundsätzlich wollen wir aber natürlich niemanden ausschließen. Wir können uns aber vorstellen, dass es für Schwarze Hörer:innen anstrengend und nervig ist, wenn wir als weiße Frauen darüber sprechen, wie wir etwas verhandeln, das für sie schon immer zum Alltag gehört.
